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Pétur Müller, einer der Gründer von Dynamaze, wünscht sich eine effizientere und unbürokratischere Maßnahmenumsetzung. Foto: Michael Claushallmann
03.2021

"Unsere Umsätze sind sofort auf Null runtergegangen."

Dynamaze ist ein 2019 gegründetes Startup-Unternehmen, das online günstige Resttickets für Freizeit-Aktivitäten in der Region anbietet. Corona traf das Unternehmen, als die ersten Umsätze gerade anliefen. Pétur Müller ist einer der drei Gründer von Dynamaze.

Wie sind Sie bisher durch die Pandemie gekommen?
Anfangs war es ein ziemlicher Schock: Wir hatten gerade unsere Plattform entwickelt und waren dabei, unsere Buchungen jeden Monat stetig zu steigern. Dann kam von einem auf den anderen Tag der Lockdown-Beschluss. Unsere Umsätze sind sofort auf 0 runter gegangen. Nach einigen Tagen haben wir uns dann allerdings aufgerafft und gemeinsam beschlossen, das Beste aus der Situation zu machen. Wir haben sehr viele Ressourcen in die technische Weiterentwicklung der Plattform gesteckt. Insbesondere schwierig war es dann im November. Der Oktober war ein sehr erfolgreicher Monat, und wir sind davon ausgegangen, dass wir ab Dezember 2020 wieder voll angreifen können. Wir haben Anfang November nicht damit gerechnet, dass wir mehrere Monate nicht operativ tätig sein können.

Inwieweit haben Sie Ihr Startkonzept anpassen müssen?
Das grundsätzliche Konzept haben wir nicht groß angepasst, wohl aber die Umsetzung dieses Konzepts. Wir haben entgegen unserer ursprünglichen Planung einen deutlich stärkeren Fokus auf die technische Weiterentwicklung der Plattform gelegt und arbeiten momentan an einer Internationalisierungs-Strategie. Da wir davon ausgehen, dass andere Regionen sich schneller von der jetzigen Lage erholen werden als die DACH-Region. Insgesamt ist es für uns wichtig, die generelle Strategie möglichst schnell an die externen Umstände anzupassen.

Welche staatlichen Finanzhilfen haben Sie in Anspruch genommen?
Wir haben die staatlichen Überbrückungshilfen seit November 2020 wahrgenommen. Insgesamt schätzen wir es natürlich, dass der Staat überhaupt derartige Hilfen anbietet. Das ist gerade im internationalen Vergleich sicherlich nicht selbstverständlich. Allerdings helfen diese uns nicht in besonderem Maße, da wir mit unserem Startup noch in einer relativ frühen Phase sind und daher die Umsätze, die als Bemessungsgrundlage genutzt werden, noch nicht sehr hoch sind.

Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten für Ihr Unternehmen ein?
Kurzfristig wird es sehr herausfordernd für uns, da nach wie vor nicht absehbar ist, wann wir wieder Tickets verkaufen können. Insbesondere Großveranstaltungen werden sicherlich noch eine Weile auf sich warten lassen müssen. Wir hoffen, dass zumindest Freizeitanbieter (wie Bäder, Kultureinrichtungen und Freizeitparks) zeitnah wieder öffnen können. Mittelfristig sehen wir allerdings auch positive Trends: Die Corona-Pandemie führt maßgeblich dazu bei, dass Trends der Digitalisierung schneller umgesetzt werden und Entscheider diesen generell offener gegenüberstehen.

Empfinden Sie den staatlichen Maßnahmenkatalog als angemessen und ausreichend?
Insgesamt sind die staatlichen Maßnahmen meines Erachtens angemessen, allerdings stört mich die Umsetzung dieser Maßnahmen. Ich habe einerseits den Eindruck, dass der massive Verwaltungsapparat dafür sorgt, dass viele Unternehmen ihre Hilfen nicht schnell genug bekommen und die Antragsstellung unnötig verkompliziert wird. Zudem bin ich der festen Überzeugung, dass man mit einer ausgereifteren und effizienteren Impfstrategie schneller wieder den „Normalzustand“ erreichen könnte.

Was ist Ihre dringendste Forderung an Politik und Verwaltung?
Meine dringendste Forderung an die Politik und Verwaltung lautet, dass die Maßnahmen nicht nur auf dem Papier sinnvoll erscheinen, sondern insbesondere darauf geachtet werden muss, dass diese Maßnahmen möglichst effizient und unbürokratisch umgesetzt werden können. Das Hauptproblem sind nicht die verabschiedeten Maßnahmen, sondern die langwierigen und undurchdachten Prozesse, die mit den Maßnahmen einhergehen.

Das Interview führte Barbara Willms

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