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Angelika Sielmann (links) suchte einen Nachfolger für ihr Unternehmen. Unterstützung fand sie bei Petra Maskow (rechts), Leiterin Unternehmensförderung in der Geschäftsstelle RheinErft der IHK Köln, die ihr die Internetplattform nexxtchange zeigte. Foto: Ulrich Kaifer
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Wenn zwei sich finden

Immer mehr Unternehmer suchen einen Nachfolger für ihren Betrieb. Findet sich kein familieninterner Nachfolger, stehen Firmeninhaber häufig vor einem Problem. Denn die Zahl der Übernahmeinteressenten sinkt seit Jahren. Die Nachfolgebörse nexxt-change hilft.

Text: Nathalie Nied

Angelika Sielmann und ihr Mann Martin Stiens haben ihr Unternehmen alfda Artikel für Allergiker Handels GmbH 1996 in Bergheim gegründet. Mehr als 20 Jahre lang hat das Paar den Fachhandel für Allergikerbedarf geführt, eigene Produkte entwickelt und verkauft. 2017 entschieden sie sich, in den Ruhestand zu gehen und den Betrieb abzugeben. Keine leichte Entscheidung. Schließlich bedeutet Unternehmensnachfolge auch immer, Abschied von einem Lebenswerk zu nehmen. Vielen Unternehmern fällt es deshalb schwer, loszulassen und den Betrieb in neue Hände zu geben. Trotzdem stand für beide fest: Das Unternehmen soll durch einen Nachfolger weitergeführt werden.

„Genau an diesem Punkt setzt die Nachfolgebörse nexxtchange an“, erklärt Tanja Kinstle, die als Leiterin der Unternehmensförderung das Thema Unternehmensnachfolge bei der IHK Köln betreut. „Die Internetplattform bringt Unternehmer und Existenzgründer zusammen. Sie stellen dort ihre Verkaufsangebote und Kaufgesuche ein. Alleine 2017 wurden im Bezirk der IHK Köln über nexxtchange 94 Unternehmen zum Verkauf angeboten.“

Dazu gehörte auch „alfda“. Denn für die Suche nach einem geeigneten Nachfolger hat auch Angelika Sielmann die Internetplattform genutzt. „Wir haben die Chance gesehen, über nexxtchange auch überregional gefunden zu werden. Außerdem war es uns wichtig, dass wir unseren Betrieb ausführlich und anonym präsentieren können“, so Sielmann. Gerade die Anonymität kann im Verkaufsprozess eine entscheidende Rolle spielen. Denn erfahren Kunden, Mitarbeiter oder Lieferanten zu früh von dem geplanten Verkauf, kann das zu Schwierigkeiten führen. Aus diesem Grund sind Regionalpartner – auch die IHK Köln – an der Nachfolgebörse nexxtchange beteiligt. Sie prüfen die Inserate und stellen sie anschließend für Unternehmer und Interessenten ein. Außerdem stehen die Regionalpartner als Berater zur Seite – so auch im Fall von Angelika Sielmann.

In der Geschäftsstelle RheinErft der IHK Köln hat sie sich über die Handhabung der Internetplattform informiert. „Im Gespräch ging es auch um grundlegende Informationen zum Unternehmensverkauf, auf die ich im Prozess der Unternehmensnachfolge immer wieder zurückgreifen konnte“, berichtet sie.

Nachdem das Verkaufsangebot eingestellt wurde, hat das Ehepaar zunächst einen Monat lang alle Interessentenanfragen gesammelt und bewertet. Danach ging es ganz schnell. Schon nach vier Monaten übergaben Sielmann und Stiens ihr Unternehmen an Marco Reitberger. Seine Vorerfahrung als Unternehmer, inklusive Kenntnisse über Vertriebswege und Produkte, überzeugten das Ehepaar. „Bei verschiedenen persönlichen Treffen und unzähligen Telefonaten entstand eine Vertrauensbasis. Diese ist für die erfolgreiche Abwicklung eines solchen Geschäfts notwendig“, erzählt Reitberger.

So war es im anschließenden Prozess möglich, dass alle an einem Strang ziehen – ein wichtiger Faktor für die Übergabe des Unternehmens. „Wir haben großen Wert darauf gelegt, dass der neue Gesellschafter den Betrieb reibungslos und kompetent weiterführt“, erklärt Sielmann. Deshalb bereiteten sie die Übergabe zusammen ausgiebig vor, zum Beispiel durch die gemeinsame Erarbeitung neuer Produktkonzepte für die Zeit nach dem Verkauf.

Außerdem mussten im Vorfeld viele betriebswirtschaftliche und rechtliche Fragen geklärt werden. „Auch wenn es mal zu Spannungen in der Abwicklung kommt, sollte man immer fair miteinander umgehen. Bei der Vertragsgestaltung kann ich nur dazu raten, einen Fachanwalt hinzuzuziehen, der möglichst bereits Firmenverkäufe in gleicher oder ähnlicher Branche betreut hat“, so Sielmann.

Im Falle von „alfda“ ist der Nachfolgeprozess vor allem deshalb gut gelungen, weil Angelika Sielmann und Martin Stiens frühzeitig mit der Planung begonnen haben, auf externe Beratung gesetzt haben und im richtigen Moment auf ihr Bauchgefühl vertraut haben.

Infos rund um die Unternehmensnachfolge

Die Nachfolgebörse nexxtchange wurde 2006 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, von der KfW Bankengruppe, dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag und weiteren Partnern gegründet. Ziel ist es, nachfolgeinteressierte Unternehmer und Existenzgründer zusammenzubringen.

Insgesamt 734 Regionalpartner – darunter auch die IHK Köln – betreuen die Internetplattform und veröffentlichen die Inserate. Darüber hinaus steht die IHK Köln Unternehmern, die ihren Betrieb abgeben möchten, und Nachfolgeinteressierten als neutraler Ansprechpartner zur Seite. Neben Checklisten und Fachpublikationen zum Thema, die auf der Homepage zur Verfügung stehen, berät die IHK zu Fragen rund um das Thema Unternehmensnachfolge, beispielsweise zur Vorbereitung der Übergabe oder zu Finanzierungsmöglichkeiten.

Auf www.ihk-koeln.de findet sich die Börse unter der Dok.-Nr.: 001791


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