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Dr. Ulrich Soénius, IHK-Geschäftsführer im Bereich Standortpolitik und selbst passionierter Radler, warnt vor den Folgen der Pandemie für die Verkehrswende. Foto: Nadine Preiß
Leben

„Die Pandemie ist eine ernste Gefahr für die Verkehrswende“

IHK Köln legt Studie zu den drastischen Auswirkungen des Coronavirus auf den ÖPNV in der Region Köln vor und erarbeitet Handlungsempfehlungen für Politik und Verwaltung.

Text: Katharina Hamacher

Während immer mehr Menschen in der Corona-Pandemie Busse und Bahnen meiden, nimmt der Stau auf den Straßen in und um Köln weiter zu. Auch Faktoren wie Homeoffice, Kurzarbeit und Distanzunterricht bedingen die rückläufige Fahrgastauslastung. Welche drastischen Auswirkungen diese Verschiebung auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und die geplante Verkehrswende hat, zeigt die Studie „Ohne ÖPNV geht’s nicht – die Bedeutung des ÖPNV für die regionale Wirtschaft“. Die IHK Köln hat diese erste Analyse der Pandemie-Folgen für den öffentlichen Personennahverkehr in der Region Köln in Zusammenarbeit mit der Hochschule RheinMain vorgelegt. Die Ergebnisse seien besorgniserregend, sagt Dr. Ulrich Soénius, Geschäftsführer Standortpolitik der IHK Köln: „Die Studie belegt, dass die Pandemie eine ernste Gefahr für die Verkehrswende ist.“

Dass die Entwicklungen rund um die Ausbreitung des Coronavirus den positiven Trend zu einer vermehrten Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel unterbrechen, verdeutlichen die Zahlen: Während kurz nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 wieder genauso viele Autos auf den Straßen unterwegs waren wie vor der Krise, war die Auslastung des ÖPNV vor dem zweiten Lockdown im Herbst weiterhin um rund 20 Prozent geringer. Im Frühjahr 2020 war sie im Vergleich zum Januar sogar um etwa 70 Prozent zurückgegangen.

Diese Entwicklung stellt nicht nur die öffentlichen und privaten Betreiber des ÖPNV vor finanzielle Schwierigkeiten, sondern schränkt auch die Erreichbarkeit der regionalen Unternehmen ein und schwächt so deren Standortattraktivität. „Die IHK Köln engagiert sich für die Aufrechterhaltung und Ausweitung des öffentlichen Personennahverkehrs, denn ein starker ÖPNV ist entscheidend für einen starken Wirtschaftsstandort“, bekräftigt Dr. Ulrich Soénius. „Auch zukünftig muss der ÖPNV ein Rückgrat der Mobilität bleiben.“ Deshalb hat die IHK Köln Handlungsempfehlungen für Politik und Verwaltung aus der Studie abgeleitet: Trotz der Lasten durch die Pandemie dürfe nicht bei den Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur gespart werden, denn am Ausbau der Infrastruktur und an einer besseren Vernetzung führe weiterhin kein Weg vorbei. Wichtig sei auch, die vorhandenen Mittel effizienter einzusetzen: „Wir brauchen eine Beschleunigung der Planungsverfahren und mehr Verkehrskompetenz in den Verwaltungen“, sagt Soénius. Gerade in ländlichen Regionen setzt sich die IHK Köln für die Anbindung der Mitgliedsunternehmen an das ÖPNV-Netz ein. Gerade weil sich die Pandemie laut der Studie auch mittel bis langfristig negativ auf den ÖPNV auswirken kann, sei es wichtig, die Anreize für Fahrgäste zu erhöhen: „Wir müssen es schaffen, die Kundinnen und Kunden wieder zurück zu gewinnen“, sagt Soénius und appelliert an die Mobilitätsunternehmen, die schwierigen Zeiten für einen zukunftsweisenden Modernisierungsschub zu nutzen, beispielsweise für die Entwicklung flexibler und kundenfreundlicher Ticketmodelle.

Für die Studie „Ohne ÖPNV geht’s nicht – die Bedeutung des ÖPNV für die regionale Wirtschaft“ wurden Datensammlungen und Untersuchungen zur Mobilität während der Corona-Pandemie ausgewertet und Interviews mit Expert*innen geführt. Die gesamte Analyse ist abrufbar auf www.ihk-koeln.de/249840.

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