Stichwortsuche

Engagiert sich gern für die Bickendorfer Interessengemeinschaft: Stephanie Terbrüggen Foto: Ulrich Kaifer
Porträt

„Mehr als et Büdche...“

In unserer Serie „Jetzt mal Klartext!“ kommen Unternehmerinnen und Unternehmer direkt zu Wort: Welche Qualitäten hat ihr Standort? Wo gibt es Mängel? „IHKplus“-Autor Werner Grosch hat mit Stephanie Terbrüggen, Event-Unternehmerin aus Köln-Bickendorf, gesprochen.

Frau Terbrüggen,  die meisten Kölner werden Bickendorf als Standort des „Bickendorfer Büdchens“ der „Bläck  Fööss“ kennen, aber da hört es für manche schon auf, und viele sehen den Stadtteil  als einen unattraktiven Standort an.

Bickendorf hat unschöne Ecken, wie jeder andere Stadtteil  auch, aber es ist weit mehr. Schon durch die Renovierung der Riphahn-Siedlung ist der Stadtteil sehr aufgewertet  worden, inzwischen leben viele junge Familien hier. Ich selbst wohne mit meiner Familie hier total im Grünen, mit fünf Hühnern im Garten, nebenan hält ein Imker seine Bienen. Es gibt hier auch einen etablierten  hochwertigen  Einzelhandel. Die Bickendorfer Interessengemeinschaft, kurz BIG, hat immer wieder  mit vielen neuen Ideen unseren Stadtteil etabliert und erfolgreicher gemacht.

Dennoch ist ein wichtiges  Thema für Sie aktuell der zentrale Rochusplatz, durch dessen geplante Bebauung Sie eine soziale Verschlechterung befürchten.

Die GAG (städtische Wohnungsbaugesellschaft, Anm. d. Red.) will hier 100 Prozent sozialen Wohnungsbau umsetzen, wir brauchen aber eine gesunde Mischung, um auch sozial attraktiv  zu bleiben und die Kaufkraft nicht zu verlieren. Außerdem fallen viele Parkplätze weg und der Wochenmarkt ist bedroht. Das ist schon eine Gefahr für Bickendorf, und wir haben das Gefühl, das man uns nicht zuhört.

Sie engagieren sich in der Bickendorfer Interessengemeinschaft – mit welchem Ziel?

Ich finde, das Engagement für das eigene Viertel ist Friedenspolitik vor der Haustür. Es geht immer im besten und umfassendsten Sinne um Lebensqualität. Und dazu gehört auch, die lokalen Unternehmen zu stärken. Das tun wir in der BIG, das versuche ich auch als Unternehmerin, indem ich beispielsweise die benachbarte Druckerei beauftrage – und übrigens auch als Mutter,  die ihre drei Kinder alle in die Bickendorfer Fahrschule geschickt hat, obwohl sie das zuerst nicht wollten.

Werden die Qualitäten von Bickendorf also oft unterschätzt?

Absolut! Hinter Ehrenfeld hört alles auf, hat man das Gefühl. Dabei hat man hier die gesamte Bandbreite des Lebens und als Unternehmen auch eine gute Infrastruktur  mit schneller Anbindung an die Innenstadt wie an die Autobahn. Das ist für uns als bundesweit aktives Unternehmen eben auch sehr wichtig.

Nicht alle, die selbstständig oder sonst beruflich stark eingespannt sind, tun sich noch solches Engagement an.

Ganz ehrlich: Eine Vorstands- oder Redaktionssitzung  der BIG ist für mich keine Arbeit,  sondern vor allem Inspiration und Austausch. Und wenn wir ein Teammeeting im Senioren-Wohnstift  veranstalten, dann ist das eine wunderbare Art der Vernetzung und zeigt einfach die Vielfalt dieses Stadtteils. Bickendorf ist super.

DIE UNTERNEHMERIN

Stephanie Terbrüggen führt gemeinsam mit ihrer Schwester Barbara Terbrüggen seit 1996 die Terbrüggen Show-Produktion GmbH, die auf die Gestaltung von Events mit Einsatz bekannter Figuren wie der WDR-Maus spezialisiert ist. Stephanie Terbrüggen war zehn Jahre im Vorstand der Bickendorfer Interessengemeinschaft (BIG), in der rund 100 Geschäftsleute zusammengeschlossen sind. Bis heute engagiert sie sich intensiv für „ihren“  Kölner Stadtteil, in dem sie nicht nur den Firmensitz hat, sondern auch lebt – mitsamt ihren fünf Hühnern.

WEITERE THEMEN