Stichwortsuche

Erfolgreicher im Team: Oliver Struch (M.), Gründer und Geschäftsführer der Wertheim Boarding House GmbH, Kathrin Labza (r.) Innenarchitektin und Geschäftsführerin und Eventmanagerin Esther den Ouden (l.) Foto: Aliki Monika Panousi
Service

„Genau zur richtigen Zeit“

Guter Rat ist teuer, aber gerade in kleineren Firmen oft notwendig. Das Förderprogramm „unternehmensWert:Mensch“ macht professionelle Beratung in Sachen Personalentwicklung und Organisation äußerst erschwinglich. Zwei Erfahrungsberichte aus der Praxis.

Text: Lothar Schmitz

Als Oliver Struch aus beruflichen Gründen nach Köln kam, war er dankbar, ein Apartment mit Service in einem Boarding House nutzen zu können. Kurze Zeit später gründete er gemeinsam mit seinem Vater und seiner Schwester ein Unternehmen, kaufte am Hansaring ein Gebäude, baute es drei Jahre lang um und eröffnete ein eigenes Gästehaus, benannt nach der Heimatstadt seines Vaters: das Wertheim Boarding House.

Struch ist geschäftsführender Gesellschafter der zugehörigen GmbH, Vater und Schwester sind Gesellschafter, aber nicht in der Firma aktiv. Die gelernte Innenarchitektin Kathrin Labza fungiert seit Beginn der operativen Phase als weitere Geschäftsführerin. Außerdem fest angestellt: die Eventmanagerin Esther den Ouden. Hinzu kommen Aushilfen und Dienstleister für Gäste- und Zimmermanagement.

Ein echtes Kleinunternehmen also – und eines mit einer ungewöhnlichen Geschäftsidee. Struch nennt sein Unternehmen Business- und Kulturcenter. Es bietet zwei möblierte Apartments, die für Business-Aufenthalte, aber via Airbnb auch von Touristen gebucht werden können. Außerdem zwei große und einen kleinen Konferenzraum. Und 40 flexible und feste Arbeitsplätze auf drei Etagen, ausgestattet mit hochwertigen Designmöbeln. Hier mieten sich Kreative und andere Nutzer mal für ein paar Tage, mal für mehrere Wochen ein. Auch für Events kann man das Wertheim Boarding House buchen, bis zu 100 Personen finden in der Lounge Platz.

Die Geschäfte laufen. „Langsamer als geplant“, gibt Struch zu, „aber zufriedenstellend.“ Doch in dem Maße, wie Umsätze und Buchungen steigen, nehmen auch die Herausforderungen zu. „Wir sind hier alle Quereinsteiger und stoßen strukturell wie managementseitig bisweilen an Grenzen“, erzählt der 38-Jährige. Also nahm er sich vor, externen Rat einzuholen, fürchtete jedoch hohe Beratungskosten. Seine Schwester zu beauftragen, die Coach ist, kam aber nicht in Frage. „Als Familienmitglied und Gesellschafterin wäre sie nicht neutral genug“, fand ihr Bruder.

„Wir sind da so reingewachsen“

Dann lernte er Birgitt Morrien kennen. Sie ist Coach in Köln und machte Struch auf das Förderprogramm „unternehmensWert:Mensch“ aufmerksam. Es ermöglicht professionelle Personal- und Organisationsberatung zu einem Bruchteil der tatsächlichen Kosten (siehe Infokasten).

Mit Unterstützung der IHK Köln beantragte Struch erfolgreich die Fördermittel; seit März läuft nun das Coaching, verteilt auf zehn Beratungstage. Gemeinsam mit der Beraterin entwickeln Struch, Labza und den Ouden zum Beispiel ein professionelles Selbstverständnis und eine effiziente Rollenverteilung. „Bisher haben irgendwie alle alles gemacht, wir sind da so reingewachsen“, erzählt der Jungunternehmer. „Das musste effizienter werden.“

Außerdem gelingt es ihm und den Angestellten mithilfe des Coachings, als Team zusammenzuwachsen. „Auch das“, sagt Struch dankbar, „kam genau zur richtigen Zeit.“

Dank externer Beratung konnte Marion von Guretzky-Cornitz (l.), die auf Wunsch ihrer Mutter Gerda (r.) in das Unternehmen einstieg, Effizienz und Arbeitsklima deutlich verbessern.
Foto: Aliki Monika Panousi

Aufwand, der sich lohnt

Die personellen Anforderungen an Unternehmen sind heute extrem vielfältig. Hinzu kommt die ständige Herausforderung, Fachkräfte möglichst nachhaltig ans Unternehmen zu binden. „Arbeitgeberattraktivität“ ist ein wichtiges Stichwort, gerade kleinere Betriebe müssen sich enorm anstrengen im Wettbewerb um gute Köpfe.

