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Foto: Ulrich Kaifer
Porträt

Von Buckelmesser bis Milchwächter

Text: Sabina Janssen

1872 eröffnete in Köln-Ehrenfeld „Fassbender“ und stattete fortan die Kölner mit Gebrauchsgütern aus. Heute heißt das Geschäft „gut & schön“, und Dinge für den täglichen Bedarf in Haus und Garten gibt es hier noch immer.

191 Schubladen. Eine jede gerade mal so groß wie ein halber Schuhkarton, und eine jede für eine Überraschung gut. Aufblasbare Kleiderbügel in der einen Lade, Filzgleiter in der nächsten. Osterhasen-Figürchen wohnen neben Ananas-Schneidern, Fleisch-Thermometer neben Sahne-Patronen, Buckelmessern und Milchwächtern.

Herrin der Schubfächer ist Christel Fassbender. Und sie weiß genau, was in jedem einzelnen Kästchen zu finden ist und wozu es dient: Mit Buckelmessern streicht man Butter aufs Brot, Milchwächter sorgen als Topfdeckelersatz dafür, dass die Milch nicht überkocht.

1872 eröffnete die Familie Fassbender in Köln-Ehrenfeld ein Handelshaus. Christel Fassbender setzt mit "gut & schön" die Familientradition fort.
Foto: Ulrich Kaifer

Der Schrank mit den 191 Laden steht in Christel Fassbenders Geschäft „gut & schön“ in Köln-Ehrenfeld, und er begleitet die 54-Jährige schon ihr Leben lang. Angeschafft hat ihn ihr Großvater in den vierziger Jahren. Hinein kamen Schrauben und Muttern der unterschiedlichsten Größen. Ein jedes Schräubchen konnten die Kölner im damals bereits existierenden Handelshaus Fassbender einzeln kaufen. Ebenso wie all das andere, was ein solider Haushalt eben so brauchte – von Pfannen und Töpfen über Besteck und Porzellan bis hin zu Messinghaken, Butterstempeln, Kaffeemühlen oder Leinendeckchen für den feinen Tisch. Schon damals war das Geschäft eine Institution im Veedel. Denn seit 1872 stattete „der Fassbender“ gutbürgerliche Küchen mit Dingen des täglichen Gebrauchs aus.

Einkoch-Seminar, Weinverköstigung und Online-Handel

Christel Fassbender führt die Tradition der Familie seit 1989 fort. Nach einigen Jahren familienbedingter Unterbrechung eröffnete sie 2013 das Geschäft als „gut & schön“ wieder. Der Schubladen-Schrank, der zwischenzeitlich im Restaurant „Zeit der Kirschen“ seine Dienste leistete, ist im neuen Domizil in der Wahlenstraße jetzt wieder Mittelpunkt und Blickfang. „Domizil“ nennt Christel Fassbender selber ihr Geschäft um klar zu machen, dass es um mehr geht als einen stationären Laden. „Denn alleine mit Stamm- und Laufkundschaft, die hier im Laden einkauft, lässt sich der notwendige Umsatz nicht mehr erzielen“, beschreiben Fassbender und Wolfram Burgtorf, seit 2014 ihr Geschäftspartner, das Problem, das viele kleinere, kreative, spezialisierte und inhabergeführte Geschäfte haben. Deshalb gibt es bei gut & schön auch Seminare rund ums Einkochen, Weinverköstigungen, Sortiments-Kooperationen mit weiteren Läden und den Ausbau des Online-Verkaufs.

Den Online-Handel sind Fassbender und Burgtorf mit „SugarTrends“ angegangen. Die Kölner SugarTrends GmbH hat es sich zum Ziel gesetzt, die schönsten Ladengeschäfte auf einer Onlineplattform zusammenzubringen. Nur inhabergeführte, unabhängige Geschäfte mit eigenem Ladenlokal, besichtigt und für gut befunden durch Trend-Scouts von SugarTrends, werden aufgenommen. „Zudem achten wir darauf, dass eine langfristige Kundenbindung angestrebt wird und die Produkte neben individuellen Komponenten auch ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis haben“, erzählt Tim Lagerpusch, einer der Geschäftsführer. Aufgesetzt ist das Ganze als weltweite Plattform, wenn auch der Schwerpunkt derzeit noch auf Deutschland - und da auf Köln - liegt. Momentan sind bei SugarTrends rund 190 lokale Einzelhändler aus über 40 Städten in 20 Ländern gelistet.

Veedel lebendig halten

Noch hat die Teilnahme an der SugarTrends-Plattform für „gut & schön“ keine messbare Umsatzsteigerung gebracht, aber die Geschäftspartner glauben an das Konzept der zunehmenden Vernetzung und Ausweitung der Vertriebswege, um neben Filialisten und großen Warenhäusern zu bestehen. „Etwas mehr Unterstützung durch Politik und Verwaltung wäre allerdings schön“, sagt Christel Fassbender. „Denn schließlich tragen wir auch erheblich dazu bei, die Veedel lebendig zu halten und das Stadtbild zu bereichern“.

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