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Ladenverkauf verboten. Nur einen Abholservice vor ihrer Parfümerie kann Alexandra Eßer noch anbieten. Foto: Olaf-Wull Nickel
Porträt

"Auszahlungen hätte es schon im November geben müssen."

Alexandra Eßer ist Geschäftsführerin von Apart Parfum cosmetic&skincare. In Zusammenarbeit mit ihren Eltern betreibt sie den Laden in Köln Rodenkirchen. Sie berichtet im IHK-Interview von ihren Erfahrungen mit der Pandemie.

Wie war und ist die Lage Ihres Unternehmens während der Pandemie?
Apart Parfum cosmetic&skincare ist eine Parfümerie mit zwei angeschlossenen Kosmetikstudios. Die Nachfrage ging im März schon vor dem Lockdown zurück. Einen Tag nach der Zwangschließung, am 18. März, habe ich einen Lieferservice für Ware eingeführt. Lippenstifte sowie Foundations werden aufgrund der Maskenpflicht kaum gekauft. Hinzu kommt: Die Dienstleistungen in der Kosmetikkabine und zum Beispiel Braut-Abendmakeups fallen weg. Insgesamt ist der Umsatz seit März enorm zurückgegangen.

Wie finanzieren Sie sich, wie hoch sind Ihre Einbußen, haben Sie Hilfen in Anspruch genommen?
Ich habe vor dem ersten Lockdown Kurzarbeit für meine beiden Mitarbeiter angemeldet, weil da schon der Umsatzrückgang zu spüren war. Die dem Betrieb entsprechende Soforthilfe habe ich im März beantragt, das Geld kam kurz danach. Damit waren Zahlungen wie Miete, vorbestellte Ware oder offene Forderungen gerade so gedeckt. Ich als Geschäftsführerin und meine Eltern als geringfügig beschäftigte Mitarbeiter im Rentenalter erhielten keine Entschädigung. Seitdem finanzieren wir uns aus Eigenkapital. Im Winter lag der Umsatz unter der Hälfte vom Vorjahr.

Was haben Sie an Hygiene- und Schutzmaßnahmen umgesetzt, worin investiert?
Vor Wiedereröffnung der Kosmetikkabine am 15. Mai 2020 haben wir uns eingehend mit einem Hygienekonzept auseinandergesetzt. Wir tragen als Kosmetikerin FFP2- oder KN95- Masken, Schutzschild oder Schutzbrille. Von den Masken, die anfangs 8,90 Euro pro Stück kosteten, haben wir jeweils zwei pro Tag verbraucht. In unserer Branche galten auch vorher schon Hygienemaßnahmen wie Händewaschen und das Tragen von Schutzhandschuhen. Zusätzlich zu unserem Terminbuch haben wir, wie die Gastronomie, eine Besucherliste geführt.

Was würden Sie tun, um wieder öffnen zu können?
Bei der Wiedereröffnung der Kosmetikkabine am 15. Mai 2020 war entgegen unseren Erwartungen ein enormer Andrang in unserem Kosmetikstudio. Man hatte den Eindruck, die Menschen wollten sich etwas Gutes tun. Dazu kommt, dass die Haut durch das lange Tragen der Maske unheimlich leidet und zu Unreinheiten und Empfindlichkeiten neigt. Unsere Dienstleistung wird also gerade in dieser Zeit dringend gebraucht, und sollte es noch irgendetwas geben, was wir im Detail verbessern können, wäre ich sicher bereit dazu. Beim Verkauf sind wir offen für Neues: Im zweiten Lockdown haben wir einen Abholservice vor dem Laden im Eingangsbereich eingerichtet, mit Tischen als Barriere und vorgegebenem Abstand.

Was sind Ihre Zukunftsplanungen?
Zukünftig möchte ich noch mehr auf Dienstleistungen setzen und mein Angebot in den Kosmetikkabinen ausweiten. Ich überlege, einen Onlineshop für Stammkunden zu eröffnen, und zwar gezielt für Stammkunden. Für eine privat geführte Parfümerie macht ein Onlineshop wie bei Filialisten keinen Sinn, nur über Preis können wir nicht mithalten. Eine informative Homepage mit den von uns geführten Produkten für unsere Stammkunden würde aber Sinn machen. Ich erwarte künftig große Unsicherheit und wirtschaftliche Schwierigkeiten, würde mich aber nicht mit einem Bankkredit verschulden.

Was erwarten Sie jetzt und künftig von der Regierung und Verwaltung?
Ich erwarte eine sofortige Unterstützung für November und Dezember, wie bei der Gastronomie. Auszahlungen hätte es schon im November geben müssen. Trotz der noch nie da gewesenen Situation ist nicht zu verstehen, wieso ein Finanzierungskonzept nicht bereits nach Prognose eines zweiten Lockdowns im Sommer ausgearbeitet worden ist. Sauer werde ich, wenn ich daran denke, dass wir mit 65 Quadratmetern zwei Kunden hereinlassen durften, während in größere Läden Kundenmassen strömten. Von wegen Abstand und Hygiene… dort sollten Sicherheitsdienste eingesetzt und vom Staat bezahlt werden.

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