„Ausgerechnet kleinen und mittleren Firmen fehlen jedoch oft die Ressourcen, um diese Herausforderungen systematisch anzugehen“, weiß Tanja Kinstle, Leiterin Unternehmensförderung der IHK Köln. Deshalb werben sie und ihre Kolleginnen und Kollegen in den regionalen IHK-Geschäftsstellen kräftig für das Förderprogramm „unternehmensWert:Mensch“. „Der Antrag ist ziemlich aufwändig, aber die Mühe lohnt sich“, sagt Kinstle. Wenn die Voraussetzungen stimmen, übernimmt der Staat 80 Prozent der Kosten für Beratung und Begleitung durch einen professionellen Coach.

Auch Marion von Guretzky-Cornitz ist dankbar für den Hinweis auf das Förderprogramm. Sie ist Geschäftsführerin der Waschbär Hygiene-Service von Guretzky-Cornitz GmbH in Pulheim. Das Unternehmen, vom Großvater 1965 gegründet und vom Vater 1980 in die heutige GmbH umgewandelt, verkauft und vermietet Waschraumartikel – etwa Toilettenpapier-, Seifen- und Handtuchspender mit entsprechenden Nachfüllprodukten, Profil-, Schmutzfang- und Logomatten sowie neuerdings auch Reinigungsprodukte für den Gastro- und Küchenbereich.

Die Betriebswirtin hat einige Jahre in verschiedenen Großunternehmen gearbeitet. Als ihr Vater starb, folgte sie der Bitte ihrer Mutter Gerda und stieg in den elterlichen Betrieb mit einem halben Dutzend Beschäftigten ein. Die Entscheidung bereut sie nicht, doch der Anfang war schwierig.

„Ich war die Jüngste und hatte allerhand ambitionierte Ideen, das kam weder bei meiner Mutter noch den Angestellten gut an“, erinnert sich die 42-Jährige.
 
Konflikte beheben, Energien freisetzen

Wie in so vielen Unternehmen rieben sich Veränderungswille und Beharrungsvermögen aneinander. Deshalb war von Guretzky-Cornitz dankbar für den Tipp, eine externe Beraterin hinzuzuziehen und dazu „unternehmensWert:Mensch“ zu nutzen.

Zwischen November 2016 und Februar 2017 fanden sieben Beratungseinheiten in dem kleinen Unternehmen statt. Es ging um strategische Mitarbeiterführung und Kommunikation, Arbeitsorganisation und Motivation. Und es blieb nicht bei der Theorie.

„Wir haben bereits einiges in die Praxis umgesetzt“, berichtet die Unternehmerin und zählt auf: eine faire und effiziente Arbeitszeitverteilung, mehr gemeinschaftliches Arbeiten, mehr Sensibilität für die Belange jedes Einzelnen. „Und eine ganz andere Gesprächskultur als vorher“, sagt von Guretzky-Cornitz. „Das Klima ist jetzt viel besser, das setzt bei allen positive Energie frei.“

Gut beraten in die Zukunft –
das Förderprogramm „unternehmensWert:Mensch“

Das bundesweite Förderprogramm „unternehmensWert:Mensch“ unterstützt kleine und mittlere Betriebe (KMU) dabei, eine zukunftsfähige und mitarbeiterorientierte Personalpolitik zu entwickeln. Auf diesen Handlungsfeldern können KMU Beratungsleistungen in Anspruch nehmen:

  • Personalführung,
  • Chancengleichheit und Diversity,
  • Gesundheit,
  • Wissen und Kompetenz.

Gemeinsam mit der Unternehmensführung und Beschäftigten erarbeiten professionelle Beraterinnen und Berater auf diesen Feldern maßgeschneiderte Konzepte und Maßnahmen. Wenn die Voraussetzungen stimmen, erhalten Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten 80 Prozent Zuschuss zu den Kosten der Prozessberatung. Die IHK Köln ist eine offizielle Erstberatungsstelle des vom Bundesarbeitsministerium und dem Europäischen Sozialfonds geförderten Programms.

Neu: Seit kurzem unterstützt das Programm KMU auch bei der Etablierung innovativer Arbeitskonzepte, um die Herausforderungen der digitalen Transformation innovativ gestalten zu können. Betriebe und Verwaltungen können dabei neue Arbeitsweisen erproben und umsetzen. Im Rahmen von „unternehmensWert:Mensch plus“ erhalten sie Beratung bei der Etablierung eines Lern- und Experimentierraums in ihrem Betrieb.

WEITERE THEMEN