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Foto: Aliki Monika Panousi
Porträt

Von der Banane zur bunten Vielfalt

Traditionsfirma im stetigen Wandel: Walter Pott.

Text: Georg Watzlawek

Die Walter Pott GmbH in Leverkusen hat sich vom reinen Spezialisten für den Import und die Reifung von Bananen zum vielseitigen Dienstleister in Sachen Lebensmittel entwickelt.

Die Banane ist Deutschlands Frucht schlechthin: Im Wiederaufbau hatte ihr Konrad Adenauer Zollfreiheit verschafft, um die Bevölkerung preiswert zu ernähren. 1989 wurde sie zum Symbol der Grenzöffnung. Immer dicht dran am Zeitgeist war die Walter Pott GmbH in Leverkusen, die nach Kriegsende in Bunkern mit der Bananenreifung begann und in den 90er Jahren half, den Bananenhunger im Osten zu stillen.

Heute konzentriert sich Walter Pott wieder weitgehend auf die Rheinschiene, das Geschäft hat sich grundlegend verändert und umfasst fast die gesamte Wertschöpfungskette. Dabei machen sich die Leverkusener zwei Megatrends zu Nutze: die Biowelle und die Regionalisierung. So können sie sich auf einem schwierigen Markt nicht nur halten, sondern auch wachsen. Auch wenn sie dafür ihre Selbständigkeit aufgeben mussten.

Das Gemüse wird zum Teil immer noch von Hand sortiert.
Foto: Aliki Monika Panousi

Bis 1966 hatte sich die Firma unter Führung von Firmengründer Walter Pott und dessen Sohn Helmut auf die gelbe Frucht aus Ekuador, Kolumbien und Costa Rica konzentriert; erst dann kamen weitere Produkte hinzu, die nicht saisonabhängig sind: Zitronen und Zwiebeln.

Eine neue Ära begann 1995, unter der Leitung von Gründerenkelin Silke Pott und ihrem Ehemann Jürgen Bruch. Sie fanden ein Unternehmen in einer doppelten Abhängigkeit vor: von der Banane und von immer weniger, immer größeren Abnehmern. Daher erweiterte Walter Pott das Sortiment um Saisonfrüchte, aber auch Salat und Gemüse.

„Wir haben uns sehr stark auf die Bedürfnisse der Kunden fokussiert“, erläutert Geschäftsführer Bruch. Konkret: auf den Discount-Markt. Was aber nicht heißt, dass einfache, standardisierte Produkte gefragt sind. Ganz im Gegenteil.

Alleine für seinen größten Kunden liefert Walter Pott Tomaten in sechs verschiedenen Varianten aus. Zwiebeln und Knoblauch gibt es nicht nur in groß und klein, weiß und rot, sondern auch in Mischpackungen. Die Früchte werden (soweit nötig) gereift, in spezielle Träger verpackt, gewogen, ausgepreist und jeden Tag und jede Nacht in die entsprechenden Zentrallager ausgeliefert; „just in time“ ist im Lebensmittelhandel längst angekommen.

Zwar orientiert sich das Unternehmen stark an den Kundenwünschen, es bringt aber selbst immer wieder neue Produktideen in den Markt. Schon vor 14 Jahren, erinnert sich Bruch, habe man sich für eine Wiederentdeckung des Kürbis eingesetzt, seit fünf Jahren ist er wieder voll im Trend. „Die Kunden erwarten von uns absolute Zuverlässigkeit und Qualität, aber auch immer wieder Neuheiten,“ erläutert der Geschäftsführer.

Aktuell sind vor allem regionale Produkte gefragt. „Unsere Abnehmer wollen ganz genau wissen, von welchem Produzenten wir im kommenden Jahr welche Ware liefern werden. Und zwar mit sehr hoher Qualität.“ Dafür entwickelt Walter Pott nicht nur die passenden Schalen, Etiketten und Rezepte, sondern auch die richtigen Früchte.

Viel mehr als Banane: Zum Sortiment gehören inzwischen auch Saisonfrüchte, Salat und Gemüse.
Foto: Aliki Monika Panousi

Im Moment arbeitet das Unternehmen gemeinsam mit seinen Lieferanten an einer Tomate aus dem Rheinland. „Die Verbraucher wollen das ganze Jahr über eine wohlschmeckende Tomate, möglichst aus Deutschland. Dafür zahlen sie auch einen höheren Preis,“ sagt Bruch.

Mit dieser Diversifizierung ist Walter Pott erfolgreich; der Umsatz stieg innerhalb von 20 Jahren von damals 20 auf jetzt rund 75 Millionen Euro. Allerdings stieß Walter Pott schon 2011 an seine Grenzen, alle Flächenreserven waren nach drei Ausbauprojekten auf dem Firmengelände in Leverkusen-Opladen ausgereizt.

Daher entschloss sich die Familie, das Unternehmen an Landgard zu verkaufen, die größte Gartenbau-Genossenschaft Deutschlands. Bruch ist weiterhin Geschäftsführer und kann nun über die Vorteile des Genossenschaftsverbunds verfügen. Das sind nicht nur zusätzliche Lager- und Umschlagflächen, sondern eben auch ein sehr breites Sortiment eigener regionaler Produkte.

Einen großen Aufwand steckt Walter Pott in Qualität der Produkte; eigene Agraringenieure wachen über die Schadstoff-Freiheit. Als eines der ersten der Branche sicherte sich das Leverkusener Unternehmen schon 1997 das Biozertifikat. Ein Viertel aller Bananen stammt derzeit aus biologischem Anbau und wird fair gehandelt. Insgesamt sechs Zertifikate hat sich das Unternehmen inzwischen erarbeitet.

Die Expansion geht weiter, in vergangenen Jahr (2015) stieg der Umsatz um 15 Prozent. Mit Stefan Heine ist seit Oktober ein weiterer Geschäftsführer im Unternehmen, der die Weiterentwicklung mit begleitet. Walter Pott beschäftigt 200 Mitarbeiter und bildet Fachlageristen, Fachkräfte für Lagerlogistik sowie Groß- und Einzelhandelskaufleute aus.

Walter Pott beschäftigt 200 Mitarbeiter und bildet Fachlageristen, Fachkräfte für Lagerlogistik sowie Groß- und Einzelhandelskaufleute aus.
Foto: Aliki Monika Panousi

Für die wichtigsten Positionen im Haus gibt es jedoch keinen Ausbildungsberuf: Die beiden Bananenreifer haben sich über Jahrzehnte hinweg ein ganz besonderes Gespür für die empfindlichen Früchte erarbeitet und kümmern sich rund um die Uhr um die 42 Reifekammern. Hier lagern jeweils Bananen im Wert von 20.000 Euro, die mit dem optimalen Reifezustand ausgeliefert werden müssen.

Die Verantwortung gleicht derjenigen eines Kellermeisters auf dem Weingut; allerdings haben die Reifer nur sieben Tage Zeit. Und sie sind auf eine perfekt eingespielte Lieferkette angewiesen: Die Abnehmer akzeptieren weder grüne noch braune Bananen.

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