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Frisch und alles andere als gewöhnlich sind die Angebote beim Street Food Festival. Foto: Street Food Festival
Leben

Von der Hand in den Mund

Street Food wird auch in Köln und der Region immer beliebter

Text: Katharina Hamacher

Den Besuchern, die beim Street Food Festival über das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs in Köln-Ehrenfeld schlendern, ziehen verlockende Düfte von exotischer Vielfalt in die Nase: Ob saftige Arepas-Fladen aus Kolumbien, mexikanische Empanadas, chinesische Dim Sum, Pfannkuchen aus Eritrea, malaiische Laxa-Suppe oder über Holzkohle gegrillter Provolone-Käse aus Norditalien. Vor Klassikern wie dem Barbecue-Truck, der 18 Stunden im Smoker gegarte Rippchen anbietet, oder dem Stand von Turbo Bao aus Taiwan stehen Feinschmecker Schlange.

Die aromatischen Gua Baos sind mit verschiedenen Zutaten wie Zitronengrastofu, Mango und Koriander gefüllte Teigtaschen, die bereits beim ersten Bissen einen „ganzen Mund voll Asien“ bescheren, schwärmt Till Riekenbrauk. Der Kölner kennt jeden Inhaber der etwa 30 Stände, an denen Gastronomen und passionierte Hobbyköche aus aller Welt zu einer kulinarischen Reise rund um den Globus laden. „Die Besucher können sich quer durch die USA nach Afrika, Asien und zurück nach Europa schlemmen“, sagt der 30-Jährige. Gemeinsam mit seinen Freunden Mathes Robel und Vincent Schmidt hat er vor zwei Jahren das Format von Köln aus aufgezogen, das sich längst bis weit über die Grenzen des Rheinlands hinaus als gewinnbringendes Konzept entwickelt hat.

Mehrere Tausend Besucher strömen regelmäßig auf das Gelände von "Jack in the Box", dem ehemaligen Güterbahnhof Ehrenfeld. Demnächst zieht das Festival allerdings um auf das Helios-Gelände im selben Stadtteil, weil der Trägerverein "Jack in the Box" auf ein Gelände in Köln-Bayenthal wechselt, wo nicht genug Platz für die Veranstaltung ist. In rund 25 weiteren deutschen Städten ist das Street Food Festival zu Gast, mehr als 450 Anbieter waren bereits dabei. Die Zielgruppe ist von Studenten über Familien bis hin zu Senioren bunt gemischt. Wer mit Food-Truck oder Pavillon dabei sein möchte, muss einige Kriterien erfüllen: „Unsere Anbieter bereiten authentische Gerichte mit frischen, qualitativ hochwertigen Zutaten vor den Augen der Besucher zu“, sagt Riekenbrauk.

Das Vorbild des Street-Food-Trends, der in internationalen Metropolen wie San Francisco, New York, Paris oder London längst fest zum Stadtbild gehört, hat der Wirtschaftswissenschaftler auf seinen vielen Reisen kennen- und lieben gelernt. „In Asien haben mich die Street-Food-Stände am Straßenrand begeistert. Dort ist die Idee entstanden, dieses hochwertige Imbiss-Konzept nach Köln zu holen. Eine ähnliche Plattform, verschiedene Esskulturen auf einem Fleck zu präsentieren, gab es in Deutschland noch nicht.“ Für den Wirtschaftswissenschaftler, der zehn Jahre lang Erfahrung in der Gastronomie gesammelt hat und sich selbst als Gastronom begreift, steht fest: „Die Zeiten von einfallslosem Fast Food sind vorbei.“ Eine neue Essens-Ära habe Currywurst, Reibekuchen und Fritten rot-weiß abgelöst. „Street Food bedeutet: Lecker statt fade, handgefertigt anstelle von industriell vorfrittiert.“

Kommende Veranstaltungen

Food Market:
Am ersten Novemberwochenende, 5.11. (11-18 Uhr) und 6.11. (11-14 Uhr), veranstaltet die DuMont Livekon einen Food Market auf dem Gelände am Druckzentrum in Niehl. Der Markt soll eine Mischung aus Foodtrucks und Wochenmarkt mit frischen und regionalen Produkten sein. Der Mindestverzehr beträgt 3 Euro.

