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Thomas Bellefontaine, Inhaber und Geschäftsführer des Restaurants und Hotels Schloß Loersfeld in Kerpen. Foto: Michael Claushallmann
09.2021

„Kündigungsschutz überarbeiten, mehr Praxis in die Ausbildung“

Thomas Bellefontaine ist Inhaber und Geschäftsführer des Restaurants und Hotels Schloß Loersfeld in Kerpen. Die historische Anlage mit dem zentralen Wasserschloss wurde schon im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt.

Haben Sie aktuell genügend Personal für einen Re-Start?
Wir konnten seit dem vergangenen Herbst bis auf einen jungen Mitarbeiter, der ganz aus der Gastronomie heraus wollte, alle unsere festen Mitarbeiter halten und ihnen Kurzarbeit anbieten. Das wurde gern angenommen. Arbeitslosigkeit wäre vielleicht eine Alternative gewesen, macht sich aber nicht gut im Lebenslauf. Wir haben die Zeit genutzt, um Liegengebliebenes zu erledigen und ganz neue Angebote zu machen, zum Beispiel – was sehr gut ankam – Wohnmobil-Dinner im Schloßhof.

Wie sieht es mit den Aushilfen aus?
Normalerweise beschäftigen wir neben zehn festangestellten Mitarbeitern bis zu zehn Aushilfen. Die Pandemiezeit haben wir nur mit unseren Festangestellten bestritten. Von den Aushilfen weiß ich, dass viele in den Testzentren untergekommen sind, einige im Einzelhandel. Eine Aushilfe von uns, eine Studentin, ist wieder zurück zu ihren Eltern gezogen, um die Miete zu sparen. Ich denke, wenn sich die Pandemiesituation entspannt und Testzentren aufgelöst werden, wird es etwas einfacher, Aushilfskräfte zu finden.

Wie finden Sie Mitarbeiter*innen, die zu Ihrem Haus passen?
Im Moment ist es schwierig, für den Service überhaupt neue Leute zu finden. Für die Küche haben wir kürzlich über ein großes Internetportal einen Mitarbeiter gefunden. Bei der Agentur für Arbeit hatten wir noch keinen Erfolg. Mund-zu-Mund-Propaganda ist ein wichtiger Punkt für uns als Arbeitgeber wie auch für die Mitarbeiter, die ja heute sehr gut miteinander vernetzt sind und früh erfahren: Da schließt etwas, da wird etwas neu eröffnet, da wird jemand gesucht.

In welchem Bereich ist der Re-Start am stärksten?
Sowohl im Restaurant als auch im Hotel. Wir hatten gleich Übernachtungsbuchungen. Im Restaurantbereich hat es mit kleineren Reservierungen begonnen: Zweier-, Vierer-, Sechsertische. Problematisch sind noch größere Feiern, die einen monatelangen Planungsvorlauf haben – der war ja coronabedingt nicht gegeben. Eine Hochzeitsfeier zum Beispiel haben wir schon dreimal verschieben müssen.

Welche Beschäftigungshürde sollte in der Gastronomie und Hotellerie fallen – aktuell und generell?
Probleme bereitet uns Arbeitgebern der Kündigungsschutz, das weiß ich aus persönlicher Erfahrung. Recht haben, nach der eigenen und der Auffassung des Anwalts, bedeutet nicht, auch Recht zu bekommen. Natürlich sollte der Kündigungsschutz keinesfalls abgeschafft werden, aber er sollte überarbeitet werden. Das würde meiner Einschätzung nach zu einer größeren Bereitschaft führen, sowohl Mitarbeiter fest einzustellen als auch mehr auszubilden.

Stichwort Ausbildung: Gibt es Bereiche, die Ihrer Meinung nach verbessert werden müssten?
Ich denke, wir brauchen mehr Praxis. Ich war immer schon ein Verfechter der Meinung, dass Allgemeinbildung, etwa Unterricht in Deutsch oder Mathe, vor und erst nicht in der Berufsschule stattfinden soll. Innerhalb der dualen Ausbildung müsste der Anteil der Berufsschulzeit zugunsten der Praxis verkürzt werden, und in der Berufsschule selbst wäre ein stärkerer Praxisbezug sinnvoll. Das alles würde es auch kleineren Unternehmen leichter machen, auszubilden – denn dem hohen Aufwand würde ein größerer Nutzen entgegenstehen.

Was sagen Sie zu Forderungen nach Preiserhöhungen – auch vor dem Hintergrund, Mitarbeiter*innen besser bezahlen zu können?
Die Preise in der Gastronomie und Hotellerie müssen etwas höher sein als vor Beginn der Pandemie, damit wir die inzwischen gestiegenen Kosten auffangen können. Absolutes No Go ist aber, wenn versucht wird, Verluste aus dem Lockdown nachträglich durch Preiserhöhungen wettzumachen. Und: Ja, es wäre durchaus gerechtfertigt, wenn die Gehälter und Löhne höher wären. Es ist aber leider auch so, dass die Dienstleistungen im Restaurant und Hotel von vielen Menschen noch immer nicht so anerkannt, nicht so hoch wertgeschätzt werden wie andere handwerkliche Berufe.

Das Interview führte Barbara Willms

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