Stichwortsuche

Dr. Ernst Grigat nahm in der IHK-Veranstaltungsreihe "Rheinische Dialoge" Stellung zur Metropolregion Rheinland. Foto: Astrid Piethan
Porträt

Zeigen, dass es das Rheinland gibt

Vor einem Jahr ist der Metropolregion Rheinland e.V. gegründet worden. Er wird getragen von 35 Mitgliedern, darunter Kommunen, Kreise, der LVR und die rheinischen IHKs. Dr. Ernst Grigat ist seit November 2017 Geschäftsführer des Vereins, der das Rheinland als starke Region etablieren und auch international zu einer renommierten Marke machen soll. Im Interview mit IHKplus berichtet Grigat über die ersten Aktivitäten und nimmt zur jüngst aufgekommenen Kritik Stellung.

? Herr Dr. Grigat, wie fällt Ihre Zwischenbilanz nach einem Jahr Verein Metropolregion Rheinland aus?

! Es zeigt sich, dass sich gemeinsam viel mehr bewegen lässt. Man muss dazu wissen, dass die Arbeitskreise, die heute zum Verein gehören, ja schon länger existieren und arbeiten, unter anderem zum Thema Infrastruktur. Deshalb konnten wir schon kurz nach der Vereinsgründung den ersten größeren Erfolg verzeichnen. Wir haben eine Rheinland-übergreifende Stellungnahme zum Bundesverkehrswegeplan abgeben, die weitaus mehr Gewicht hat und stärker berücksichtigt wurde, als wenn jede einzelne Stadt oder jeder Kreis das für sich getan hätte.

Darüber hinaus arbeiten wir intensiv daran, die Nahverkehrsregionen enger miteinander zu verbinden und das Ticketsystem für die Nutzer deutlich zu vereinfachen. Wir streben an, dass man im gesamten Rheinland mit einem einzigen Ticket fahren kann und nicht etwa Anschlusstickets kaufen muss.

? Infrastruktur und Mobilität sind also aktuell Schwerpunktthemen?

! An den Themen kommen wir einfach nicht vorbei. Dazu muss man ja nur täglich das Geschehen auf den Straßen beobachten. Es gibt großen Nachholbedarf im Rheinland, nicht nur bei den Straßen, sondern auch zum Beispiel im Öffentlichen Personen-Nahverkehr. Wir brauchen etwa eine deutlich bessere Anbindung des Umlandes an die Städte der Region, auch um die Wohnsituation in den Metropolen entspannen zu können. All das schauen wir uns aus der übergeordneten Perspektive des Rheinlandes an.

? Spüren Sie denn bei den 35 Mitgliedern des Vereins den Willen, dabei an einem Strang zu ziehen?

! Ich erlebe das so, auch wenn es bei Details Diskussionen geben mag. Wir werden auch darauf aufpassen, dass dieser Wille nicht erlahmt, denn wir reden ja hier von Projekten, die uns ein bis zwei Jahrzehnte beschäftigen werden. Wir brauchen dazu auch den Bund und planen deshalb, auch in Berlin präsent zu sein.

? Was ist da geplant?

! Wir starten dieses Jahr mit einem Parlamentarischen Abend zum Thema Mobilität und Infrastruktur, weil das einfach derzeit das brennendste Thema mit Blick auf den Bund ist. Wir wollen mit solchen Veranstaltungen auch dafür sensibilisieren, dass es das Rheinland gibt, und zwar auch als Organisation. Wenn man von Berlin aus Richtung Westen schaut, dann geht der Blick halt meist in eine andere Metropolregion.

? Welche weiteren Schwerpunkte gibt es?

! Ein wichtiges Thema ist das Standortmarketing. Hier planen wir Auftritte als Metropolregion auf einschlägigen internationalen Messen. Da die Messeplanung aber sehr langfristig über Jahre im Voraus läuft, wird es noch etwas dauern bis zu einem gemeinsamen Auftritt.

? Um den Jahreswechsel sind erste Stimmen laut geworden, die kritisieren, dass der Verein nicht recht in Gang komme. Was entgegnen Sie der Kritik?

! Ich denke, diese Kritik sollte sich jetzt erledigt haben, nachdem wir deutlich gemacht haben, welche Erfolge und konkreten Vorhaben es bereits gibt. Eine solche Initiative braucht eben Anlaufzeit.

? Wie wollen Sie das Rheinland als Wirtschaftsstandort vermarkten?

! Wir wollen deutlich machen, worin die eigentliche wirtschaftliche Stärke der Region liegt. Das ist die Vielfalt der Branchen, die große Zahl starker mittelständischer Unternehmen in den unterschiedlichsten Bereichen. Auch die Stärke als Wissenschaftsstandort spielt dabei eine große Rolle.

? Der Verein hat im vergangenen Jahr die Organisation des Rheinischen Kultursommers übernommen. Ist das tatsächlich eine Aktion, die für die genannten Ziele wichtig ist?

! Das ist ein sehr schönes Format, das die kulturelle Vielfalt der Region zeigt. Der Rheinische Kultursommer ist ja eine Klammer für verschiedenste Veranstaltungen, und hier ist jetzt auch der Niederrhein dabei. Damit kann ein weiterer wichtiger Aspekt vermittelt werden: das Rheinland als Lebensraum, als Identität, als Gefühl. Eine attraktive Region, in der man gut arbeiten und wunderbar leben kann.