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Keine Zölle, aber viel Bürokratie

Auf den letzten Drücker haben sich EU und Großbritannien doch noch auf ein Handelsabkommen geeinigt. Die IHK Köln bietet ihren Mitgliedsunternehmen vielfältige Hilfen bei der Umsetzung der neuen Regeln.

Text: Werner Grosch

Damit hatte kaum noch jemand gerechnet: Wenige Tage vor dem Jahreswechsel haben sich EU und Großbritannien doch noch auf ein weit reichendes Handelsabkommen geeinigt, das seit dem 1. Januar nun vorläufig gilt. Im Februar sollen noch die Parlamente die Vereinbarung ratifizieren. Für betroffene Unternehmen wurden damit die schlimmsten Brexit-Folgen vermieden, aber es gibt doch eine Reihe von Dingen zu beachten. Großbritannien ist seit Jahresanfang für die EU ein Drittland, und damit sind Zoll­anmeldungen fällig.

Außerdem müssen Im- und Exporteure eine Zollnummer beantragen, die für den Handel mit Drittländern notwendig ist, die sog. EORI-Nummer. Hinzu kommt, dass die Ursprungs­eigenschaft der Ware geprüft und nachgewiesen werden muss, damit die Zollfreiheit überhaupt in Anspruch genommen werden kann. „Das alles bedeutet für die betroffenen Unternehmen auch in unserem Bezirk höheren bürokratischen Aufwand und zusätzliche Kosten“, sagt Sandra Vogt, Leiterin Zoll und Außenwirtschaftsrecht der IHK Köln.

Der Teufel liegt auch bei diesem Thema im Detail. Beispiel Warenursprung: Wenn deutsche Unternehmen Waren herstellen, in denen ein zu hoher Anteil von Vormaterialien aus Groß-britannien enthalten ist, dann können die fertigen Produkte ihre bisherige Ursprungseigenschaft verlieren. Das wiederum bedeutet, dass für die Hersteller des Produktes Zollvergünstigungen wegfallen, die sich oft aus Freihandelsabkommen der EU mit anderen Drittstaaten ergeben.

Das Abkommen bietet andererseits außer der möglichen Zollfreiheit weitere Vorteile. So ist für
die Erbringung vertraglich vereinbarter Wartungs- und Reparaturarbeiten weiterhin kein Visum erforderlich. Auf der Positivliste für die visafreie Einreise finden sich auch Dienstleistungen aus den Bereichen Buchhaltung und Rechnungswesen, Steuerberatung, Architektur sowie Ingenieurwesen. Das Vereinigte Königreich hat allerdings, wie umgekehrt auch Deutschland, die Baubranche von der visafreien Einreise ausgenommen.

Die IHK Köln stellt für ihre Mitglieder zahlreiche Infos und Hilfsangebote zu den Folgen des Brexits
bereit. Auf einer Internetseite gibt es nicht nur zahlreiche Erstinformationen zu Zollfragen,  sondern auch zu Themen wie der Umsatzsteuer, für die der Brexit ebenfalls Auswirkungen hat. Warenlieferungen von Deutschland nach Großbritannien sind jetzt nicht mehr als steuer­freie innergemeinschaftliche Lieferungen, son­­­dern als steuerfreie Ausfuhrlieferungen zu behandeln.
Dies bringt unter anderem veränderte Nachweis­pflichten mit sich.

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