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Prof. Kai Buehler (r.) entwickelte mit seinem Team das 4-Scoring-Modell, das jetzt auch IHK-Startup-Beraterin Petra Göbbels (2.v.l.) nutzen kann. Foto: Rheinische Fachhochschule Köln
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Vorhersage-Modell für Erfolg von Start-ups

Rheinische Fachhochschule entwickelte 4T-Scoring-Modell im Auftrag von IHK und Stadt Köln

Text: Werner Grosch

Startups im Hightech-Bereich haben sich in den vergangenen Jahren zu wichtigen Innovationstreibern gerade auch in der Industrie entwickelt. Die IHK Köln fördert deshalb auch besonders intensiv die Verbindungen zwischen den jungen und den etablierten Unternehmen. Zugleich gilt aber auch: Immer noch scheitert die Mehrheit aller Startups nach wenigen Jahren, weil sie nicht wirtschaftlich tragfähig sind. Um dem entgegenzuwirken, hat die IHK gemeinsam mit der Rheinischen Fachhochschule (RFH) Köln und der KölnBusiness Wirtschaftsförderungs-GmbH der Stadt Köln eine Studie in Auftrag gegeben, deren Ziel es war, verlässliche Kriterien für die Einschätzung der Tragfähigkeit eines Tech-Startups zu entwickeln. Kriterien, die den Gründern helfen und zugleich Investoren als Anhaltspunkte für die Entscheidung über ein finanzielles Engagement dienen sollen.

Prof. Dr. Kai Buehler, Leiter des Masterstudiengangs „Digital Business Management" an der RFH, hat in der Studie ein vielversprechendes Modell dafür entwickelt, das er „4T Scoring" genannt hat. "4T" steht für die vier zentralen Erfolgsfaktoren „Timing“, „Tech & Product“, „Team“ und „Traction“, denen jeweils fünf Unterkategorien zugeordnet sind. Während Timing den richtigen Zeitpunkt der Gründung beschreibt, bezieht sich Tech & Product auf die Beurteilung, inwieweit das Geschäftsmodell eindeutig auf reale Kundenwünsche eingeht. „Team" steht für die Qualifikation der Gründer hinsichtlich Branchenerfahrung, Alter und weiterer Faktoren. „Traction" wiederum betrifft die Frage nach der Kreativität der Gründer und speziell ihre Fähigkeit, aus geringen Mitteln gute Ergebnisse zu generieren.

"Konkrete Hinweise auf Schwachpunkte"

Buehler und sein Team haben für die Untersuchung eine Reihe von Befragungen von Tech-Startups sowie persönlichen Gesprächen mit Investoren durchgeführt und kamen zu dem Ergebnis, dass ein hoher 4T-Wert mit den Erfolgsaussichten des Startups korreliert. Besonders bedeutsam seien dabei die Kategorien Timing und Traction. „Die Gründungsteams erhalten durch das 4T-Scoring konkrete Hinweise darauf, welche Schwachpunkte sie mit geeigneten Gegenmaßnahmen beheben können. Investoren erhalten ihrerseits ein Bewertungstool, mit dem sie die Erfolgswahrscheinlichkeit von Startups besser einschätzen können", sagt Buehler. Schließlich verlören aktuell immer noch 70 Prozent der Startup-Investoren ihr eingesetztes Kapital.

Für die IHK Köln sind die Ergebnisse auch in ihrer alltäglichen Beratungsarbeit von großer Bedeutung. „Wir können damit Gründerinnen und Gründer noch gezielter beraten und sie beispielsweise auf Finanzierungsgespräche gut vorbereiten", sagt Alexander Hoeckle, Geschäftsführer International und Unternehmensförderung der IHK. Die Startup-Förderung ist ein wesentlicher Baustein der Unternehmensförderung, die wiederum zu den zentralen Aufgaben einer IHK gehört. Die IHK Köln hat dafür eine eigene Startup-Unit gegründet, die persönliche Beratung anbietet und dafür beispielsweise auch in Gründerzentren und Coworking-Spaces Sprechstunden ermöglicht. Die wichtigsten Themen dabei sind Finanzierung und Fördermittel, Recht und Steuern, Vernetzung und Internationalisierung. Die Gründungsberaterinnen und -berater werden dabei von den IHK-Fachleuten etwa für Rechtsfragen oder für bestimmte Branchen unterstützt.


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