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Einkaufen vor Ort zum Erlebnis machen - das ist Ziel von Initiativen wie "Tag des Veedels" und "Heimatshoppen". Foto: rcfotostock_fotolia adobe
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"Die Menschen wollen raus und was erleben"

Onlinehandel, steigende Mietkosten und Corona-Krise: Der Kölner Einzelhandel steht unter Druck. Hunderte Geschäfte veranstalten deswegen am 20. November zum zweiten Mal den Tag des Veedels – unterstützt von der IHK Köln.

Text: Patrick Schröder

Hunderte Menschen schlendern die Bonner Straße in Köln-Süd entlang. Es ist 22 Uhr und eigentlich hätten die Geschäfte längst geschlossen. Doch nicht am Tag des Veedels. Der Optiker hat immer noch geöffnet, bietet kostenlose Sehtests an. Vor einer Galerie klirren die Gläser beim Sektempfang. Die Besitzer des Möbelgeschäfts backen Waffeln. Und im italienischen Restaurant tanzen Gäste zur Musik einer Dixieland- Jazzband. Durch alle Straßen dringt an diesem Abend das Gefühl der Gemeinsamkeit, ein Gefühl, das im Internet nicht zu finden ist. Und genau das ist der Sinn des Tags des Veedels, den die Kölner Werbe- und Interessengemeinschaften 2019 zum ersten Mal veranstalteten. „Es geht um das Thema Verbundenheit mit dem Stadtteil“, erklärt Hans-Günter Grawe (Bild oben), der die Veranstaltung im Rahmen des Projektes „Handelskümmerer“ koordiniert hat. „Es geht um die Vermittlung von Veedel-Stolz.“

Tag des Veedels begeistert Verbraucher für den Einzelhandel

Sich mit dem Stadtteil verbunden fühlen, die Vorzüge des stationären Handels erleben: Auf diese Mentalität ist der Einzelhandel in Köln zunehmend angewiesen. Denn der Onlinehandel wird nicht erst seit der Corona Pandemie immer stärker. „Besonders der kleinbetriebliche Fachhandel steht unter Druck“, betont Philip Reichardt, Leiter Handel und Stadtmarketing im Geschäftsbereich Innovation und Umwelt bei der IHK Köln. „Diese Läden machen jedoch die Veedel unterscheidbar und individuell. Daher sind Formate wie Tag des Veedels wichtig, um den Beitrag dieser Läden für die Lebensqualität im Veedel zu verdeutlichen.“ Dazu zählten die Atmosphäre in den Geschäften, die Beratung und die Möglichkeit, Produkte live vor Ort zu testen. „Um zu verhindern, dass unsere Traditionsgeschäfte in den Veedeln untergehen, müssen sich Menschen dieser Vorzüge bewusst werden.“

„Geschäfte, die Besucher mit außergewöhnlichen Ideen anlockten, waren rappelvoll“

2017 hat die IHK Köln das Projekt Handelskümmerer ins Leben gerufen. Ziel des Projektes ist es, die Kölner Interessen- und Werbegemeinschaften zu vernetzen und eine schlagkräftige Kooperationsgemeinschaft aufzubauen. „Die IG-Vertreter entwickeln Ideen und Positionen, um den stationären Handel zu stärken und eine größere Stimmkraft gegenüber Stadtverwaltung und Politik zu haben“, erklärt Grawe. Hier entstand auch die Idee zum Tag des Veedels, an dem 2019 über 500 Geschäfte aus ganz Köln teilnahmen – darunter Einzelhändler, Gastronomen, Dienstleister und Handwerker aus Braunsfeld und Dellbrück, Kalk, Lindenthal und Nippes, Porz, Rath/Heumar, Rodenkirchen, der Südstadt, Sülz/Klettenberg und Sürth. Sie alle waren aufgefordert, sich etwas Besonderes für die Gäste einfallen zu lassen, etwa Late-Night- Shopping, Verköstigungen, Verlosungen, Kinderprogramme und Livemusik. „Wer den Tag aktiv gelebt hat, hatte den Erfolg. Geschäfte, die Besucher mit außergewöhnlichen Ideen anlockten, waren rappelvoll.“ Jetzt sei es an der Zeit, Ideen für die Fortsetzung des Tags des Veedels zu entwickeln. Dieser findet – so die derzeitigen Pläne – am 20. November 2020 statt.

Corona-Krise macht Tag des Veedels noch bedeutsamer

Doch wäre es nicht an der Zeit, dass auch Einzelhändler verstärkt auf die Vorzüge des Internets setzen – beispielsweise in den sozialen Medien werben oder einen Online-Shop eröffnen? „Das wäre wünschenswert. Doch für viele kleine Betriebe, etwa den Juwelier oder die Boutique um die Ecke, ist es eine große Herausforderung, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen“, sagt Reichardt. Ihnen fehlten oftmals die Ressourcen, um sich mit rechtlichen, technischen und betriebswirtschaftlichen Anforderungen auseinanderzusetzen. Grawe bestätigt, dass Geschäfte trotzdem um das Thema Online nicht herumkommen. „Einzelhandel und Gastronomie müssen sich stärker mit dem Thema Internet auseinandersetzen. Es ist ratsam, in den sozialen Medien junge Zielgruppen zu erreichen und zu begeistern“, unterstreicht Grawe. Denn eines sei sicher und würde in der Corona-Krise deutlicher denn je: „Die Menschen wollen raus und etwas erleben.“ Und das bietet ihnen nicht das Internet, sondern das Leben vor der Wohnungstür. Der Tag des Veedels wird 2020 noch bedeutsamer sein als im letzten Jahr.

Die Bedeutung lokaler Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomen ins Bewusstsein rücken: Das ist auch das Ziel der Aktionstage „Heimat shoppen“.

Mehr Informationen unter: www.ihk-koeln.de/heimatshoppen

Der Tag des Veedels soll am 20. November stattfinden. Mehr Informationen unter www.veedellieben.de
Foto: Michael Claushallmann

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