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Annegret Köhler, Geschäftsführende Gesellschafterin der SANOSTRA GmbH für Showinszenierungen, beschreibt die Folgen der Pandemie für ihr Unternehmen. Foto: Michael Claushallmann
03.2021

"Seit März 2020 sind alle Aufträge abgesagt worden."

Annegret Köhler und Björn Hanefeld sind Geschäftsführende Gesellschafter der SANOSTRA GmbH für Showinszenierungen. Die in Köln ansässige Firma produziert seit mehr als 15 Jahren Künstlerprogramme für Firmenevents und Großveranstaltungen auf nationaler und internationaler Ebene. Annegret Köhler schildert im Interview mit Barbara Willms, was die Pandemie für ihr Unternehmen bedeutet.

Wie hat die Pandemie Ihr Unternehmen getroffen?
Seit März 2020 sind uns alle Aufträge abgesagt worden - so z.B. künstlerische Darbietungen für Veranstaltungen von Kunden wie L’Oréal, MAN oder die ING Bank, sowie auch eine große Eröffnungsshow in der RedBull Arena Leipzig. Neue Anfragen sind durch das Veranstaltungsverbot ausgeblieben. Somit konnten wir keine Einnahmen mehr erzielen. Einer langjährigen festangestellten Mitarbeiterin mussten wir kündigen. Unsere über 60 freiberuflichen Künstler*innen konnten wir nicht mehr engagieren.

Seit über einem Jahr keine Aufträge - wie finanzieren Sie sich?
In den ersten Monaten haben wir den Verdienstausfall durch vorhandenes Firmenkapital und ergänzend durch die vom Land NRW bereitgestellte Soforthilfe aufgefangen. Im Anschluss haben wir Überbrückungshilfen beantragt. Hierdurch konnten wir anteilig unsere Betriebskosten für Büro und Lagermiete finanzieren. Unberücksichtigt blieben hier unter anderem unsere Gehälter als geschäftsführende Gesellschafter, da diese explizit von den Hilfen ausgeschlossen wurden. Um als Firma und privat zu überleben, haben wir einen KFW-Kredit aufgenommen.

Was machen Sie mit dem Equipment, von den Kostümen über die Requisiten bis hin zum spezifischen technischen Material?
Unser Fundus, inklusive zahlreichen Kostümen, artistischen Gerätschaften, hochwertiger LED-Technik für Leuchtrequisiten sowie Personenflugwinden für künstlerische Anwendungen, kann derzeit nicht zum Einsatz gebracht werden. Ein Verkauf ist nicht möglich, da sich in dieser Zeit keine Interessenten finden lassen. Mitbewerber aus der Branche, die dieses sehr spezifische Material nutzen könnten, befinden sich in der gleichen Situation wie wir.

The Show must go on – aber wie? Arbeiten Sie jetzt schon an Konzepten für die Zukunft?
Ja, in der Tat. Gemäß dem Slogan „No Show? No Way!“ haben wir mit viel Leidenschaft seit Mitte letzten Jahres daran gearbeitet, unsere Unternehmensinhalte neu aufzustellen und anders zu positionieren. Seit diesem Februar haben wir #SHAREYOURSHOW, ein digitales Videoportal für Artistik, Tanz und kreativ-sportliche Performances ins Leben gerufen. Hier können Künstler*innen ihre Shows online zeigen. So kommen Zuschauer*innen weiter in den Genuss spannende Videos und inspirierende Momente zu erleben. Das Projekt haben wir bisher über unseren KFW-Kredit finanziert. Wir sind daher dringend auf finanzielle Unterstützung von Förderern und Sponsoren angewiesen, und hoffen, hier recht schnell Partner für unsere Idee gewinnen zu können.

Fühlen Sie sich von den aktuellen politischen Maßnahmen hinreichend berücksichtigt?
Die unter dem Titel „Neustart Kultur“ bereitgestellten Fördergelder, die für den Kunst- und Kulturbereich vorgesehen wurden, greifen bei unserem kreativ-wirtschaftlichen Unternehmen, das in der Unterhaltungs- und Veranstaltungsbranche tätig ist, leider nicht. Bei den Ausschreibungen und der Mittelvergabe fallen wir bisher durch das Netz der Hilfen. Wir waren mit unserer Branche die ersten, die durch die Pandemie-Maßnahmen getroffen wurden und sind voraussichtlich die letzten, die bei den Öffnungsversuchen berücksichtigt werden.

Was sind Ihre konkreten Forderungen an Politik und Verwaltung?
Wir haben mit unserer Firma über Jahre solide gewirtschaftet und unsere steuerlichen Beiträge abgeführt. Da wir, bedingt durch die Corona-Pandemie, unverschuldet bereits seit über einem Jahr keine Einkünfte mehr erzielen können, fordern wir in unserem Fall insbesondere, dass die Gehälter für Geschäftsführende Gesellschafter bei den Überbrückungshilfen eingeschlossen und bezuschusst werden und dass der gemittelte Umsatz des Vorjahres oder der 3 Vorjahre und nicht der Umsatz einzelner Monate als Grundlage der Förderung zu Grunde gelegt wird.

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