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Dr. Uwe Vetterlein ist seit dem 1. September Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. Foto: Nadine Preiß
10.2021

"Ohne Unternehmen sind die Klimaziele nicht erreichbar!"

Seit dem 1. September ist Dr. Uwe Vetterlein Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. Es gibt viel zu tun für die Zukunft der Region: Besonders im Rheinischen Revier und bei der Gestaltung der Innenstädte müssen jetzt wichtige Weichen gestellt werden.

Herr Dr. Vetterlein, Sie sind seit langem Wahlkölner, aber Ihre berufliche Heimat lag im Rhein-Main-Gebiet.Wo sehen Sie mit Ihrem noch frischen Blick auf die Region die größten Herausforderungen?

Mich erstaunt, dass die Region bei vielen Dingen immer noch nicht als Gesamtheit betrachtet wird. Zum Beispiel das Rheinische Revier: Das wird hier teilweise als ein rein regionales Problem des Rhein-Erft-Kreises und der anderen unmittelbar betroffenen Landkreise gesehen. Dabei hat die Entwicklung des Gebietes Bedeutung für den gesamten IHK-Bezirk. Und weit darüber hinaus. Es geht nicht nur um zukünftige Arbeitsplätze, sondern ganz konkret auch um den Strom, der dort bald nicht mehr produziert wird. Wir werden Ersatz brauchen – nicht nur für die chemische Industrie, sondern zum Beispiel auch für neue Rechenzentren! Die Klimaziele plus die Umstellung auf grünen Strom werden wir nur mit sehr viel Innovationskraft der Unternehmen schaffen. Wenn die Industrie nicht dorthin wandern soll, wo der Strom ist, werden wir für Strom an den Stellen sorgen müssen, an denen wir Industriebetriebe haben und halten möchten.

Sehen Sie denn Chancen für die Ansiedlung neuer Industrien in unserer Region?

Absolut! Deutschland ist für globale Unternehmen ein attraktiver Standort – zentral, sicher, stabil, mit einem noch einigermaßen großen Potenzial an Fachkräften und hoch qualifizierten Ingenieurinnen und Ingenieuren. Forschung und Entwicklung ist wichtig, aber wir brauchen hier Industriearbeitsplätze – gerne auch als CO2-freier Standort! Für den Strukturwandel brauchen wir im Rheinischen Revier geeignet große Gewerbe- und Industrieflächen und auch mal eine Fläche für die vielfach ungeliebte Logistik. Und Flächen für Energieerzeugung. Dabei hilft nur vernetztes Denken, keine kleinteilige Kirchturmpolitik.
Wir müssen die gesamte rheinische Region in den Blick nehmen, entwickeln und international vermarkten. Das war ja auch der Grundgedanke für die Metropolregion Rheinland, leider bislang mit überschaubaren Erfolgen. Auch hier werde ich mich engagieren, denn wenn das Rheinland insgesamt gut dasteht, profitiert hier jede Kommune.

Stichwort Kommune: Spätestens seit Corona sehen wir, dass das alte Konzept „Innenstadt als Einkaufsstadt“ nicht mehr richtig funktioniert?

Die Dominanz des Handels in den Innenstädten ist offensichtlich vorbei. Jetzt geht es um intelligente und innovative Konzepte für die Städte der Zukunft. Wenn wir in europäischer Tradition die Stadt weiterhin als Ort verstehen, an dem Menschen zusammentreffen, müssen wir die Funktionen neu ordnen und gewichten: Wie verbindet man öffentlichen Raum für Bürgerinnen und Bürger mit Freizeit, Kultur, nach wie vor Einkaufen, Wohnen und Arbeit? Wo findet der politische Diskurs statt – ganz aktuell: Wo stehen vor Wahlen die Stände der Parteien und finden Kundgebungen statt? Vielleicht kann man das ein oder andere Konzept erst einmal in kleineren Kommunen oder einzelnen Veedeln erproben, bevor man sich an den großen Wurf für eine Millionenstadt traut. Hier müssen wir in einen Wettbewerb um Ideen eintreten, überzeugende Konzepte übernehmen und dann umsetzen.
Dafür setzen wir uns im Präsidium und den Ausschüssen gemeinsam mit unseren Unternehmerinnen und Unternehmern ein, es gibt bereits sehr konkrete Vorschläge und einen lebhaften Diskurs, zu dem wir herzlich einladen!

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