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"Wir sind ein Traditionsbetrieb - diese Geschichte muss fortgeschrieben werden." Sylvia Fehn-Madaus, Inhaberin und Geschäftsführerin der Em Krützche Gaststätten GmbH. Foto: Olaf-Wull Nickel
02.2021

„Wir sind ein Traditionsbetrieb – diese Geschichte muss fortgeschrieben werden“

Interview mit Sylvia Fehn-Madaus, Inhaberin und Geschäftsführerin der Em Krützche Gaststätten GmbH, Köln

Wie ist die Lage für Sie aktuell, wie war sie bisher während der Pandemie?
Kritisch. Die Krise begann für uns Gastronomen, was viele vergessen, schon im Februar. Direkt nach Karneval ging es los mit Stornierungen, schon bald hatten wir keinerlei Einnahmen mehr, aber weiterhin erhebliche Ausgaben. Zum Glück kam uns der Verpächter mit der Stundung der Pacht entgegen, am Ende des Jahres hat er sie sogar teilweise erlassen. Das hat sehr geholfen. In den Sommermonaten war das Geschäft ganz gut, zumal die Stammgäste zu uns hielten. Ein Problem blieb aber die geringere Tischzahl wegen der Abstandsregelungen. Seit Beginn des zweiten Lockdowns ist die Situation wieder sehr schlecht. Zwar wurde unser „Gänsetaxi“ im Herbst gut angenommen, aber trotz Speisen zum Mitnehmen liegen die Kosten erheblich über den Einnahmen.

Wie finanzieren Sie sich?
Unser Umsatz 2020 liegt, ohne Hilfen gerechnet, rund 60 Prozent unter dem des Vorjahres. Dank Kurzarbeit, Überbrückungshilfen und Schnellhilfe im Frühjahr konnten wir den Umsatzverlust etwas reduzieren – auf 50 Prozent. Die für November und Dezember zugesagten Hilfen kommen allerdings nur sehr schleppend, das ist wirklich ärgerlich. Seit März greifen wir zur Finanzierung auf Rücklagen zurück, außerdem haben die Inhaber dem Betrieb nun einen Kredit gewährt.

Was haben Sie an Hygiene- und Schutzmaßnahmen umgesetzt und in was investiert?
Als gut geführter Gastronomiebetrieb haben wir ohnehin stets einen Bestand an Hygienemitteln. Den mussten wir aber natürlich aufstocken. Außerdem mussten wir in Plexiglas-Trennwände investieren. Ein beträchtlicher Aufwand war es, die Kontaktdaten der Gäste korrekt erfassen zu lassen. Wir hatten uns für die handschriftliche Erfassung entschieden. Allein dafür sowie für die regelmäßige Reinigung und Desinfektion aller Tische und Speisekarten war eine Servicekraft erforderlich, die wir an guten Tagen für nichts anders einsetzen konnten – eine erhebliche Zusatzinvestition!

Was würden Sie tun, um wieder öffnen zu können?
Das ist eine schwierige Frage. Wir haben ja beispielsweise im Sommer und Herbst sehr viel getan, um geöffnet bleiben und unsere Gäste sicher bewirten zu können. Trotzdem mussten wir wieder schließen. Ich kenne kaum einen Kollegen oder eine Kollegin, die noch Lust auf weitere Investitionen haben, stets müssen wir fürchten, dass diese umsonst sind. Das ist wirklich frustrierend. Dennoch hoffe ich jeden Tag, dass es bald wieder losgehen kann. Schließlich bin ich Gastgeberin aus Leidenschaft. Wir bieten ja viel mehr als Essen und Trinken: Bei uns kommen Menschen zusammen. Das möchte ich endlich wieder ermöglichen!

Was sind Ihre Zukunftsplanungen?
Zuallererst: wirtschaftlich überleben! Wir sind ein Traditionsbetrieb, meine Eltern übernahmen das „Krützche“ 1971, seit 2010 leite ich das Restaurant. Wir haben viele großartige, treue Gäste. Diese Geschichte muss fortgeschrieben werden! Ohne zusätzlichen Kredit wird das aber nur schwer möglich sein.

Besonders wichtig: Was erwarten Sie jetzt und künftig von der Regierung/Verwaltung, was brauchen Sie?
Wir brauchen Perspektiven! Und einen verlässlichen, langfristigen Exit-Plan. Ich wüsste wirklich mal gerne, wie sich unsere Politiker vorstellen, wie Betriebe wie der unsrige dauerhaft überleben sollen. Für viele ist es fünf vor zwölf, uns geht langsam die Luft aus. Zudem erwarte ich von der Politik und Verwaltung, ihre Versprechen einzuhalten. Die Hilfen und das Kurzarbeitergeld müssen viel schneller überwiesen werden. Und noch etwas: Dass vieles so lange dauert, hat natürlich auch mit veralteter Technologie zu tun. Die Prozesse in der Verwaltung müssen digitaler werden!

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