Stichwortsuche

Dr. Werner Görg, Präsident der IHK Köln, über die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur gesetzlichen Mitgliedschaft von Unternehmen in den IHKs. Foto: Peter Boettcher
Blickpunkt

„Es gibt kein Zurücklehnen bei der IHK Köln“

Das Bundesverfassungsgericht hat im August 2017 entschieden, dass die gesetzliche Mitgliedschaft von Unternehmen in den Industrie- und Handelskammern verfassungsgemäß ist. Was diese Entscheidung für die Unternehmen in der Region bedeutet und welche Konsequenzen die IHK Köln daraus zieht – darüber sprachen wir mit Dr. Werner Görg, Präsident der IHK Köln.

Interview: Susanne Hartmann

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts bedeutet für die Unternehmen in der Region doch zunächst einfach, dass weiter Beiträge bezahlt werden müssen, oder?

Sie haben Recht, die Beitragspflicht für Unternehmen wurde mit diesem Urteil bestätigt. Jetzt sage ich Ihnen auch gleich, weshalb das eine gute Nachricht für unsere Wirtschaft ist: Durch die solidarische Beitragsfinanzierung können die Gebühren – beispielsweise für die Organisation der dualen Ausbildung – für alle niedrig gehalten werden. Wir nehmen Aufgaben wahr, die sonst der Staat übernehmen müsste. Und auch das wäre selbstverständlich nicht kostenlos für Unternehmen. Aber die Beitragspflicht ist gar nicht der Kern des Urteils!

Was steht nach Ihrer Auffassung im Vordergrund?

Durch die Pflicht, einer IHK anzugehören, ist auch jedes Unternehmen bei uns vertreten. Hier zählt jede Stimme gleich, ob sie von einem großen Unternehmen oder von einem – wie man hier in Köln sagt – Büdchenbesitzer stammt. Ganz unabhängig davon, ob überhaupt und wie viel Beitrag gezahlt wird. Alle können sich einbringen und jede Meinung ist wichtig. Denn das ist genau unsere Aufgabe als IHK: Die Meinung der regionalen Wirtschaft einzuholen und sie gegenüber Politik und Verwaltung zu vertreten.

Wie soll das denn geschehen? Ein großes Chemieunternehmen hat doch andere Interessen als ein kleiner Bio-Laden in Köln-Ehrenfeld?

Stimmt! Das Gesamtinteresse der regionalen Wirtschaft, wie es so schön heißt, ist ja nicht automatisch das Abbild der Mehrheitsmeinung. Wir erheben die Meinungen vor allem über unsere Vollversammlung, in der sich die gewählten Vertreter der verschiedenen Branchen und Regionen treffen, um über wirtschaftliche Themen zu beraten und zu entscheiden. Außerdem bestimmen sie die inhaltliche Arbeit der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der IHK Köln. Also insgesamt eine große Gestaltungs- und Einflussmöglichkeit auf Themen, die uns als Unternehmen alle betreffen: Wie agieren wir angesichts der digitalen Umwandlung der Geschäftswelt, wie wir sie kannten? Was können wir von Politik und Verwaltung verlangen, damit der Verkehr besser fließt? Wie werben wir für unsere duale Berufsausbildung und wo finden wir passende Gewerbeflächen? Die Themen sind so vielfältig wie die Unternehmen in der Region. Häufig schaffen wir es, nach entsprechender Diskussion prägnante und einheitliche Voten abzugeben. Wo dies nicht möglich ist, geben wir das Stimmungsbild inklusive der Minderheitsmeinungen zu den politischen Entscheidern. Auch dies ist unverzichtbar.

Ist es nicht zu viel verlangt, dass sich Unternehmerinnen und Unternehmer neben dem stressigen Alltag mit der Verantwortung für das eigene Geschäft auch noch ehrenamtlich engagieren sollen?

Das ist eine riesige Chance, und ich persönlich bin froh, dass viele genauso denken wie ich. Wir haben als Wirtschaft den Auftrag, mitzugestalten, mitzuentscheiden, und können so unsere Praxiserfahrung in die Politik einbringen. Das ist eine große Aufgabe, für die wir immer wieder frische Ideen und kluge Köpfe brauchen. Mit dem aktuellen Urteil werden wir in dieser Rolle bestärkt. Das kann und sollte uns beflügeln – Zurücklehnen gibt es bei der IHK Köln nicht!

WEITERE THEMEN