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Paul Jan Schmidt (4.v.l.) holte einen Berater ins Haus, der ihn und sein Team ein Jahr lang begleitete. Foto: Astrid Piethan
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Wie Mitarbeiter ein Unternehmen voranbringen – und das Land dabei hilft

Das Land NRW fördert sogenannte Potenzialberatungen Unternehmen, die mit ihren Mitarbeitern Themen wie Arbeitsorganisation und Digitalisierung verbessern wollen. Die IHK Köln hilft, die Förderung zu beantragen – und geeignete Themen zu finden.

Text: André Schmidt-Carré

Wenn ein Unternehmen wächst, ist das gut. Wenn es eine passende Strategie gibt, noch besser: Geschäftsführer Paul Jan Schmidt von der Werbemittel-Vertriebsgesellschaft Bannerstop GmbH aus Köln hat deshalb im vergangenen Jahr eine Wachstumsstrategie für sein Unternehmen entwickelt, und zwar gemeinsam mit seinen rund 30 Mitarbeitern: „So etwas funktioniert am besten, wenn die Kollegen von Anfang an eingebunden sind und den Prozess mit gestalten können“, davon ist Schmidt überzeugt. Der Chef hat dazu einen Unternehmensberater ins Boot geholt, der ihn und seine Mitarbeiter über ein Jahr hinweg begleitet hat: Wie und wo soll das Wachstum herkommen? Welche Infrastruktur ist dafür nötig? Wie kann die bislang flache Hierarchie erhalten bleiben? Welche Führungsqualitäten sind nötig? Schmidt investierte mehr als 25.000 Euro, das Land NRW übernahm davon 5.000 Euro, die IHK Köln half bei der Antragstellung. „Dieser finanzielle Anreiz hat uns den Einstieg in das Projekt erleichtert“, sagt Schmidt.

Die finanzielle Förderung stammt aus der sogenannten Potenzialberatung des Landesarbeitsministeriums NRW. Damit unterstützt das Land mittelständische Unternehmen, die sich und ihre Mitarbeiter zu Themen wie Arbeitsorganisation, Personalentwicklung, Digitalisierung oder Gesundheit im Betrieb weiterentwickeln wollen. Sie können einen Unternehmensberater engagieren und bekommen einen Teil der Honorarkosten erstattet: 50 Prozent bis zu einer Honorar-Höhe von maximal 10.000 Euro und einem Tagessatz von maximal 1.000 Euro.

„Die Förderquote ist verglichen mit anderen Programmen hoch und der Topf gut gefüllt“, sagt Tanja Kinstle, Fördermittel-Expertin bei der IHK Köln (siehe Kasten). Die IHK berät ihre Mitglieder, die eine Förderung beantragen wollen, und gibt Tipps, welche Arten von Beratungen
förderfähig sind. Bei der Potenzialberatung gilt: „Die Beratung muss die Angestellten aktiv einbinden“, sagt Kinstle.

Unternehmer Schmidt hat seine Mitarbeiter in freiwilligen Workshops an Themen arbeiten lassen, in denen sie Chancen und Risiken verschiedener Wachstumsstrategien abgewägt haben. Diese Strategien haben die Kollegen später in Kleingruppen konkret ausgearbeitet und setzen sie nun um. „Das Ergebnis begeistert mich, die Mitarbeiter haben dabei gelernt, unternehmerisch zu denken und zu handeln“, sagt der 41-Jährige. Damit ist ein wichtiges Ziel der Potenzialberatung erfüllt: „Bei einer solchen Beratung soll sich das Unternehmen durch eine bessere Beteiligung der Mitarbeiter weiterentwickeln“, sagt der Kölner Unternehmensberater Lambert Schuster, der Schmidts Mitarbeiter gecoacht hat. „Das hat hier besonders eindrucksvoll geklappt.“

Dieter Flosbach handelt mit Dach-Baustoffen und ließ Mitarbeiter für den Verkauf an Profis extra coachen.
Foto: Astrid Piethan

Auch Unternehmer Dieter Flosbach hat die Potenzialberatung genutzt. Der Chef von 50 Mitarbeitern vertreibt Dach-Baustoffe über seine Filialen im Bergischen Land und im Rheinland vor allem an Dachdecker und damit an Profis. Ziel des Coachings: Die Verkäufer sollen nicht nur Material verkaufen, sondern die Aufgaben und Anforderungen der Dachdecker verstehen und den Handwerkern daraus abgeleitet Produkte anbieten, die ihren Job leichter oder schneller machen – und damit mehr Umsatz beim Verkauf der Dach-Baustoffe generieren. „Wir haben zuvor einmal jährlich ein gemeinsames Verkaufstraining mit Kooperationspartnern gebucht, weil das sonst nicht bezahlbar war“, sagt Flosbach. Nachteil: Die Inhalte des Trainings passten nur mäßig und waren zudem im Vertriebsalltag schnell wieder vergessen. Die Potenzialberatung hingegen war maßgeschneidert, lief über mehrere Monate – und war dank Förderung für Flosbach auch bezahlbar.

Potenzialberatung über die IHK Köln beantragen

Unternehmen mit 10 bis 250 Mitarbeitern und Sitz in NRW können die Potenzialberatung in Anspruch nehmen.

Kleinunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern bekommen über das Förderprogramm „unternehmensWert:Mensch“ sogar bis zu 80 Prozent der Honorarkosten gefördert.

Das Programm „unternehmensWert:Menschplus“ unterstützt Großunternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern.

Tipps zu Förderprogrammen gibt die IHK Köln.

Ansprechpartnerin ist:

Tanja Kinstle

Leiterin Finanzierung und Nachfolge

Tel. 0221 1640-1570

Tanja.Kinstle@koeln.ihk.de


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