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Simon Biela, Matthias Steinforth und Jan Eickmann gründeten bereits als Schüler ihr erstes Unternehmen. Weitere kamen hinzu. Foto: Aliki Monika Panousi
Porträt

Von E113 in die Welt der Wirtschaft

Viele Wege führen zum erfolgreichen Unternehmertum. Simon Biela gründete bereits als Schüler – und unterstützt inzwischen seinerseits Start-ups mit Ideen und Kapital. Auch die IHK Köln bietet im Gründungs- und Startup-Segment ein breites Servicespektrum.

Text: Lothar Schmitz

Lebensmittelzusatzstoffe sind Verbindungen, die Lebensmitteln zur Erzielung chemischer, physikalischer oder auch physiologischer Effekte zugegeben werden. So ist es auf Wikipedia zu lesen. Sie werden beispielsweise eingesetzt, um Struktur, Geschmack, Farbe oder Haltbarkeit verarbeiteter Lebensmittel zu regulieren. Für jeden zugelassenen Stoff vergibt die EU eine E-Nummer.

E113 klingt wie ein solcher Zusatzstoff. Doch auf der entsprechenden Liste sucht man ihn vergebens. Dafür findet man die Bezeichnung in einem Kölner Firmennamen. Geschäftsführer sind Simon Biela und Matthias Steinforth. Der Gedanke allerdings, es könnte sich um ein Chemie- oder Biotech-Unternehmen handeln, führt in die Irre. Wer den Firmennamen verstehen will, muss den beiden Unternehmern in ihre Vergangenheit folgen. In die Jahre 1996-1999.
Damals waren Biela und Steinforth Oberstufenschüler des Gymnasiums Kreuzgasse in Köln. „Das Wort gab’s noch nicht, aber heute würde man uns wohl Computer-Nerds nennen“, erzählt Biela. Sie bauten in der Schule mit Unterstützung ihrer Lehrer einen Computerraum auf und richteten das erste Netzwerk ein. Die Zimmernummer des Computerraums: E113... 1998 entwarfen die beiden gemeinsam mit ihrem Mitschüler Jan Eickmann ein Redaktionssystem für die Website der Schule. Anlass war der EU-/G8-Doppelgipfel in Köln, über den Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums berichten wollten. „Eine Firma aus dem MediaPark unterstützte uns – und kaufte uns später das Redaktionssystem ab“, erinnert sich Biela. „Die 4.000 Mark waren unser Startkapital!“

Studieren? Nein, lieber das Unternehmen aufbauen

Nicht selten führen die Lebenswege nach dem Schulabschluss in ganz unterschiedliche Richtungen. Nicht so bei Biela, Eickmann und Steinforth. Ihnen gab der gute Geist von E113 sozusagen Struktur und Haltbarkeit – ihre enge berufliche Beziehung dauert bis heute an.
Noch vor dem Abi tüftelten die drei Schüler bereits an ihrer nächsten Idee: einer Website für Pizza-Lieferung. Sozusagen einem Vorläufer von Lieferando & Co. Auch damit verdienten sie ein paar Tausend Mark.
Während des Abis und anschließenden Zivildienstes ging es weiter: Sie entwickelten ein Content-Management-System, das sie unter anderem sogar an Bayer verkauften. Es folgte die erste Unternehmensgründung: Netdienste GbR. Bielas Vater drängte darauf, dass der Sohn studiert. „Ich konnte aber einen Deal aushandeln“, berichtet Biela, „ich durfte zwei Jahre lang die Selbstständigkeit ausprobieren, dann würden wir weitersehen.“
Aus Netdienste wurde 2001 die Kernpunkt GmbH, die Zahl der Angestellten nahm zu – „und irgendwann passte es einfach nicht mehr zu studieren“, gibt Biela zu. Stattdessen vertieften sich die Gründer neben der Weiterentwicklung des Produkts in all die Wissensgebiete, die für Unternehmer unerlässlich sind – von Steuerrecht bis Marketing, von Betriebswirtschaft bis Personalentwicklung.

NUK-Businessplan-Wettbewerb hilft Gründerinnen und Gründern weiter

Außerdem nahmen sie mit Erfolg am NUK-Businessplan-Wettbewerb teil. NUK steht für Neues Unternehmertum Rheinland, ein Verein, der Gründerinnen und Gründern hilft, erfolgreiche Unternehmer zu werden. Seit dem Start 1997 gründeten ehemalige NUK-Teilnehmer/innen mehr als 1.300 Unternehmen und schufen dadurch über 9.000 Arbeitsplätze.
Derzeit läuft bereits der 22. Businessplan-Wettbewerb, im Mai startet der 23. Biela weiß nicht mehr, am wievielten Wettbewerb er und seine Kollegen teilgenommen haben. Er weiß aber noch genau: „Das war eine gute und wichtige Erfahrung, die uns weitergebracht hat!“ Heute wie damals erhält jedes Team, das seinen Businessplan einreicht, zwei ausführliche schriftliche Rückmeldungen. Die NUK-Experten setzen sich detailliert mit jedem Konzept auseinander und geben konstruktives, kritisches Feedback und Tipps für den Geschäftserfolg. Zu diesen NUK-Experten gehört auch das Team von der Startup-Unit der IHK Köln. „Die IHK ist Partner und Sponsor von NUK, weil wir den Beitrag, den NUK für die Gründungslandschaft in der Region Köln leistet, für unverzichtbar halten. Vor allem die Wettbewerbe bieten angehenden Unternehmern und Unternehmerinnen einen echten Nutzen“, begründet Mathias Härchen, Leiter Unternehmensförderung der IHK Köln, deren NUK-Engagement.

