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Foto: Peter Boettcher
Blickpunkt

„Die wirtschaftliche Bedeutung der Schifffahrt ist der Stadt bewusst“

Eine Studie im Auftrag der IHK Köln beschreibt neben den Stärken der Personenschifffahrt in Köln auch einige Schwächen und Verbesserungspotenziale. Dazu sprach „IHKplus“ mit Andrea Blome, Beigeordnete der Stadt Köln für Mobilität und Liegenschaften, und Markus Greitemann, Beigeordneter der Stadt Köln für Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Wirtschaft.

Interview: Lothar Schmitz

Frau Blome, Herr Greitemann: Wie die Studie der ift im Auftrag der IHK Köln eindrucksvoll zeigt, ist die Personenschifffahrt für Köln ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Allein die direkten wirtschaftlichen Umsatzeffekte belaufen sich auf mindestens 40 Millionen Euro jährlich. Ist dies der Stadt bewusst?

Markus Greitemann: Selbstverständlich ist die wirtschaftliche Bedeutung der Schifffahrt der Stadt Köln bewusst! Und damit meine ich nicht nur die Personenschifffahrt, sondern auch die Güterschifffahrt (gewerbliche Binnenschifffahrt).

Andrea Blome: Genau aus dem Grund habe ich die „Akteurskonferenz – Linksrheinische Anlegestellen“ gegründet. Es wurden Arbeitsgruppen für verschiedene Themen – Landpachtverträge, Anlieferung und Entsorgung – gebildet. Die Fortschritte werden in den Sitzungen vorgestellt und weitere relevante Aspekte diskutiert.

Andrea Blome, Beigeordnete der Stadt Köln für Mobilität und Liegenschaften

Andrea Blome, Beigeordnete für Mobilität und Verkehrsinfrastrukturder Stadt Köln

Wir fragen deshalb, weil die Studie neben den Stärken auch einige Schwächen und Verbesserungspotenziale beschreibt, zum Beispiel die offenbar unzureichende „Akzeptanz der Fahrgastschifffahrt für Köln innerhalb der Verwaltung/fehlendes Standing als Imagebringer und Wirtschaftsfaktor“. Teilen Sie diese Einschätzung?

Greitemann: Der Bedarf an Anlegestellen ist aufgrund der hohen touristischen Wirkung Kölns groß. Tatsächlich kann nicht allen Wünschen nach neuen Anlegestellen entsprochen werden, und die bauliche Substanz der Festmacher an der Ufermauer ist nicht geeignet, Zuglasten der Kreuzschifffahrt aufzunehmen. Die HGK und die KD werden ihre Anlegestellen durch die Umsetzung von Dalben zukunftsfähig ausbauen. Die Stadt Köln unterstützt diese Vorhaben über die vorgesehene Erteilung langfristiger Landpachtverträge. Wir sind dabei, die zukünftigen städtebaulichen und verkehrlichen Entwicklungen zu berücksichtigen, bevor wir Landpachtverträge abschließen können. Die Potenziale zur Verbesserung sind bereits identifiziert und befinden sich in der Umsetzung.

 Die Studie identifiziert zudem einige infrastrukturelle Schwächen. Ein Beispiel: Engpässe an den Anlegern, Qualität der Anleger, Restriktionen durch die Verwaltung beim Aus- und Neubau von Anlegern. Sind Ihnen diese Probleme bewusst?

Blome: Ja, uns sind diese Herausforderungen sehr wohl bewusst, aus diesem Grund habe wir alle wichtigen Ansprechpartner mit der Akteurskonferenz an einen Tisch geholt.

Markus Greitemann, Beigeordneter der Stadt Köln für Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Wirtschaft

Markus Greitemann, Beigeordneter der Stadt Köln für Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Wirtschaft

Und was können Sie den betroffenen Unternehmen zusagen?

Blome: Die Stadt Köln bleibt weiter mit allen Beteiligten im Dialog, bündelt und fördert die Themen und setzt sich für zukunftsfähige Lösungen ein.

