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"Unser Umsatz ist 2020 um 40% zurückgegangen." Foto: Michael Claushallmann
02.2021

"Die Lage ist frustrierend"

Interview mit Claus Platz, Geschäftsführender Gesellschafter Rheinland-Touristik Platz GmbH, Wesseling

Interview: Lothar Schmitz

Wie ist die Lage für Sie aktuell, wie war sie bisher während der Pandemie?
Die Lage ist frustrierend. Das erste frustrierende Erlebnis war im März vergangenen Jahres, als so ziemlich alle Kunden alle Reisen abgesagt haben. Das war eine ganz neue Situation für uns. Auch mit Kunden über Stornobedingungen verhandeln müssen, kannten wir so noch nicht. Dann kam die Ungewissheit, wie genau der Staat den Betrieben hilft, was wir behalten und was wir zurückzahlen müssen. Derzeit ist frustrierend, dass uns eine Perspektive fehlt: Wann fahren wieder Schulbusse, wann können wieder Ausflugsfahrten stattfinden, wann Inlands- und Auslandsreisen?

Wie finanzieren Sie sich?
Unser Umsatz ist 2020 um 40 Prozent zurückgegangen. Es wäre noch heftiger gewesen, wenn wir nicht kurzfristig Aufträge für Schienenersatzverkehr erhalten hätten, das hat geholfen. Die derzeitige Umsatzlücke füllen wir mit Mitteln aus einem großen KfW-Corona-Darlehen von 800.000 Euro, das wir in Anspruch genommen haben. Geholfen haben uns zudem Zuschüsse des Bundeswirtschaftsministeriums für die Reisebranche sowie die Überbrückungshilfen I und II. Zudem nehmen wir für einige unserer Beschäftigten Kurzarbeit in Anspruch. Entlassen mussten wir zum Glück noch niemanden, allerdings haben wir auslaufende Verträge nicht alle verlängern können.

Was haben Sie an Hygiene- und Schutzmaßnahmen umgesetzt und in was investiert?
In unseren 45 Linienbussen haben wir Trennwände eingebaut, um das Fahrpersonal zu schützen. Außerdem mussten wir unser Hygienepersonal aufstocken, weil die regelmäßige Reinigung der Oberflächen in allen Bussen einen erheblichen Mehraufwand bedeutet. Zudem benötigten wir natürlich sehr viel größere Mengen an Desinfektionsmittel als normalerweise.

Was würden Sie tun, um wieder öffnen zu können?
Wir tun schon alles dafür. Wir halten uns beispielsweise peinlichst genau an sämtliche Vorgaben der Corona-Schutzverordnung und Empfehlungen. Zudem informieren wir unsere Kunden und Fahrgäste in Sachen Gesundheit. Beispielsweise über eine Untersuchung vor einigen Monaten, derzufolge Reisebusse beim Luftaustausch am besten abschneiden: Die Luft in einem Reisebus wird sieben Mal schneller ausgetauscht als in einem ICE und viereinhalb Mal schneller als in einem Flugzeug. Zudem beraten wir die Kunden genau, was in und mit unseren Bussen wieder möglich sein wird, sobald wir wieder fahren dürfen.

Was sind Ihre Zukunftsplanungen?
Unser Zukunftsplan heißt Hoffnung. Eine verlässliche Perspektive haben wir nämlich leider nicht, deshalb fällt es auch schwer, konkret zu planen. Im Reisegeschäft wissen wir ja beispielsweise nicht, wann wir wieder in welches Land fahren dürfen und welche Hotelpartner und Reiseveranstalter die Krise überhaupt überstehen werden. Auch den Geschäftsreiseverkehr können wir nicht verlässlich planen. So lange keine Messen und Events stattfinden dürfen, werden wir nicht gebucht. Das gleiche gilt für Schulausflüge, Klassenfahrten, Vereinsreisen und Kreuzfahrten.

Was erwarten Sie jetzt und künftig von der Regierung/Verwaltung, was brauchen Sie?
Ganz konkret hoffen wir, dass die Landesregierung so bald wie möglich wieder Schulbetrieb erlaubt und dafür ein Konzept mit entzerrten Unterrichtszeiten und damit auch einem entzerrten ÖPNV realisiert. Mehr Fahrten und Busse würden allen Fahrgästen, nicht nur den Schülerinnen und Schülern, weniger Kontakte ermöglichen – und uns helfen, unsere Umsatzverluste etwas zu reduzieren.

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