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„Es ist sehr frustrierend, dass mich alle Bemühungen nicht vor einem zweiten Lockdown bewahrt haben.“ Britta Brechtefeld, Inhaberin „Pilates Bodymotion“ in Köln. Foto: Olaf-Wull Nickel
02.2021

"Ich wünsche mir eine klare Vorgehensweise"

Britta Brechtefeld, Inhaberin des Pilates-Studio und Ausbildungszentrum Bodymotion, berichtet im IHK-Interview über ihre Erfahrungen mit der Corona-Pandemie und die damit verbundenen Herausforderungen.

Wie war und ist die Lage Ihres Unternehmens während der Pandemie?
Mein Pilates-Studio und Ausbildungszentrum hatte ich, nachdem mir die alten Räumlichkeiten gekündigt worden waren, im Mai 2019 an einem neuen Standort in Köln-Rodenkirchen wieder eröffnet. Die Aufnahme eines Investitionskredites und andere Unwägbarkeiten hatten mich schlaflose Nächte gekostet, doch der Aufwand und die Mühen hatten sich gelohnt. Zu Beginn des Jahres 2020 hatte sich mein Studio wieder gut etabliert. Und dann kam Corona, und ich musste die Türen wieder schließen.

Wie finanzieren Sie sich, wie hoch sind Ihre Einbußen, haben Sie Hilfen in Anspruch genommen?
Während des ersten Lockdowns zeigten meine Mitglieder riesige, solidarische Unterstützung! Ich durfte weiterhin die Beiträge einziehen. Zum Ausgleich verlängere ich die Mitgliedschaft um den entsprechenden Zeitraum gratis. Ich habe zudem 9.000 Euro Soforthilfe in Anspruch genommen, was mir sehr geholfen hat. Während des zweiten Lockdowns habe ich keine Mitgliedsbeiträge mehr eingezogen. Die Abschlagszahlung von 10.000 Euro Novemberhilfe kam spät, ließ die roten Zahlen auf dem Konto aber zumindest überschaubar aussehen. 

Was haben Sie an Hygiene- und Schutzmaßnahmen umgesetzt, worin investiert?
Zunächst habe ich Onlinekurse eingerichtet. Nach dem ersten Lockdown habe ich den Betrieb so organisiert, dass alle Hygienemaßnahmen erfüllt wurden. Zwischen den Gruppen gab es eine halbe Stunde Zeit zum Lüften, wodurch sich auch Teilnehmer aufeinanderfolgender Kurse nicht begegnet sind.  Um den Mattenabstand von 1,5m einzuhalten, habe ich die maximale Gruppengröße von 14 auf 9 reduziert. Mund- und Nasenschutz, Händedesinfektion, Desinfizieren der Matten und Geräte nach jedem Gebrauch – ohnehin klar. Die größte Ausgabe war: 3.500 Euro für Raumluftdesinfektionsgeräte.

Was würden Sie tun, um wieder öffnen zu können?
Ich habe bereits alles getan, was möglich und finanzierbar ist. Der gesamte Studio- und Ausbildungsbetrieb wurde angepasst. Und das hat sich bewährt. In meinem Betrieb, wie auch, soweit mir bekannt, in allen meiner Kolleginnen und Kollegen mit Pilatesstudios, ist es nicht zu Ansteckungen mit COVID19 gekommen. Insofern ist es sehr frustrierend, dass mich alle Bemühungen nicht vor einem zweiten Lockdown bewahrt haben.

Was sind Ihre Zukunftsplanungen?
Selbstverständlich werde ich meinen Betrieb wieder öffnen, sobald dies erlaubt sein wird. Das Bedürfnis meiner Kunden und Ausbildungsschüler nach dieser Art von Bewegung und Sport ist so groß, dass ich zuversichtlich bin, wieder auf die Beine zu kommen. Davon abgesehen ist dieser Beruf als Pilatestrainerin und -ausbilderin mit eigenem Studio und Institut meine Leidenschaft, wofür es sich zu kämpfen lohnt.

Was erwarten Sie jetzt und künftig von der Regierung und Verwaltung?
Ich wünsche mir eine klare Vorgehensweise, nicht solch ein Durcheinander der föderalen und kommunalen Stellen. Meine Kollegin in Erkelenz darf Pilates-Einzeltraining anbieten, mir hat das Ordnungsamt in Köln es untersagt. Ich erwarte zudem eine Differenzierung der Berufsgruppen und Branchen. Wir Betreiber von Pilatesstudios werden mit den großen Fitnessstudios und Ketten in einen Topf geworfen, was nicht richtig ist. Wichtig ist auch enge Zusammenarbeit der Politik mit den jeweiligen Berufsverbänden. Der Deutsche Pilates Verband e.V. wäre sehr daran interessiert.

Das Interview führte Barbara Willms

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