Street Food Festival:
Die nächsten Termine sind Samstag, 5. November, 12-22 Uhr und Sonntag, 6. November, 12-20 Uhr, auf dem Heliosgelände, DQE-Halle (Halle vom Design Quartier Ehrenfeld), Heliosstrasse 35-37, 50825 Köln. Der Eintritt beträgt 2 Euro.

Diese Entwicklung haben nicht nur die drei Kölner längst erkannt. Prominente TV-Köche wie Tim Mälzer und Mario Kotaska präsentieren Sendungen und Kochbücher rund um das Thema Street Food. Auf vielen öffentlichen Plätzen in der Stadt bieten nicht nur zur Mittagszeit umgebaute Trucks schnelle Leckereien von der Hand in den Mund an. Die Food-Trucks nach amerikanischem Vorbild bieten überwiegend Burger an, die meist auch als vegetarische und vegane Varianten serviert werden.

Das Kölner Unternehmen Nao TAJIMA Eventservice hat den Bedarf erkannt und sich auf den Aus- und Umbau sowie den Verleih solcher Trucks spezialisiert. Der gelernte Mechaniker Nao Tajima kauft Fahrzeuge aus dem Ausland an und verwandelt sie mit viel Liebe zum Detail und einer Menge High Tech zu originellen, voll ausgestatteten Restaurantküchen auf Rädern. Der Bedarf wächst: Catering-Unternehmen wie die renommierte Kaiserschote aus Pulheim oder der Kölner Caterer Catalogna bieten Buffets im Street Food-Style an. Auch Till Riekenbrauk hat sich seine jahrelange Catering-Erfahrung zunutze gemacht und gewinnbringend mit den Kontakten zu den Anbietern des Festivals verknüpft: „Wir vermitteln unsere Stände für private Feiern und Firmenevents. Das Konzept ist dasselbe wie bei den Festivals: Ehrliches, gutes Essen, authentisch von Spezialisten zubereitet. Die Nachfrage ist groß.“

Till Riekenbrauk hat das Street Food Festival mit zwei Freunden aufgezogen.
Foto: Peter Boettcher

Das gilt auch für das außergewöhnliche Restaurant-Konzept, das Till Riekenbrauk vor einem Jahr in Köln entwickelt hat. Im „LADEN EIN“ präsentieren alle zwei Wochen wechselnde Köche aus der Streetfood-Szene ihr Können. Für die inzwischen zahlreichen Stammgäste ist das Angebot eine willkommene Abwechslung und für die Köche eine risikoarme Möglichkeit, den Traum vom eigenen Restaurant auszuprobieren. 

Für den Münchner Food-Blogger Fabio Spennato gilt Köln mit seinen „vielen verschiedenen Events und Konzepten zum Thema“ im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands als sehr attraktives Pflaster für Street Food. Neben dem Street Food Festival lockt beispielsweise das Food-Fest auf der Pferderennbahn im Stadtteil Weidenpesch Besucher an. Neu dabei ist der Food Market von DuMont Livekon (siehe Kasten). Als Erfolgskonzept hat sich auch der Street-Food-Abendmarkt „Meet & Eat“ bewährt, der seit einem Jahr jeden Donnerstagabend von 16 bis 21 Uhr auf dem Rudolfplatz stattfindet.

Nicht nur dort gehören begleitende Getränke zum Angebot. Mobile Barista-Stände wie der des Kölners Olaf Dorgelo bieten hochwertige Kaffee-Spezialitäten an, selbstgemachte Limonaden und Craft-Beer ergänzen die Speisen bei Street-Food-Events. Für Fabio Spennato hat der Trend zu Exotischem auch Schattenseiten. Der Münchner, der seit vier Jahren über Street Food bloggt und die Szene fest im Blick hat, ist bereits mit seinem eigenen Food Truck über diverse Festivals gezogen. Er hat sich auf die Zubereitung neapolitanischer Pizza spezialisiert und kritisiert, dass zunehmend ausgefallene Gerichte gefragt sind: „Mit exotischen Produkten wie Pulled Pork, frittiertem Eis oder Ramen-Burger bekommt man auf einem Street-Food-Event viel Aufmerksamkeit. Da habe ich es mit einer neapolitanischen Pizza sehr schwer, da es Pizza an jeder Ecke gibt. Auch wenn diese ,Pizzen' mit dem Original aus Neapel nichts gemeinsam haben und nach Schuhkarton schmecken.“

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