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Markus Wißkirchen, Betreiber des Restaurant Wisskirchen, fordert Sachverstand und Fleiß von der Politik. Foto: Michael Claushallmann
03.2021

"Wir haben alles schließen müssen."

Markus Wißkirchen, Betreiber des Restaurant Wisskirchen in Odenthal, spricht im Interview mit Barbara Willms über die Folgen der Krise auf sein Geschäft.

Was bedeuten Corona und die Folgemaßnahmen für Ihr Haus?
Wir haben natürlich alles schließen müssen. Das Einzige, was wir in der Corona Zeit anbieten, sind Speisen zum Mitnehmen. Unsere Mitarbeiter konnten wir alle halten, was sehr wichtig ist, denn wir brauchen sie später, wenn es wieder losgeht. Wir haben uns retten können über Kurzarbeitergeld und die verschiedenen Hilfsmaßnahmen und KfW-Kredite, so dass wir zwar Verluste schreiben, es uns aber nicht das Genick brechen wird.

Welche finanziellen Hilfen haben Sie genau in Anspruch genommen?
Zunächst während des allerersten Lockdowns haben wir die Soforthilfe über 25.000 Euro in Anspruch genommen. Dann KfW-Kredite - das war schon eine beträchtliche Summe in Höhe eines Monatsumsatzes, um den Sommer liquiditätsmäßig zu überleben. Weil wir im Sommer mit unserem Angebot A la carte - außer Haus gute Umsätze erwirtschaftet haben, kam die Überbrückungshilfe II erst im Oktober in Frage, dann die November- und Dezemberhilfe mit 75 Prozent. Für die ersten Monate 2021 haben wir Überbrückungshilfe III beantragt. Das Kurzarbeitergeld haben wir während des ersten Lockdowns, danach nur noch ganz vereinzelt und in diesem Jahr wegen der neuen Konstruktion des Überbrückungsgeldes wieder in Anspruch genommen.

Wie lief es mit der Auszahlung der Hilfen?
Unterschiedlich. Die Soforthilfe kam relativ zügig. Mit dem Kurzarbeitergeld funktionierte es auch ganz gut, die Beantragung war, ich nenne es mal, durchschaubar, das Geld kam relativ zeitnah. Bei den KfW-Krediten war es schwierig. Anfangs gingen die Bürgschaften ja nur über 80 oder 90 Prozent, und ich fand sehr schade, dass die Banken uns nicht einmal zehn Prozent zugetraut haben. Bei den Überbrückungshilfen gab es jeweils unterschiedliche Antragsverfahren, und es war lange Zeit nicht klar, inwieweit sie sich mit anderen Hilfen überschneiden. Das war selbst für den Steuerberater kompliziert. Und dass die Auszahlung der November- und Dezemberhilfe so spät kam, war ein großes Ärgernis. Letztlich kam das Geld ja dann, und wenn es da war, war der Ärger auch schnell verflogen, nach dem Motto, wie der Kölsche sagt: „Et hätt noch immer jotjejange…“. Aber es gibt ganz bestimmt Betriebe, die keine so langen Zeiten mit Liquiditätsproblemen durchhalten können. Bei den KfW-Krediten im vergangenen Frühjahr, da haben die Banken teilweise richtig geklemmt. Selbst als es KfW 100 gab, also eine hundertprozentige staatliche Bürgschaft, haben sich einige sehr schwer getan mit der Vorfinanzierung, und da gab es dann ziemlich große finanzielle Engpässe. Und man muss ja sehen, dass das Kurzarbeitergeld auch immer erst nachträglich kommt, also drei bis vier Wochen nach der Zahlung an die Mitarbeiter, da tritt man ja auch in Vorleistung.

Ein typischer Tagesablauf im Lockdown – wie sieht der aus?
Mein Tagesablauf hat sich verschoben: Ich fange früher an und höre früher auf als sonst. Die Verwaltung der Krise ist leider genauso viel Arbeit wie die Verwaltung der Arbeit. Ich muss mich um so viele Formulare kümmern, renne jeder Bratwurst in der Küche hinterher, damit der Wareneinsatz auch ganz genau protokolliert wird. Den Verkauf außer Haus mache ich auch, weil ich meine Mitarbeiter und Kunden in Kontakt und bei Laune halten will. Gelegentlich gibt es kleinere „Scharmützel“ mit dem Ordnungsamt, wenn sich zum Beispiel ein behindertes Kind auf die abgesperrte Bank vor dem Haus setzt und schon in die Waffel beißen will, dann aber der Ordnungshüter kommt und das Kind zwanzig Meter weiter gehen soll.

Welche Zukunftspläne haben Sie für Ihr Haus?
Wir sind jetzt dabei, vieles zu renovieren, hier zu streichen, da eine Beleuchtung auszutauschen und zum Beispiel auch eine neue Belüftungsanlage einzubauen oder Software zu erneuern, was ja erfreulicherweise gefördert wird. Ich bin absolut zuversichtlich, dass unser Haus genau so voll ist wie vorher, sobald wir aufmachen dürfen und halte an allen Plänen fest, zum Beispiel will ich einen großen Bankettsaal bauen. Eines wird sich ändern: Ich rechne mit weniger Tagungsgeschäft und werde stattdessen noch mehr touristische Angebote machen.

Was fordern Sie von Politik und Verwaltung?
Sachverstand und Fleiß. Ich möchte die Politiker teilweise auch ein bisschen in Schutz nehmen und sage immer, die Probleme machen nicht Merkel, Spahn und Scholz, sondern leider die Etagen darunter. Das sind dann zum Beispiel unsere Bezirksregierungen, die mit den Auszahlungen nicht vorankommen, aber auch nicht fragen: Wo hakt es denn, wo müssen wir was ändern? Bei den Maßnahmen wünsche ich mir mehr, dass mehr unterschiedliche Wissenschaftler gehört werden und die Diskussion offener geführt wird. So langsam macht man das ja auch, indem es nicht mehr nur um einen festen Inzidenzwert geht und mehr Testungen gemacht werden.