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"Jetzt würde ich mir wünschen, dass der zweite Lockdown von der Landesregierung genutzt würde, um bestehende Konzepte zu prüfen und für die Zeit danach frei zu geben." Foto: Olaf-Wull Nickel
01.2021

"Planbarkeit gibt es für mich nicht mehr."

Iris Rinnus, Inhaberin der Pension Alt-Rodenkirchen, spricht im IHK-Interview über die Herausforderungen der Pandemie besonders in der Hotel-Branche.

Wie war und ist die Lage Ihres Unternehmens während der Pandemie?
Die Vollbremsung vieler Wirtschaftsbereiche im Frühjahr war beängstigend und hat mein Hotel mit voller Wucht getroffen. Anfang März wurde in Köln die größte Frühjahrsmesse nur drei Tage vor dem Start abgesagt. Es folgte der Lockdown mit der Teilschließung des Hotels. Das war ein Gefühl der Ohnmacht. Seitdem ist es ein ständiges Auf und Ab, je nach den Infektionszahlen. Planbarkeit gibt es für mich nicht mehr. Alles ist unkalkulierbar. Ich kann morgens nicht sagen, ob und wie viele Handwerker und Geschäftsreisende bei uns abends übernachten werden.

Wie finanzieren Sie sich, wie hoch sind Ihre Einbußen, haben Sie Hilfen in Anspruch genommen?
Unser Umsatz ist seit April um 60 Prozent zurückgegangen. Obwohl mir die Immobilie gehört, musste ich Soforthilfe, Überbrückungsgeld, Novemberhilfe und auch die Dezemberhilfe in Anspruch nehmen. Ich bin froh, dass es diese Hilfen gibt, auch wenn es zur Beantragung, den nachträglich bekannt gegebenen Bedingungen und den Kriterien einiges zu kritisieren gibt. Großunternehmen werden so großzügig unterstützt, dass sie sogar Boni an ihre Vorstände zahlen, aber Kleinunternehmen, so auch ich, müssen Hilfen teilweise zurück erstatten.

Was haben Sie an Hygiene- und Schutzmaßnahmen umgesetzt, worin investiert?
Natürlich haben wir ein coronakonformes Hygienekonzept erarbeitet: sensorgesteuerte Desinfektionsspender, Spuckschutz an der Rezeption, Maskenpflicht in den öffentlichen Bereichen, Erhöhung von Reinigungsintervallen und Weiteres. Eine besondere Herausforderung ist unser Frühstücksraum. Da wir ein sehr kleines Haus sind, ist auch der Frühstücksbereich klein. Wir haben Timeslots eingerichtet, die vorab gebucht werden müssen, und statt Buffet anzubieten, servieren wir das Frühstück am Tisch.

Was würden Sie tun, um wieder öffnen zu können?
Ich denke, ich habe in meinem Hotel bereits jetzt die Sicherheitsmaßnahmen optimal umgesetzt. Generell gab es auch vor Corona hohe Hygieneansprüche in unserer Branche. Wir sind daran gewöhnt, solche Standards umzusetzen und haben schnell reagiert. Ich habe die Zeit des ersten Lockdowns genutzt, um mit viel Geld und Eigenleistung alle Auflagen zu erfüllen. Jetzt würde ich mir wünschen, dass der zweite Lockdown von der Landesregierung genutzt würde, um bestehende Konzepte zu prüfen und für die Zeit danach frei zu geben.

Was sind Ihre Zukunftsplanungen?
Meine Zukunftspläne? Irgendwie durch diese bittere Zeit zu kommen und meinem Hotel nach 37 erfolgreichen Jahren weitere folgen lassen zu können. Wenn sich im Frühjahr die Zahlen nicht deutlich ändern, geht mir die Kraft aus, denn momentan muss ich täglich vor Ort sein und alles hygienekonform bereithalten, habe aber kaum Buchungen. Ich glaube jedoch an eine Eindämmung der Pandemie und hoffe, bei steigender Auslastung und durch die Wiedereinstellung von Mitarbeitern meine Situation verbessern zu können.

Was erwarten Sie jetzt und künftig von der Regierung und Verwaltung?
Ich fordere einen angemessenen Unternehmerlohn. Unsere Betriebe im Gastgewerbe werden per Verordnung  zur Eindämmung des Infektionsgeschehens teilweise oder ganz geschlossen. Wenn dies zum Schutze der Solidargemeinschaft erforderlich ist, darf man von dieser auch einen solidarischen Beitrag zum Lebensunterhalt erwarten. Fixkostenerstattungen machen nicht satt, sie erhalten nur das Gerüst, um nach der Pandemie wieder anknüpfen zu können. Nur: Das Ende der Pandemie muss man auch erreichen können!

Das Interview führte Barbara Willms

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