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Besuchermagnet: Vier Millionen Gästen besuchen Jahr für Jahr im Advent den Weihnachtsmarkt auf dem Roncalliplatz. Foto: KW Weihnachtsgesellschaft
Porträt

Weihnachtsmarkt - ein ganzjähriges Ereignis

Monika Flocke heißt wirklich so und ist die Chefin des Weihnachts­marktes am Kölner Dom. Vier Millionen Besucher kommen Jahr für Jahr im Advent auf den Roncalliplatz. Am 23. Dezember ist der letzte Tag – aber nicht für Frau Flocke und ihr Team. Für sie ist das ganze Jahr Weihnachtsmarkt.

Text: Lothar Schmitz

„Entscheidend is auf’m Platz“, befand einst der deutsche Fußballspieler Adi Preißler. Das würde Monika Flocke für ihr Metier wohl nicht bestätigen. Natürlich hängt auch ihr geschäftlicher Erfolg davon ab, dass die Menschen nach der Eröffnung des Weihnachtsmarktes in Köln zwischen dem 27. November und dem 23. Dezember auf den Roncalliplatz strömen und dort Glühwein trinken, Bratwurst essen, Leb­kuchen und Kunsthandwerk kaufen. Doch ent­scheidend ist für ihr Unternehmen das ganze Jahr.

Monika Flocke gründete 2009 gemeinsam mit dem Konzertveranstalter Roland Temme die KW Kölner Weihnachtsgesellschaft mbH. Die betreibt seit 2010 den Weihnachtsmarkt am Kölner Dom. In einem Ausschreibungsverfahren der Stadt Köln für die vier Weihnachtsmärkte auf Alter Markt und Heumarkt, dem Neumarkt, dem Roncalliplatz und dem Rudolfplatz erhielt sie für die Jahre 2010 bis 2015 sowie 2015 bis 2019 den Zuschlag – korrekt: die ordnungsbehördliche Erlaubnis –, auf der Fläche des Roncalliplatzes direkt neben Deutschlands meistbesuchter Sehenswürdigkeit den Weihnachtsmarkt auszurichten.

Am 23. Dezember schließt der Weihnachtsmarkt dieses Jahr - für Monika Flocke und ihr Team geht die Arbeit weiter: Aufräumen, lagern, Rechnungen abwickeln.
Foto: Olaf-Wull Nickel

Während der Dom jedes Jahr sechs Millionen Besucher zählt, kommen rund vier Millionen Menschen allein in den vier Adventswochen zum Weihnachtsmarkt auf dem Roncalliplatz und geben dort durchschnittlich 30 Euro aus, wie eine IHK-­Studie ermittelte. Der Weihnachtsmarkt –  ein Wirtschaftsfaktor.

Was die Menschen vier Wochen lang erfreut, beschäftigt Monika Flocke und ihre zwölf Mitar­beiterinnen und Mitarbeiter das gesamte Jahr über. „Der Weihnachtsmarkt hört für uns eigentlich nie auf, das ist ein Prozess“, sagt die Leverkusener Anwältin für Wirtschaftsrecht, die vor acht Jahren aus „Lust auf die Organisation einer anspruchs­vollen Veranstaltung, auf Kreativität und Emotionen“ zur Weihnachtsunternehmerin wurde.

Januar und Februar: Aufräumen, lagern, Rechnungen abwickeln

Der Januar und Februar dienen der Demontage der 150 Stände, der Portale und Bühne, des Lichterzeltes und der übrigen Ausrüstung, die direkt nach Weihnachten binnen drei Tagen abgebaut und abtransportiert werden müssen,  während im November für den Aufbau rund zehn Tage zur Verfügung stehen. „Das Equipment wird in unseren beiden Hallen in Rösrath ausgepackt und ordnungsgemäß gelagert“, erzählt Monika Flocke, „das kommt dort wegen der Kürze der Abbauzeit ziemlich durcheinander an.“

Im Büro werden derweil sämtliche Rechnungen abgewickelt. „Da fällt eine Menge an“, weiß die Unternehmerin. Gleichzeitig trudeln die ersten Bewerbungen für einen Stand im Folgejahr ein. Die Fluktuation liegt bei fünf bis zehn Prozent, neu zu vergeben sind also pro Jahr durchschnitt­lich zehn Stände. Es kommen aber hunderte von Bewerbungen. „Die sichten wir sorgfältig, um keine originelle, außergewöhnliche Idee zu verpassen“, sagt Monika Flocke. Zudem nutzt das Team die Zeit für Feedbackgespräche mit den Mietern der Stände und untereinander.

