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Gelerntes sofort umsetzen

In den Zertifikatslehrgängen der IHK-Weiterbildung erlangen Absolventen aus den unterschiedlichsten Branchen zusätzliche Qualifikationen zu unterschiedlichsten Wissensgebieten – ob zu Lebensmitteln, Suchmaschinen oder Tapeten.

Text: Werner Grosch

Wer seine Wohnung renovieren will, fährt heutzutage meistens dahin, wo es Lampen, Schrauben und Tapeten aus einer Hand gibt – in den Baumarkt. Nur: Haben die Mitarbeiter dort auch Ahnung von Tapeten? Wissen die etwas über Materialien, Eigenschaften, Verarbeitung? Der oberbergische Hersteller A.S. Creation jedenfalls hat festgestellt, dass viele Baumarkt-Mitarbeiter ein bisschen Weiterbildung in Sachen Tapeten gebrauchen könnten. Und so hat das Unternehmen gemeinsam mit den Weiterbildungsexperten der IHK Köln einen Lehrgang „Fachberater/-in Tapete“ konzipiert. Der Kurs schließt mit einem IHK-Zertifikat ab, und das ist ein echtes Gütesiegel.

Die Zertifikatslehrgänge bei der IHK Köln decken Fachbereiche ab, in denen ein wachsender Bedarf für Zusatzqualifikationen besteht, der aber nicht nur durch kommerzielle Angebote befriedigt wird. Das Themenspektrum reicht vom betrieblichen Gesundheitsmanagement über Visual Merchandising bis hin zu klassischen Themen wie Projekt- und Personalmanagement. Vor allem die digitale Entwicklung hat neue Zertifikatslehrgänge hervorgebracht: Neben dem E-Commerce Manager und dem Content Manager geht es vom Online Marketing Manager über den Social Media Manager bis zum SEO/SEA Manager, der sich der Optimierung von Webseiten für Suchmaschinen wie Google widmet.

Positiv überrascht

Allein den Social-Media-Lehrgang bei der IHK Köln haben seit 2012 schon weit über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besucht. Petra Pölking hat sogar inzwischen drei dieser Lehrgänge für Online-Themen absolviert. „Ich bin total begeistert von den Kursen, das hätte ich so auch nicht erwartet“, sagt die selbstständige Designerin, die mit ihrer Kölner Agentur „milchstrassenfieber“ kleineren und mittelständischen Unternehmen einen Rundum-Service von der Visitenkarte bis zum Messestand bietet – und bei Bedarf eben auch eine komplette Social-Media-Strategie. „Das hat früher ein Mitarbeiter gemacht, und das macht er auch weiterhin. Aber jetzt weiß ich genauer, was er da eigentlich tut, und kann die Kunden selbst umfassender beraten“, resümiert Pölking nach den drei Kursen.

"Total begeistert": Petra Pölking hat schon drei Zertifikatslehrgänge der IHK-Weiterbildung absolviert.
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Kooperation mit Unternehmen

Das gesamte Angebot der IHK-Zertifikatslehrgänge steht auf zwei Säulen, erklärt Jennyfer Gringmuth, Leiterin des Bereichs Weiterbildung der IHK Köln. Eine davon ist die Qualifikation in neuen, im Markt relevanten Themen wie Social Media, wo die IHK selbst einen Bedarf ermittelt. Die andere ist die Kooperation mit Unternehmen, wie etwa im Fall der Tapeten. Eine solche ist auch der „Frischespezialist“, der gemeinsam mit dem und speziell für den Lebensmittelhändler EDEKA entwickelt wurde –eine Zusatzqualifikation speziell für die Einzelhandels-Azubis des Unternehmens. Jens Kettler, Geschäftsbereichsleiter Bildungswesen und Geschäftsführer EDEKA-Juniorengruppe, sagt dazu: „Wichtig ist uns hier ein am Markt anerkanntes Zertifikat, das uns deutlich vom Wettbewerb abhebt.“ Deshalb habe man sich für die IHK Köln als erfahrenen Partner entschieden.

