Stichwortsuche

Steuerrechtlerin Prof. Dr. Johanna Hey Foto: Astrid Piethan
Porträt

"Abwehrmaßnahmen führen in die Sackgasse"

Deutschland müsse seine steuerpolitische Rolle im internationalen Wettbewerb überdenken, forderte die Steuerrechtlerin Prof. Dr. Johanna Hey im Dialog mit dem Steuer- und Finanzausschuss der IHK Köln. Mit ihr sprach Julia Leendertse.

Was hat die US-Steuerrechtsreform seit Ende 2017 verändert?

Die US-Steuerrechtsreform war für die USA ein Befreiungsschlag und eine Zäsur in der internationalen Steuerpolitik. Die USA zählten lange zu den Hochsteuerländern. Mit der Reform gelang es, den US-Körperschaftssteuersatz von 35 auf 21 Prozent deutlich zu senken und auch sonst durch ein Wechselspiel aus Vergünstigungen und Sanktionen standortpolitisch kluge Steuerbedingungen für Investoren einzuführen. Dabei setzt man auf ein abgestimmtes System von steuerlichen Anreizen für Investitionen in den USA und Abwehrmaßnahmen gegen Gewinnverlagerungen.

Wie wirkt sich das auf den internationalen Steuerwettbewerb aus?

Der hat sich verschärft. Mehr noch: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und die EU müssen zur Kenntnis nehmen, dass die USA auch in Steuerfragen dem America-first-Prinzip folgen und gemeinsame Maßnahmen zur Bekämpfung aggressiver Steuergestaltung und zur Eindämmung des Steuerwettbewerbs nur sehr bedingt unterstützen.

Was bedeutet die US-Steuerreform für Deutschland?

Deutschland muss sich überlegen, ob es weiter Sinn macht, die Weltpolizei für globale Mindeststandards im Steuerwettbewerb zu spielen. Im OECD-Vergleich gehört Deutschland zu den Hochsteuerländern. Vor der US-Reform ruhte man sich noch darauf aus, als wirtschaftlich starke Nation trotz hoher Steuersätze für Investoren attraktiv zu sein. Jetzt aber zeigt das Beispiel der USA, dass sich auch große Wirtschaftsstandorte dem Wettbewerb um Investoren nicht verschließen können. Ein immer stärkeres Anziehen der Abwehrmaßnahmen, wie es Deutschland in der Vergangenheit praktiziert hat, führt in die Sackgasse.


Der Finanz- und Steuer- Ausschuss der IHK Köln
Der Finanz- und Steuer-Ausschuss der IHK Köln erörtert aktuelle finanz- und
steuerpolitische Entwicklungen und Probleme, die das Gesamtinteresse der Unternehmen in der Region betreff en. Er unterstützt Stellungnahmen gegenüber dem Land NRW und den Kommunen und liefert dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag zu, der diese Sachverhalte gegenüber der Bundesregierung vertritt. 

WEITERE THEMEN