Der März ist ziemlich entspannt. Einige aus dem Team nutzen ihn für Urlaub.

Ab April: Reparieren und Verträge schließen

Von April bis Oktober ist in den beiden Hallen dann Reparaturzeit. Sämtliche Materialien und die Stände werden gereinigt, ausgebessert, es wird lackiert und versiegelt, gebohrt und gehämmert. Der Weihnachtsmarkt auf dem Roncalliplatz hat, wie viele andere auch, ein einheitliches Aussehen, zudem haben Flocke und Temme einen hohen Qualitätsanspruch.


Im Büro laufen derweil die Vermietungen für die 150 Stände an, neben dem Glühweinausschank, den KW selbst betreibt, die zweite Einnahmequelle zur Finanzierung des Marktes. Zugleich wird das Bühnenprogramm – das rund 100 Veranstaltungen umfasst – konzipiert. Die Auswahl, Absprachen und Vertragsgestaltung nehmen viele Wochen in Anspruch.

Außerdem legt das Team jetzt fest, welche sozialen Institutionen den Zuschlag für die fünf Stände erhalten, die das Unternehmen nicht vermietet, sondern 2­Tage­weise unentgeltlich zur Verfügung stellt. „Wir finden es sehr wichtig, dass auch Am­nesty International, die Kindernothilfe und andere nicht kommerzielle Akteure ihr Angebot auf dem Weihnachtsmarkt präsentieren können“, betont Monika Flocke. Auch Absprachen mit der Stadt, Versicherungsnachweise und Genehmigun­gen stehen in dieser Phase auf der Tagesordnung.

Im August beginnt die heiße Phase

„Ab August wird’s heiß“, sagt Monika Flocke und meint nicht die Außentemperaturen. Während alle anderen Urlaub machen, bringt ihr Team die letzten Verträge unter Dach und Fach und organi­siert für die rund 20­25 gastronomischen Betriebe unter den Standmietern die Bio­Zertifizierung. Nach eigenen Angaben ist der Weihnachtsmarkt am Kölner Dom der erste in Deutschland, dessen Speisen­ und Getränkeangebot zum größten Teil biozertifiziert ist.

Heiß wird’s im Herbst auch in den beiden Hallen. Während im Büro die aktuellen Marketingmaß­nahmen anrollen, werden dort Stände und Materialien gepackt – und zwar nicht irgendwie. „Damit logistisch alles reibungslos läuft, kann der Roncalliplatz nur in einer bestimmten Reihen­folge bestückt werden“, erläutert die Unter­nehmerin. Nach und nach rücken dann ab Mitte November die gemieteten Lkws am Dom an, ein Architekt koordiniert die Abläufe und alle Gewerke. Sogar ihr Büro verlagern die Weihnachtsmarkt­macher auf den Roncalliplatz, um immer am Ort des Geschehens zu sein.

Als dann in diesem Jahr am 27. November erstmals die Pforten zu Deutschlands wohl meistbesuchtem Weihnachtsmarkt öffneten, war Monika Flocke sehr erleichtert. Einen Glühwein gönnte sie sich trotzdem nicht. „Ich muss jederzeit voll konzentriert und als Ansprechpartnerin da sein“, stellt die Un­ternehmerin klar.

Deren Nachname ist übrigens kein Künstlername, sie heißt wirklich Flocke. Auch der Name ihrer Tochter, die ab und an im Unternehmen mitwirkt, stimmt: Seit ihrer Heirat heißt sie Engel.

Eine Übersicht über die "Schönsten Weihnachtsmärkte in Köln 2017" hat der Kölner Stadt-Anzeiger auf seinen Seiten zusammengestellt. Hier finden Sie auch die Öffnungszeiten der Weihnachtsmärkte in Köln.

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