Ein weiteres Problem sind laut der Untersuchung die schlechte Anlieferungs- und Versorgungsinfrastruktur. Gefordert wird ein ganzheitliches Konzept für logistische Prozesse seitens der Stadt. Planen Sie ein solches Konzept?

Blome: Für die Entsorgung und Anlieferung sind zunächst die Betreiber der Anlegestellen zuständig. Wir beobachten aber regelmäßig, dass Anliefervorgänge erfolgen, die zu erheblichen Behinderungen führen. Aufgrund der hohen Bedeutung hat die Akteurskonferenz sich diesem Thema auch in einer Arbeitsgruppe angenommen. Insbesondere die Anlieger in der Altstadt liegen in einem sensiblen Gebiet, dort sind auch die Belange des Fuß- und Radverkehrs zu berücksichtigen. Eine Abfrage nach den logistischen Bedürfnissen der Schifffahrtstreibenden wurde durchgeführt. Ein Anlieferungskonzept ist in Planung und wird anschließend mit den Betreibern der Anlegestellen abgestimmt. Mittelfristig wird die Ver- und Entsorgung nicht mehr landseitig, sondern wasserseitig durchzuführen sein.

Die Schifffahrtsunternehmen beklagen, dass die bisherigen Pachtverträge für die Landseite der Landungsbrücken ausgelaufen und bisher nicht verlängert oder erneuert worden seien. Zudem wolle die Stadt diese künftig befristen. Wie stehen Sie zu dieser Kritik?

Blome: Die Stadt Köln strebt stadtweit eine zukunftsorientierte, dauerhafte Regelung für die Landseite an. Ziel ist eine effiziente und wirtschaftliche Abwicklung der Waren-, Abfall- und Personenströme über öffentliche Verkehrsflächen. Auch die Anforderungen der Luftreinhaltung und des Lärmschutzes müssen hierbei, beispielsweise durch die verpflichtend vorgeschriebene Nutzung von Landstrom, berücksichtigt werden.

Im November dieses Jahres wurden den Betreibern der Anlegestellen Verträge vorgelegt, die die jeweilige individuelle Situation berücksichtigen. So werden allen Betreibern von Anlegestellen, für die wir bereits heute eine Standortgarantie aussprechen können, langfristige Verträge angeboten. Mit diesen können die Betreiber ihre baulichen Investitionen, beispielsweise in Dalben, absichern. Lediglich Betreiber, deren Anleger in Bereichen liegen, die zum Beispiel als Anlegestelle eines möglichen Wasserbusses in Betracht kommen, erhalten vorerst einen befristeten Vertrag. Auch hier wird aber versucht, schnellstmöglich zu einer dauerhaften Lösung zu kommen. Hierzu befinden wir uns in einem konstruktiven Dialog mit allen Beteiligten.

Zusammenfassend: Was will die Stadt tun, damit die Personenschifffahrt nach Ende der Coronakrise nicht nur schnell zu alter Stärke zurückkehren, sondern ihre in der Studie skizzierten Potenziale für Köln voll entfalten kann?

Blome: Wie bereits gesagt, werden wir in Kürze mit zukunftsfähigen Verträgen auf die Schifffahrtsunternehmen zugehen und den konstruktiven Dialog sowie die gute Zusammenarbeit auch darüber hinaus fortführen. Wir werden damit die nötigen Impulse setzen, damit die Personenschifffahrt schnellstmöglich nach der Coronakrise wieder durchstarten und ihr volles Potenzial abrufen kann.

Greitemann: Wir werden uns die Ergebnisse und Ansätze der Studie gemeinsam mit den Akteuren der Personenschifffahrt, der HGK, der KölnBusiness Wirtschaftsförderungs-GmbH, der KölnTourismus-GmbH und, falls angebracht, mit weiteren Partnern genau ansehen und dann schauen, wer an welchen Punkten etwas dazu beitragen kann, die Potenziale zu heben. Das schließt die Stadt mit ein, aber auch die anderen Akteure.

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