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IHK-Hauptgeschäftsführer Ulf Reichardt gratuliert Samer Abdulal zur bestandenen Qualifizierungsanalyse. Foto: Olaf-Wull Nickel
Blickpunkt

Ohne Zeugnisse zur beruflichen Anerkennung

Über eine Qualifikationsanalyse bei der IHK Köln erhielt der syrische Flüchtling Samer Abdulal trotz fehlender Zeugnisse und ohne weitere Nachweise die Berufsanerkennung zum Industriemeister Elektrotechnik.

Text: Sabina Janssen

Mehr als eine Million Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen. Einer von ihnen ist Samer Abdulal. Der gebürtige Syrer wollte nach seiner Ankunft in Köln vor allem eines - arbeiten. Das zudem in einem Bereich, in dem Fachkräfte hierzulande gesucht werden: Elektrotechnik. Der Beruf, den der 51-Jährige in seinem Heimatland gelernt und ausgeübt hat. Das Problem: Seine entsprechenden Qualifikationen konnte er nicht mit Zeugnissen nachweisen, denn diese hat er auf seiner Flucht nicht mitgenommen. Einziger schriftlicher Nachweis war ein Arbeitszeugnis eines schweizerischen Unternehmens, für das Samer Abdulal von 2001 bis 2013 in Syrien, Nigeria und dem Iran gearbeitet hatte.

Die Lösung bot § 14 des seit April 2012 geltenden „Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen“, kurz „Anerkennungsgesetz“. Danach können berufliche Kompetenzen auch über eine Qualifikationsanalyse nachgewiesen werden, die bei der IHK Köln abgelegt werden kann.

IHK unterstützte beim „Antrag auf Gleichwertigkeitsfeststellung“

Die Mitarbeiter des Teams „Early Intervention“ der Kölner Agentur für Arbeit standen Samer Abdulal bei der Einleitung des Verfahrens zur Seite, recherchierten seine Qualifikationen und verglichen diese mit deutschen Berufsabschlüssen, nahmen Kontakt zum ehemaligen Arbeitgeber auf und begleiteten Abdulal zur Anerkennungsberatung der IHK Köln. Nachdem er dort über die Möglichkeit der Berufsanerkennung bei fehlenden Dokumenten informiert worden war, entschloss sich Abdulal, seine elektrotechnischen Qualifikationen innerhalb des praktischen Verfahrens der Qualifikationsanalyse unter Beweis zu stellen. Nachgewiesen werden sollten dabei Können und Wissen des „Industriemeisters Elektrotechnik“ – im deutschen Berufsbildungssystem ein Fortbildungsberuf. Deutschlandweit wurde dadurch auf Grundlage des Anerkennungsgesetzes die erste Qualifikationsanalyse in einem IHK-Fortbildungsberuf in Gang gesetzt.

Mit Hilfe der IHK Köln wurden der „Antrag auf Gleichwertigkeitsfeststellung“ an die IHK FOSA (Foreign Skills Approval) gestellt, die sich als bundesweites Kompetenzzentrum aller deutscher Industrie- und Handelskammern um die Feststellung der Gleichwertigkeit ausländischer Berufsabschlüsse kümmert. Die IHK FOSA nimmt Anträge auf Anerkennung entgegen und vergleicht, inwieweit ausländische Berufsqualifikationen mit entsprechenden deutschen Berufsabschlüssen als gleichwertig eingestuft werden können.

Verzahnt wird die Arbeit der IHK FOSA in Köln mit dem bei der IHK Köln ansässigen Projekt “Prototyping Transfer – Berufsanerkennung mit Qualifikationsanalysen“, das vom Bundesbildungsministerium gefördert wird. Die dortigen Mitarbeiterinnen suchten einen Experten, der Abdulals Qualifikation prüfen sollte. Sie fanden ihn mit Eric Eck, der seit Jahren als ehrenamtlicher Prüfer für die IHK Köln tätig ist und viel Berufserfahrung als Leiter der Zentralwerkstatt Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Köln mitbringt.

Für die Prüfung eine virtuelle technische Produktionsanlage in Betrieb genommen

In einem ersten Gespräch lernten sich Eck und Abdulal im März 2016 kennen. Mit dabei: eine Dolmetscherin, da Abdulal zwar gut Englisch spricht, im Deutschen aber noch nicht so firm ist. Bis zur Qualifikationsanalyse vergingen dann noch einige Wochen, in denen Eck die Aufgaben erstellte. So musste Abdulal unter anderem eine virtuelle technische Produktionsanlage in Betrieb nehmen, betreuen und eine gleichbleibende Produktqualität sicherstellen. Die Qualifikationsanalyse bestand Abdulal in allen wesentlichen Bereichen, so dass er nun beglaubigt und bestätigt nachweisen kann, den deutschen Fortbildungsberuf „Industriemeister Elektrotechnik“ ausüben zu können.

„Die Qualifikationsanalyse ist ein wichtiger Baustein zur beruflichen Integration von Flüchtlingen“, sagte Ulf Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, bei der Zeugnisübergabe an Samer Abdulal. „Viele Flüchtlinge können ihre berufliche Qualifikation nicht mit Zeugnissen nachweisen. Genau das - berufliche Kompetenzen prüfen und sicherstellen - gehört jedoch für uns als IHK zu den Aufgaben, denen wir uns täglich widmen. Wir freuen uns, dass wir über die Einzeltests einen weiteren Beitrag zur beruflichen Integration leisten können."

Für den Syrer war das Verfahren im Übrigen kostenfrei, denn die Kosten für die Qualifikationsanalyse sowie für das Anerkennungsverfahren wurden komplett von der Agentur für Arbeit übernommen. Er hat nun beste Chancen auch in Deutschland in seinem erlernten Beruf Arbeit zu finden. Ein deutsches Unternehmen, so sagt er, hat ihm bereits eine Anstellung in Aussicht gestellt.

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