„Unsere teilnehmenden Auszubildenden erlangen neben den berufsbildbezogenen Mindestqualifikationen zusätzlich eine Reihe frischebetonter Waren- und Sortimentskenntnisse und erwerben dabei eine tiefgründige Kompetenz für ihre Arbeit in den EDEKA-Märkten. Es handelt sich also hierbei im wahrsten Sinne des Wortes um eine exklusive EDEKA-Eigenmarke“, erklärt Kettler.

Reaktion auch auf Gesetzesänderungen

Bisweilen sind es auch gesetzliche Änderungen, die neue Angebote erfordern. Beispiel: die „Kodierfachkraft“ im Krankenhaus. Seitdem in Kliniken die so genannten Fallpauschalen für die Abrechnung mit den Krankenkassen gelten, mussten Ärzte oder Pflegepersonal die notwendige Erfassung und Dokumentation (Kodierung) nebenbei erledigen. „Seither gab es einen Wildwuchs an Qualifizierungsangeboten, aber keine Professionalisierung“,
sagt Till Riemann, Geschäftsführer des Privatinstituts für Klinikmanagement (PKM) in Köln. PKM entwickelte zunächst ein 50-seitiges Qualitätshandbuch und schließlich gemeinsam mit der IHK Köln inzwischen drei Zertifikatslehrgänge: Zwei für die Kodierfachkraft im somatischen (körperlichen) und im psychiatrischen Bereich, außerdem den Medizincontroller. „Bundesweit sind heute rund 6.000 Menschen mit den entsprechenden Fallprüfungen beschäftigt. Das zeigt die Bedeutung dieser Qualifikation. Die Zusammenarbeit mit der IHK hat hier ganz neue Möglichkeiten eröffnet“, meint Riemann.

Das Zertifikat als Kodierfachkraft kann von großem Nutzen sein. Streiten sich beispielsweise Kliniken und Kassen vor Gericht um eine Erstattung, dann fragt der Richter immer häufiger: Wer hat kodiert? Wenn man dann entsprechende Qualifikationen nachweisen kann, steigen die Chancen für die Klinik. Und das liegt daran, dass die IHK-Zertifikate sehr anerkannt sind. Jennyfer Gringmuth: „Man weiß, dass es hier keinen Schein für das Absitzen eines Lehrganges gibt. Man muss aktiv teilnehmen und eine Zertifikatsprüfung absolvieren. Wir achten sehr darauf, dass das notwendige Wissen vermittelt wird, aber vor allem sollen die Teilnehmer ein Projekt aus ihrem Unternehmensalltag bearbeiten. So entsteht eine Win-win-Situation für das Unternehmen und den Teilnehmer.“

Hohe Flexibilität

Ein wichtiges Merkmal der Zertifikatslehrgänge ist ihre Flexibilität: Ergeben sich neue Entwicklungen oder zum Beispiel rechtliche Änderungen, so werden die Lehrgänge inhaltlich unmittelbar angepasst. Mindestens 50 Unterrichtsstunden nimmt ein Lehrgang in Anspruch – nichts für eben mal nebenbei.

Zertifikatslehrgänge
Allein im vergangenen Jahr haben rund 1.100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein IHKZertifikat erworben. Derzeit gibt es 25 eigene Lehrgänge des IHK-Weiterbildungszentrums, 40 weitere in Kooperationen. Im Internet finden Sie sowohl eine Übersicht über alle Angebote sowie die Kontaktdaten für Anfragen als auch die Zertifikatslehrgänge in Kooperation mit Unternehmen. Im Youtube-Kanal der IHK Köln finden Sie auch Erklärvideos zu einer Reihe von Lehrgängen.

Für Interessenten wichtig zu wissen: Die Zertifikatslehrgänge in der Weiterbildung unterscheiden sich in wesentlichen Punkten von den Fortbildungslehrgängen. Vor allem gibt es bei Letzteren formale Voraussetzungen für die Zulassung, etwa eine einschlägige Berufsausbildung als Basis. An den Zertifikatslehrgängen kann dagegen jede und jeder teilnehmen. Weiterer wichtiger Unterschied: Fortbildungsabschlüsse sind nach Berufsbildungsgesetz anerkannte öffentlich-rechtliche Abschlüsse. Dies gilt für die Zertifikatslehrgänge nicht, sie gelten als so genannte Anpassungsweiterbildungen, sind dafür aber inhaltlich flexibler, weil für Änderungen keine langwierigen formalen Wege notwendig sind.