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Beide von Georg Freys Hotels in Brühl und in Weilerswist wurden von der Pandemie hart getroffen. Foto: Michael Claushallmann
04.2021

"Es ist ein K(r)ampf ums Überleben"

Georg Frey ist Inhaber des Hotel-Restaurants Balthasar Neumann Speiserei & Gästehaus in Brühl und des Hotels zum Schwan in Weilerswist. Er ist Kreisvorsitzender der DEHOGA Rhein-Erft. Im Interview mit Barbara Willms berichtet er von den Auswirkungen der Krise.

Wie hat die Pandemie samt Folgemaßnahmen Ihr Unternehmen getroffen?
Das Kerngeschäft ging im vergangenen Frühjahr von Hundert auf Null. Beim ersten Lockdown war es nicht nur so, dass die Gäste zwangsläufig ausblieben; ich musste auch sehr viele Rückzahlungen für bereits erfolgte Vorkasse-Buchungen leisten. Seit März 2020 sind alle festangestellten Mitarbeiter in Kurzarbeit, die Azubis waren in der Berufsschule und haben ihren Urlaub genommen. Wir sind alle in Kontakt miteinander, aber am Buchungstelefon sitze ich allein. Bei gelegentlichen Zimmer-Buchungen von Geschäftsreisenden hilft ein Zimmermädchen.

Wie halten Sie sich finanziell über Wasser?
In 2020 habe ich die Soforthilfe sowie die Überbrückungshilfen I und II beantragt und diese Transferzahlungen auch erhalten. Dennoch reichte es bei Weitem nicht zur Deckung aller Kosten, kurz gesagt, es reichte nicht für‘s tägliche Brot. Ich musste also private Reserven angreifen, die für ganz andere Dinge gedacht waren. Auch in diesem Jahr muss ich erneut auf meine privaten Reserven zurückgreifen.

Was bieten Sie aktuell an?
Immerhin sind Übernachtungen von Geschäftsreisenden möglich. Damit komme ich aber, wenn es gut läuft, nur auf fünf Prozent des Umsatzes. Sofern die aktuellen Bestimmungen es erlauben, biete ich ein ausgewähltes Buffet zur Auslieferung an, zum Beispiel anlässlich einer Konfirmation. Ein tägliches Togo-Angebot kommt für mich nicht in Frage, weil ich dabei die gewohnten Qualitätsstandards einfach nicht halten kann. Ein auf den Punkt zubereitetes Gericht verträgt nun einmal keine Lieferfahrt. Ich maile unseren Kunden zu besonderen Anlässen, bin auf den sozialen Kanälen präsent. Ich freue mich über jeden Kauf eines Online-Gutscheins. Es ist ein K(r)ampf des wirtschaftlichen Überlebens.

Sie haben Ende Februar auf der Domplatte demonstriert. Worum ging es da genau?
Der DEHOGA Nordrhein hatte unter dem Motto „Ohne Perspektive geben wir den Löffel ab“ zum Protest vor dem Kölner Dom aufgerufen. Hoteliers, Gastronomen und ihre Teams warfen symbolisch Löffel in ein Fass. Henning Thomas Graf von Schwerin, Präsident der DEHOGA Nordrhein, legte einen überdimensionalen Löffel, den der Düsseldorfer Künstler Jaques Tilly kreiert hatte, auf dem Roncalliplatz ab. Der Anlass lässt sich in einem Satz formulieren: In den politischen Überlegungen zu möglichen Lockerungen kam unsere Branche schlicht nicht mehr vor. Dabei hatte der DEHOGA bereits in der zweiten Februarwoche einen detaillierten Stufenplan zur Öffnung vorgelegt. Zu den zentralen Punkten gehören unter anderem: eine zügige Umsetzung der Impfstrategie, die Aufnahme der Beschäftigten des Hotel- und Gastgewerbes in das Impfkonzept, den Ausbau der Testkapazitäten und der Verfolgung des Infektionsgeschehens. Für verschiedene Betriebsarten werden konkrete Anforderungen an Hygiene- und Sicherheitsstandards formuliert.

Unter welchen Voraussetzungen könnten Sie Ihre beiden Häuser wieder öffnen?
Für meine Betriebe ist eines entscheidend: Planbarkeit! Ich kann nicht einfach mal eben bei aktuell niedrigen Inzidenzzahlen und schönem Wetter spontan alles samt Terrasse öffnen. Ich brauche zwei Wochen, um die Regale mit allem aufzufüllen, was meine Gäste erwarten, und ich möchte bei steigenden Inzidenzahlen dann nicht gleich wieder schließen und die Waren vernichten. Das wäre vollkommen ruinös. Auch meine Mitarbeiter, ob fest oder frei, müssen planen. On and off, das läuft nicht. So manche hervorragende Fachkraft hat sich seit Beginn der Pandemie schon in einen momentan sicheren Job im Onlinebereich geflüchtet.

Was sollte bei den aktuellen staatlichen Finanzhilfen besser laufen?
Entschädigung muss her. Nur die Erstattung von Fixkosten führt uns nicht aus der Krise. Schon gar nicht über die wahnsinnige lange Zeit, die die Pandemie inzwischen anhält. Und die Auszahlung der Hilfen muss sehr viel schneller laufen. Wenn vom Antrag oder sogar von der Zusage bis zum Zahlungseingang drei Monate vergehen, dann ist das für viele Betriebe der Gastronomie und Hotellerie einfach zu spät. Diese Wartezeit kann in unserer Branche das Aus bedeuten.

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