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Für Manuel Wichterich und seine beiden Fitnessstudios ist der zweite Lockdown deutlich härter als der erste. Foto: Michael Claushallmann
04.2021

"Da fehlt dann plötzlich richtig viel Geld."

Manuel Wichterich ist Geschäftsführer des Fitness-Studios Bodystreet in Pulheim und eines weiteren in Bonn. Im Interview sprach er mit Barbara Willms über die Auswirkungen der Krise.

Wie hat sich die Pandemie auf ihr Geschäft ausgewirkt?
Ich musste am Anfang der Pandemie für zwei Monate schließen und ab November nochmals für fünf Monate. Da fehlt dann plötzlich richtig viel Geld bei zwei Mieten und fünf Mitarbeitern. Beim ersten Lockdown war die Stimmung noch gut, so nach dem Motto „wir schaffen das gemeinsam, wir unterstützen uns gegenseitig“ und danach hat das Geschäft erstmal geboomt. Als es gerade wieder richtig gut lief kam der zweite Lockdown, die Stimmung jetzt ist mies, und man merkt auch bei den Mitgliedern, dass das Geld knapp ist. Wenn wir wieder öffnen dürfen, müssen ganz schnell neue Mitglieder und Umsatz kommen, sonst überleben wir das Jahr 2021 nicht. Ein paar Kollegen mussten leider dieses Jahr schon aufgeben.

Wie sind Sie bislang finanziell durch die Krise gekommen?
Im ersten Lockdown kam die finanzielle Hilfe vom Staat zügig und unbürokratisch. Im zweiten Lockdown war der Antrag komplizierter und konnte nur vom Steuerberater gestellt werden. Die ersten Abschlagszahlungen kamen schnell, aber bis zur endgültigen Auszahlung hat es zwei Monate gedauert. Das muss man erstmal mit seinen Rücklagen überbrücken können. Kosten konnte ich nur einsparen weil ich im Lockdown keine Verbrauchs- und Nahrungsergänzungsmittel mehr eingekauft habe. Die Mieten und Gehälter habe ich vollständig weitergezahlt. Auch wir verkaufen Nahrungsergänzung über unseren estore, aber das ist nur ein Bruchteil von dem normalen Verkauf im Studio und oft auch nur effektiv in direkter Verbindung mit Sport. Trotzdem sind uns im Lockdown auch Nahrungsergänzungsmittel auf Grund des Mindesthaltbarkeitsdatums abgelaufen. Der zweite Lockdown war ausschlaggebend dafür, dass ich einen großen Teil meines Lagers in Pulheim an den benachbarten Bekleidungsladen abgegeben habe um mir dadurch einen Teil der Miete in Zukunft spare. Ich würde auch mit privatem Geld meine Firma unterstützen um Arbeitsplätze, meinen eigenen eingeschlossen, zu retten, aber auch das funktioniert nicht unendlich.

Konnten Sie ein Online-Angebot aufbauen?
Wir bieten ausschließlich ElektroMuskelStimulations-Training an, dabei werden die Muskeln am ganzen Körper mit Elektroden verkabelt und stimuliert. Unser Training lebt vom persönlichen Kontakt, wir korrigieren, geben Gegendruck und motivieren, das ist nicht möglich über die räumliche Distanz. Man kann zu online-Trainings mit eigenem Körpergewicht ausweichen, aber das ist natürlich nicht das gleiche und lange nicht so effektiv und zeitsparend. Die Mitglieder erwarten das gewohnte Training. Selbst im Freien ist EMS nicht wirklich nutzbar, da ein stationäres Gerät, Strom und Wasser notwendig sind.

Wie sieht Ihr Hygienekonzept im Detail aus?
In unseren Studios trainiert ein Trainier maximal zwei Mitglieder, so dass sich nicht viele Menschen gleichzeitig in unserem Studio aufhalten. Während der Pandemie hätten wir das auch auf ein 1:1-Training und längere Öffnungszeiten ausweiten können, aber um eine Schließung wären wir damit auch nicht herum gekommen. Jedoch versuche ich jetzt über die Förderungen ein Luftreinigungssystem in unseren Studios zu installieren um den Mitgliedern und Mitarbeitern noch mehr Sicherheit zu bieten. Da ist man aber auch in unseren verhältnismäßig kleinen Studios schnell bei 50.000 Euro. Generell hat Hygiene bei uns immer schon einen sehr hohen Stellenwert, da wir mit Schweiß, körperlicher Nähe und aktiven Menschen zusammenarbeiten. Daher sind Desinfektion, Reinigung, regelmäßiges Lüften sowie ein Hygienezertifikat in unseren Studios Standard. Corona hat unsere Ausgaben für Hygiene daher nicht auffällig in die Höhe getrieben.

Welche Zukunftspläne haben Sie für Ihre Studios?
Ein Vorteil der Corona-Pandemie ist auf jeden Fall dass die Digitalisierung schneller voran kommt. Auch wir haben das schon länger auf der Agenda für das Backoffice und einige Anwendungen. Sicherlich sind auch bei uns in der Pandemie Ideen entstanden, die Prozesse nachhaltig verändern werden. Ich bin Optimist, und schaue auch nach wie vor positiv in die Zukunft. Eine Krise ist auch immer eine sehr große Chance, und die sollte man jetzt nutzen!

Wie sind Sie mit den staatlichen Konzepten und Finanzhilfen und der Umsetzung zufrieden?
Grundsätzlich sind die staatlichen Konzepte und Finanzhilfen gut, denn ohne diese Unterstützung wären extrem viele Firmen schon jetzt bankrott. Man muss jedoch die Zeit bis zur Auszahlung der Hilfen überbrücken können. Alle Selbstständigen wollen doch arbeiten und Geld verdienen. Spannend wird es für viele auch nochmal, wenn die Anträge abschließend geprüft werden und eventuell Rückzahlungen geleistet werden müssen. Unterm Strich hat man in dieser Pandemie als Unternehmer ein extrem hohes und in der Form noch nie da gewesenes unternehmerisches Risiko.

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