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Abdouleyah Bah möchte Koch werden, Christian Gritsch möchte ihm die Chance dazu geben. Foto: Thilo Schmülgen
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Willkommen im neuen Leben

Der Willkommenslotse der IHK Köln bringt Unternehmen und Flüchtlinge zusammen. Seit Mai 2016 hat Fabian Hüppe bereits rund 30 Beschäftigungsverhältnisse vermittelt. Wie groß das Engagement vieler Flüchtlinge ist, zeigen drei ganz unterschiedliche Beispiele.

Text: Werner Grosch

Abdouleyah Bah lächelt ein bisschen schüchtern. Er würde gerne schon besser Deutsch können. „Ich lerne und lerne, aber manchmal ist der Kopf voll.“ Kein Wunder. An drei Tagen in der Woche arbeitet er in der Kantine der Deutschlandzentrale von Mazda in Leverkusen, an zwei Tagen ist Sprachkurs angesagt.

Bah ist erst 21 Jahre alt, hat in der Heimat Guinea nur wenige Jahre die Schule besucht, ist dann Taxi gefahren. Seit seiner Flucht vor etwa zwei Jahren tut Bah alles dafür, sich eine Zukunft in Deutschland aufzubauen. Dass er das wirklich tut, bestätigt sein Chef Christian Gritsch: „Er ist pünktlich, engagiert – und immer gepflegt, das ist in diesem Job auch sehr wichtig.“ Gritsch ist gemeinsam mit Markus Dreimann Geschäftsführer der BCC Betriebsgastro Concept-Catering GmbH, die unter anderem die Mazda-Kantine betreibt.

Was aber Bahs Integrationswillen vielleicht am deutlichsten zeigt, ist dies: Als Muslim würde er selbst niemals Schweinefleisch essen. Doch er will Koch werden, in Deutschland, und da steht die Verarbeitung von Schweinefleisch sogar in der Ausbildungsordnung. Das bedeutet: Mindestens abschmecken muss er. Dass er das darf, hat sich Bah von einem Geistlichen absegnen lassen. Bis August läuft noch die Einstiegsqualifizierung (EQ) bei BCC, und Dreimann und Gritsch sind zuversichtlich, dass sich dann die reguläre Ausbildung zum Koch direkt anschließen kann.

Lotse als Angebot für kleinere Unternehmen

Den Kontakt vermittelt hat Fabian Hüppe, bei der IHK Köln angesiedelter Willkommenslotse. Das Amt wurde bundesweit geschaffen, um die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Gefördert vom Bundeswirtschaftsministerium, richtet sich das Angebot vor allem an kleinere und mittlere Unternehmen. Im Mai 2016 hat Hüppe angefangen, und seither hat er schon rund 30 Beschäftigungsverhältnisse vermittelt – teils Praktika und EQ, aber auch schon eine Reihe regulärer Ausbildungen.

„Erst mal habe ich mir vor allem die Bewerberseite angeschaut“, berichtet der Lotse. Viele Interessenten kämen über Bildungsträger oder Ehrenamtler, die sich um Flüchtlinge kümmern. Hüppe studiert die Unterlagen, gibt Tipps für Vorstellungsgespräche und vermittelt in passende Angebote von Unternehmen. Der Lotse weiß, dass jemand mit so geringer Schulbildung wie Abdouleyah Bah es schwer hat. Dennoch: „Er ist so motiviert, er packt es.“

Schon nach wenigen Wochen sehr gut integriert

Niloofar Koohi aus dem Iran (l.) lernt im Unternehmen von IHK-Vizepräsidentin Dr. Sandra von Möller (r.), BÄRO in Leichlingen, derzeit die unterschiedlichsten Bereiche kennen, vom Lager über den Einkauf bis zur Qualitätssicherung.
Foto: BÄRO, Fotograf: Tillmann Franzen

Genauso zuversichtlich ist Hüppe mit Blick auf Niloofar Koohi aus dem Iran. Auch sie macht gerade eine EQ, im Unternehmen von IHK-Vizepräsidentin Dr. Sandra von Möller in Leichlingen. Bei BÄRO lernt sie seit Anfang 2017 die unterschiedlichsten Bereiche kennen, vom Lager über den Einkauf bis zur Qualitätssicherung. Die 26 Jahre alte Frau hat in der Heimat Betriebswirtschaft studiert, in Deutschland möchte sie eine Ausbildung zur Industriekauffrau absolvieren.

Dass das bei BÄRO klappt, steht für Dr. von Möller schon nach wenigen Wochen kaum noch in Frage: „Frau Koohi spricht sehr gut Deutsch, ist intelligent, interessiert und aufgeschlossen. Sie passt sehr gut ins Team und wird von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geschätzt und unterstützt. Beide Seiten fühlen sich wohl. Daher gehen wir fest davon aus, dass Frau Koohi im September mit einer Ausbildung bei BÄRO beginnen wird.“

Das Leichlinger Unternehmen hatte sich selbst an den Lotsen gewandt. Hüppe schlug die junge Iranerin vor, und dann ging es recht schnell: „Mit Frau Koohi haben wir zwei Vorstellungsgespräche geführt, in denen sie uns überzeugt hat. Daraufhin hat sie bei BÄRO angefangen.“

Ein Gewinn für beide Seiten

Mohammed Babat aus Syrien (r.) absolviert im Kölner IT-Unternehmen von Jörg Flatten (l.)
Foto: Thilo Schmülgen

Anfang 2017 ist auch Mohammed Babat in seine EQ gestartet. Der junge Syrer, der schon einige Qualifikationen im IT-Bereich mitbringt, arbeitet bei der Flatten IT Consulting GmbH in Köln. Wenn alles klappt, wird er im Herbst ein duales Studium beginnen und der Firma so erhalten bleiben. „Das ist eine Win-win-Situation. Herr Babat findet einen Platz auf dem Arbeitsmarkt, und wir auf diesem Weg bezahlbare Arbeitskräfte“, sagt Jörg Flatten.

Noch ist offen, ob Babats syrisches Abitur als Hochschulzugangsberechtigung anerkannt wird. Falls nicht, soll eine Ausbildung zum Fachinformatiker folgen. „Dafür mache ich dann auch die Ausbilderprüfung, das ist es mir wert“, sagt der Geschäftsführer. Babat tut in der Zwischenzeit das, was auch Bah und Koohi tun: Sich in das Fachgebiet einarbeiten und weiter Deutsch lernen. Auch wenn der Kopf manchmal voll ist.

Infos und Kontakt
Informationen zur Arbeit des Willkommenslotsen finden Sie auch auf der Website der IHK Köln. Auf einer Sonderseite sind alle wichtigen Themen zur Integration von Flüchtlingen im Arbeitsmarkt versammelt.

Kontakt zu Fabian Hüppe: Tel. 0221 1640-6780, fabian.hueppe@koeln.ihk.de

Unterstützung bei der Integration bieten auch die ehrenamtlichen Mentoren der IHK Köln, die persönlich 1:1 geflüchtete Menschen (und andere, die einen erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt haben) betreuen. Nähere Infos dazu finden Sie bei der IHK-Stiftung.