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Hochwasser in Köln. Foto: Thilo Schmülgen
Leben

Wenn der Pegel ausschlägt

Jede Sekunde fließen im Durchschnitt rund 2.000 Kubikmeter Rheinwasser durch Köln. Wenn die Menge aber vom Durchschnitt stark abweicht, können die Folgen drastisch sein. Auch für die Wirtschaft in der Region.

Text: Werner Grosch

Was ist der Kölner Pegel?
Ein Schwimmkörper im Pegelturm in der Kölner Altstadt überträgt permanent den Wasserstand des Rheins auf die am Turm angebrachte Pegeluhr. Der „Kölner Pegel“ ist seit 1979 so definiert, dass beim Stand „0“ das Wasser immer noch einen Meter hoch in der Fahrrinne fließt. Der mittlere Wasserstand in Köln liegt bei 3,21 Metern, schon ab 4,50 Metern spricht man von Hochwasser. Den  historischen Höchststand gab es im Jahr 1784 mit 13,55 Metern, bedingt durch große Eisblöcke, die bei ohnehin hohem Wasserstand durch einen schnellen Wechsel von Tau- und starken Frostperioden entstanden, sich ineinander verkeilten und auftürmten.

Welche Bedeutung hat der Rhein als Transportweg?
Der Rhein ist eines der meistbefahrenen Binnengewässer Europas. Auf dem Strom verkehren knapp 7.000 Frachtschiffe mit einer Gesamtkapazität von etwa zehn Millionen Tonnen. Im Jahr 2016 wurden auf dem Rhein 187 Millionen Tonnen Güter transportiert, das entspricht etwa 2,5 Millionen Standard-Containern. Die Häfen des regionalen Verbunds Rheincargo (Köln, Düsseldorf, Neuss) haben im Jahr 2017 rund 28 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen, davon war ein knappes Drittel Mineralöl.

Welche Folgen hat ein Niedrigwasser wie 2018 für die Wirtschaft?
Die Folgen können drastisch sein, wie das Jahr 2018 zeigte. Lastschiffe konnten teils nur ein Drittel der üblichen Ladung aufnehmen. Damit stockte beispielsweise die Auslieferung von Autos bei Ford, auch der Nachschub an Rohöl und Sprit war zeitweise so begrenzt, dass die Preise deutlich stiegen. Fähren mussten ihren Betrieb einstellen, touristische Rundfahrten fielen sogar im November noch aus. Fallen Binnenfrachter aus, muss die Ladung in der Regel auf Lkw umgeladen werden – im Schnitt 150 Laster pro Schiff.

Welche Folgen hat Hochwasser für die Wirtschaft?
Schon bei der Hochwassermarke I (6,20 Meter) in Köln gelten Einschränkungen, Schiffe müssen langsamer fahren. Bei 8,30 Metern wird die Schifffahrt eingestellt. Die Folgen sind letztlich dieselben wie bei Niedrigwasser. Im Normalfall passieren rund 400 Rheinschiffe täglich die Stadt, der Großteil davon Frachter. 

Wodurch entsteht eigentlich Hochwasser?
Anhaltende Niederschläge und Schneeschmelze im Einzugsgebiet des Rheins können für Hochwasser sorgen. Die Häufung solcher Ereignisse in den vergangenen Jahrzehnten ist aber menschengemacht: Durch Versiegelung von Flächen fließen Niederschläge schlechter ab, durch die Begradigung des Flusslaufes und die Kanalisierung der Nebenflüsse ist die Fließgeschwindigkeit stark gestiegen: Der Wellenscheitel eines Hochwassers brauchte vor dem Ausbau des Oberrheins Mitte der 1950er Jahre für die Strecke von Basel nach Karlsruhe 64 Stunden. Heute sind es nur noch 23 Stunden.

Was passiert bei welchem Stand?
Bei 8,10 Metern wird die Promenade der Kölner Altstadt angeflutet. Bei 8,50 Metern wird der Stadtteil Kasselberg zur Insel – eingeschlossen vom Hochwasser. Bei 10 Metern muss der Rheinufertunnel geschlossen werden. Bei diesem Stand ist die Altstadt durch eine mobile Schutzwand geschützt. Wenn der Rhein weiter steigt, nehmen die Stadtentwässerungsbetriebe bis zu 24 reine Hochwasserpumpwerke in Betrieb. Bei 10,70 Metern wird in Köln Katastrophenalarm ausgelöst.

Quellen: Hochwasserschutzzentrale Köln / Bundesverband Binnenschifffahrt / Häfen und Güterverkehr Köln


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