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Foto: Ulrich Kaifer
Porträt

"Chancen werden verschenkt"

In unserer neuen Serie „Jetzt mal Klartext!“ kommen Unternehmerinnen und Unternehmer direkt zu Wort: Welche Qualitäten hat ihr Standort? Wo gibt es Mängel? Was muss sich ändern? „IHKplus“-Autor Werner Grosch hat mit GEORG DAUBENBÜCHEL, Einzelhändler aus Bensberg, gesprochen.

? Herr Daubenbüchel, wenn Sie Ihrem Standort eine Schulnote geben müssten, welche wäre das?
! Was unser eigenes Unternehmen angeht, eine 2+ mit Tendenz nach oben, denn in Bensberg und Umgebung gibt es eine hohe Kaufkraft, Bensberg hat ein differenziertes und von inhabergeführten Fachgeschäften geprägtes Einzelhandelsangebot gepaart mit einer über die Grenzen der Schloßstadt hinaus bekannten Gastronomie und kulturellen Highlights. Das alles beschert uns ein Einzugsgebiet, das sich weit ins Bergische Land,  bis nach Köln und in den Rhein-Sieg-Kreis erstreckt. Mehrere Autobahnanschlüsse an die A 4, eine Straßenbahnlinie sowie ein direkt an die Innenstadt angebundener Busbahnhof ermöglichen eine gute Erreichbarkeit. Wir als Spezialist mit einem hochwertigen Sortiment an Haushaltswaren, ergänzt durch ein Basissortiment für die Nahversorgung, haben somit die besten Bedingungen, um gut existieren zu können. Ideal für eine Situation, in der man mit Fachberatung und Serviceleistung vor allem auch bei preissensiblen Kaufentscheidungen punkten kann.

? Man hört schon ein "Aber" raus...
! Ja, denn wenn ich für den Standort im Detail spreche, dann fällt die Note schon ein wenig schlechter aus. Bensberg hat ein erhebliches Potenzial nach oben und hier werden Chancen verschenkt. Kaufkraft und Einzugsgebiet bieten beste Voraussetzungen, und es gibt hier eine nahezu komplette städtische Infrastruktur. Denken Sie zudem an unser 5 Sterne + Grandhotel Schloß Bensberg,  das vielfach als beste Saunalandschaft Europas ausgezeichnete Mediterrana, ein von Gottfried Böhm in das alte Schloß der Grafen von Berg integriertes Rathaus, unser neues Kino mit Querung der Umgehungsstraße, die kürzeste U-Bahn der Welt, und natürlich vieles mehr. So wurden und werden viele private Investitionen im Zentrum Bensbergs getätigt, doch welchen Beitrag hat die Stadt zur weiteren Entwicklung der Schloßstraße geleistet? Zum wiederholten Mal legt die Stadtverwaltung nun ein integriertes Handlungskonzept zur Umgestaltung des Bensberger Ortskernes auf. So geben wir die Hoffnung nicht auf,  dass nun auch in der Innenstadt endlich etwas passiert.
 
? Was fehlt konkret?
! Investitionen in den öffentlichen Raum! Konkreter Handlungsbedarf besteht bei der Straßenbeleuchtung, bei Pflege, Instandhaltung vorhandener und Schaffung neuer Zuwegungen ins Zentrum, Optimierung der Verkehrsführung, Schaffung von öffentlichem Parkraum und der Gestaltung der Schloßstraße zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität.
 
? Können wir als IHK etwas tun?
! Ja, zum einen Unterstützung bieten bei der Erstellung des integrierten Handlungskonzeptes durch Expertenwissen. Denn die Hanglage Bensbergs und die gewachsenen baulichen Strukturen haben viel Charme, stellen aber auch besondere Ansprüche an die Verkehrsführung: das Einkaufen in der City muss attraktiv und bequem sein, der Kunde muss die Stadt gut erreichen können. Fehlplanungen hier würden die Abwanderung der Kunden in den e-commerce begünstigen. Übrigens in puncto Verkehrsplanung: Die seit einigen Jahren in einem Teilbereich der Schloßstraße erfolgreich umgesetzte shared-space-Lösung halte ich für ausbauwürdig. Des Weiteren erachten wir für dringend erforderlich die Erarbeitung rechtlicher Grundlagen, die langes Brachliegen innerstädtischer Schlüsselimmobilien verhindern, welche nicht nur ein optischer Schandfleck sind, sondern auch die Stadtentwicklung blockieren; in Bensberg drückt uns hier seit vielen Jahren das ehemalige Löwencenter auf der Schloßstraße.
 
? Ihr Fazit?
! Politik und Verwaltung dürfen vor folgenden Dingen nicht die Augen verschließen: Der Bürger möchte bequem einkaufen. Aufenthaltsqualität muss nicht nur erhalten, sondern aktiv gefördert werden. Der öffentliche Raum muss Helligkeit, Begrünung und Sauberkeit ansprechend gestaltet werden. Der öffentlicher Nahverkehr sollte gestärkt werden, ohne die Bereitstellung günstigen Parkraumes zu vernachlässigen. Ökologische Ziele wie zum Beispiel die Reinhaltung unserer Luft müssen mit den Bedürfnissen der Bürger nach bequemem Einkaufen in Einklang gebracht werden. Dabei darf die Innenstadt nicht zum Verlierer werden. 
Denken wir daran, Stadt entwickelte sich immer nur da, wo Handel war, das heißt im Umkehrschluss, Stadt und Handel gemeinsam müssen die Qualität des Standortes ständig weiterentwickeln!
 

DER UNTERNEHMER
Georg Daubenbüchel führt seit mehr als 30 Jahren gemeinsam mit seiner Ehefrau Maria einen Einzelhandelsbetrieb in Bensberg: Das Fachgeschäft „Tisch & Trend”, das auf hochwertigen Hausrat spezialisiert ist, geht zurück auf den Gründer Wilhelm Daubenbüchel, der vor gut 140 Jahren das Unternehmen mit einer Schlosserei gründete. Georg Daubenbüchel engagiert sich seit vielen Jahren für den Standort, er ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft Bensberger Handel und Gewerbe e.V.

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