IHK bietet umfangreichen Service für Gründerinnen und Gründer

Die Unterstützung von NUK ist nur eines von vielen Engagements der IHK Köln in Sachen Start-ups und Gründung. Sie begleitet Gründungsinteressierte mit Informationen, Beratung und verschiedenen Veranstaltungs- und Netzformaten von der Frühphase vor der Gründung bis zur Wachstumsphase in den Monaten und ersten Jahren nach der formalen Gründung.
Die IHK nimmt zum Beispiel Bewerbungen für das Gründerstipendium.NRW entgegen. Innovative Gründerinnen und Gründer können bis zu einem Jahr lang 1.000 Euro monatlich erhalten. „Die Bewerbung lohnt sich“, wirbt Petra Göbbels, Gründungsberaterin der IHK Köln, „ungefähr jeder Zweite nimmt die Hürden und kommt in den Genuss der finanziellen Unterstützung.“ Zudem profitieren die Teilnehmer davon, sich durch individuelles Coaching begleiten zu lassen.
Ein Schwerpunkt des IHK-Angebots sind die vielen Informations- und Netzwerkveranstaltungen. Sie reichen vom Gründungskompass über die Finanzierungssprechtage mit Experten der NRW.Bank bis zu Spezialveranstaltungen wie „Investor Ready“.
Personen, die eine eigene Existenz auf der Übernahme eines bestehenden Unternehmens aufbauen möchten, sind ebenfalls bei der IHK richtig. Der IHK-Nachfolge-Pool hilft hier ebenso weiter wie die Nachfolge-Börse nexxt-change, die vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mitbetrieben wird.
„Kleine und mittlere Betriebe in der Wachstumsphase können sich ebenfalls an uns wenden“, sagt Petra Göbbels. Die IHK kennt mehrere Fördertöpfe, aus denen junge Unternehmen, wenn sie die Kriterien erfüllen, schöpfen können, wenn sie ihren Betrieb strategisch weiterentwickeln wollen. Es gibt beispielsweise Beratungskostenzuschüsse, wenn es um mehr Kundenorientierung, die Sicherung der Qualität, die Erschließung neuer Märkte oder die Fachkräftesicherung geht.

Nicht stehenbleiben, sondern Neues entwickeln

Unterstützung ist das eine, Erfahrung das andere. „Wir hatten in den ersten Jahren das Glück, immer wieder auf interessante Menschen zu stoßen, die uns als Mentoren ein Stück des Weges begleitet haben“, erzählt der Kölner Unternehmer Simon Biela.
So wuchs das Unternehmen, die Kernpunkt GmbH, immer weiter, die Zahl der Beschäftigten erreichte zwischenzeitlich 100. „Wir hatten tolle Erfolge, mussten Niederlagen einstecken, haben vieles richtig, aber auch 1.000 Fehler gemacht“, sagt Biela, „das hat uns geformt.“
Dann suchte Biela neue Herausforderungen. Jan Eickmann übernahm alleine die Geschäftsführung bei Kernpunkt, Biela und Steinforth gründeten eine Holding. Unter dem Dach agiert die Kernpunkt, aber es bietet auch Raum für Neues. Mit E113 konzipieren, entwickeln und gründen die beiden und ihr Team gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Mittelstand neue digitale Unternehmen und Geschäftsmodelle. Zum Beispiel „Durst“, einen Online-Marktplatz für Getränkelieferungen, und „taod – The Art of Data", ein Start-up, das sich ganz der Datenanalyse und -auswertung in Zeiten von Big Data widmet.
Ihren Wurzeln sind sie dabei treu geblieben: 20 Jahre nach ihrer Schulzeit ziehen Biela, Steinforth und Eickmann immer noch an einem Strang – und ihre Holding haben sie E113 Beteiligungsgesellschaft mbH getauft, in Erinnerung an den Raum, in dem alles begann.

Unternehmensgründung und Start-ups…

…sind ein Kernanliegen der IHK Köln. Der Service umfasst Erstberatung, zahlreiche Veranstaltungen und Bildungsangebote für Gründerinnen und Gründer, ausführliche Informationen im Internet sowie Netzwerke rund um Gründen und Start-ups.

Kontakt:
Petra Göbbels, Geschäftsbereich International und Unternehmensförderung, Tel. 0221 1640-1572, petra.goebbels@koeln.ihk.de

Mathias Härchen, Leiter Unternehmensförderung, Tel. 0221 1640-1571, mathias.haerchen@koeln.ihk.de

Weitere Infos auf der Webseite der IHK Köln im Bereich "Gründung". 

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