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Michael Gliss und sein Unternehmen fühlen sich von der Regierung "gut geführt", wünschen sich allerdings hinsichtlich der Finanzierungshilfen eine differenziertere Betrachtung auf die Unternehmen. Foto: Dominik Ketz
01.2021

"Trommeln, was das Zeug hält, und Präsenz zeigen!"

Interview mit Michael Gliss, Gründer des Gliss Caffee Contors, Köln

Wie ist die Lage für Sie aktuell, wie war sie bisher während der Pandemie?
Seit März 2020 haben wir rund 80 Prozent unseres Umsatzes aus unseren Kundengruppen verloren, den wir bisher auch nicht aus anderen Zielgruppen ausgleichen konnten. Unsere Hauptkunden sind die Hospitality-Branche, der Tourismus, Dienstleister und andere Händler, somit die Branchen, die fast immer im Lockdown waren und sind.

Wie finanzieren Sie sich?
Unsere Finanzierung besteht aus Eigenmitteln nach einer einmaligen staatlichen Soforthilfe Anfang 2020.

Was haben Sie an Hygiene- und Schutzmaßnahmen umgesetzt und in was investiert?
In unserem stationären Geschäft in Köln haben wir ein striktes Hygienekonzept umgesetzt mit maximal einem Kunden im Geschäft, maximal einem Mitarbeiter im Kundenbereich, Desinfektion bei allen Kontaktpunkten und vollständige Aussetzung der bisherigen Kaffeeverkostungen und Weinangebote.

Was würden Sie tun, um wieder öffnen zu können?
Unser Geschäft in der St.-Apern-Straße darf zum Glück öffnen, wir verkaufen ja Lebensmittel. Wirtschaftlich ist das nicht, denn die Innenstadt ist leer, derzeit zieht es kaum Menschen in die Geschäftsstraßen. Man sieht jetzt deutlich: Einzelhandel und Gastronomie machen die Seele der Innenstadt aus, ohne ist es hier fast tot. Gerade deshalb öffnen wir. Wir wollen zeigen: Die Stadt ist noch da, der Handel ist noch da, wir kommen zurück!

Was sind Ihre Zukunftsplanungen?
Trommeln, was das Zeug hält, und Präsenz zeigen! Mit entscheidend wird es sein, dass Gliss Caffee als Marke weiter massiv die Wahrnehmung in den digitalen Fenstern vorantreibt. Der Ausbau unserer digitalen Standbeine mit dem neuen Gliss-Caffee-Onlineshop und unserer neuen Homepage, unsere regelmäßigen Webinare rund um Kaffee und Kulinarik sowie die seit März 2020 tägliche Live-Sendung im Videoblog in den Social-Media-Kanälen zimmern uns hoffentlich eine starke Basis für 2021 und die Folgejahre.

Was erwarten Sie jetzt und künftig von der Regierung/Verwaltung, was brauchen Sie?
Dass unsere Regierung größtenteils so weitermacht. Seit Beginn der Pandemie fühlen wir uns in Deutschland hinsichtlich der hygienischen und medizinischen Strategie unterm Strich als Unternehmen und persönlich „gut geführt“ von der Regierung. Bei den finanziellen Unterstützungsprogrammen fallen wir aufgrund individueller Kriterien bedauerlicherweise durch die Raster und erwarten hier rasch mehr differenzierte Betrachtungen. Aktuell setzen wir darauf, dass wir ab dem 2. Halbjahr 2021 wieder mächtigst mit Kunden, Gästen, Kreuzfahrten und Events planen können. Dann werden wir weitersehen

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