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Blickpunkt

Völkerverständigung und Wirtschaftskontakte

Sie entstanden einst aus dem Gedanken der Völkerverständigung: Städtepartnerschaften. Köln hat 22, Leverkusen neun. „IHKplus“ zeigt an einigen Beispielen, wie sehr dieser Austausch auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit stärken kann.

Text: Lothar Schmitz

Für wahre Kölnerinnen und Kölner reicht die Welt von Worringen bis Libur und von Lindenthal bis zum Königsforst. Die Globetrotter unter ihnen ziehen die Grenzen etwas weiter – und können immerhin fünf Kontinente bereisen, ohne dabei ihre Heimatstadt ganz aus dem Blick verlieren zu müssen.: von Barcelona bis Rio de Janeiro, von Istanbul bis Kyoto, von Indianapolis bis Wolgograd. Seit 2015 gibt es sogar einen „Marco Polo“-Reiseführer zu den 22 Metropolen (s. Infokasten), die alle etwas gemeinsam haben. Der Reiseführer, 120 Seiten dick, heißt „Kölner Partnerstädte“.

Die älteste der 22 Partnerschaften besteht mit Liverpool, sie begann 1952, nur sieben Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs. „Versöhnung mit den ehemaligen Feinden, Völkerverständigung, Demokratie – diese Gedanken standen im Mittelpunkt der ersten Städtepartnerschaften“, erzählt Frieder Wolf, Leiter des Bereichs Europa und Internationales der Stadt Köln. Auch die jüngste Städtepartnerschaft zwischen Köln und Rio de Janeiro – 2011 vereinbart – fußt auf dem Gedanken der Völkerverständigung. „Unser wichtigstes Ziel ist, dass sich die Bewohner beider Städte besser kennen lernen“, heißt es auf der Website des Köln-Rio-Städtepartnerschaftsvereins.

Dass Köln so viele Partnerstädte hat, begründet Wolf auch mit der kulturellen Vielfalt in Köln selbst. „Hier leben Menschen aus über 180 Nationen friedlich miteinander. Köln ist international, da sind Partnerschaften mit Städten in aller Welt nur folgerichtig.“

Gelebt und gepflegt werden alle diese Städtepartnerschaften in unterschiedlicher Intensität und mit wechselnden Prioritäten. Das Spektrum reicht vom fachlichen Austausch in wichtigen kommunalen Handlungsfeldern, der inzwischen den Hauptteil der städtischen Aktivitäten bildet, über das vielfältige bürgerschaftliche Engagement der Partnerschaftsvereine und Schüleraustausche bis zu gegenseitigen Besuchen von Sport- und Kulturvereinen. Regelmäßig, insbesondere zu Partnerschaftsjubiläen oder anlässlich wichtiger Kooperationsvorhaben, reisen zudem offizielle Delegationen aus Köln in die jeweilige Partnerstadt, in diesem Jahr zum Beispiel nach Corinto/El Realejo, Klausenburg, Rio de Janeiro, Peking, Istanbul, Tel Aviv und Rotterdam. Nicht selten ist die Oberbürgermeisterin selbst dabei. Umgekehrt kommen regelmäßig hochrangige Delegationen aus den Partnerstädten nach Köln.

Den Mittelstand mit der Welt vernetzen

Eine weitere Dimension zumindest einiger dieser Städtepartnerschaften sind Wirtschaftskontakte. Hier kommt die IHK Köln ins Spiel. „Eines unserer wichtigen Ziele ist es, die Firmen in unserem IHK-Bezirk mit der Welt zu vernetzen“, betont Alexander Hoeckle, IHK-Geschäftsführer Internationales und Unternehmensförderung. Dazu nutzt die IHK verschiedene Instrumente – unter anderem auch das Vehikel der Städtepartnerschaft. „Sie bieten eine gute Möglichkeit, mittelstandsfreundliche Kontakte zu knüpfen“, sagt Andreas Schäfer, stellvertretender Geschäftsführer im Team Internationales und Leiter Außenwirtschaftsberatung.

Der Vorteil für Kontakte: Die Wege sind meist schon geebnet, es bestehen Arbeitsbeziehungen zwischen den Kommunen, die IHK Köln kann zudem das weltweite Netz der Auslandshandelskammern nutzen. Frieder Wolf von der Stadt Köln weiß: „Die etablierten Beziehungen zwischen Köln und seinen Partnerstädten sind oft ein Türöffner und erleichtern Kontakte. Wer sie nutzt, muss nicht bei null anfangen.“

Ohne Weltreise in die 22 Partnerstädte Kölns…

…das geht am 6. Oktober. Dann veranstaltet die CologneAlliance Gesellschaft zur Förderung der Städtepartnerschaften der Stadt Köln e.V. ihren jährlichen „Renntag Kölner Partnerstädte“ auf der Trabrennbahn in Weidenpesch.

Tel Aviv und Köln: Verknüpfte Start-up-Standorte

Klar ist allerdings auch: Nicht die Städtepartnerschaften sind Anlass für Wirtschaftskontakte, sondern vielversprechende Märkte. Oft lenken aber die Partnerschaften den Blick auf wirtschaftliche Anknüpfungspunkte. Beispiel Tel Aviv: „Die Stadt hat weltweit einen exzellenten Ruf als Startup-Hotspot“, erzählt Alexander Hoeckle, „davon kann Köln als einer der wichtigsten deutschen Startup-Standorte enorm profitieren.“ Deshalb regte die IHK eine Vernetzung der Startup-Szenen beider Städte an. Ein Beispiel dafür: die vereinbarte Kooperation mit dem Startup-Inkubator „Sosa“ in der israelischen Partnerstadt.

Reinhold M.W. Strnat (Mitte), Leiter der Niederlassung Indianapolis der Kölner MAGNET-PHYSIK Dr. Steingroever GmbH, organisiert offizielle Delegationsbesuche und inoffiziellen Austausch zwischen den Städten. Von Köln aus fördern CEO Peter Ulrich und Sales Managerin Christiane Wirtz den Austausch.
Foto: Peter Boettcher

Infos über Auslandsmärkte

Wie sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Zielland, was muss man bei Geschäften beachten, wer sind die richtigen Ansprechpartner? Die IHK Köln bietet ihren Mitgliedsunternehmenkompakte, aktuelle Auslandsinformationen zu ihren Schwerpunktländern Greater China, Mongolei, Vietnam, Türkei und Kasachstan, aber auch zu anderen wichtigen Märkten.

www.ihk-koeln.de/Markterschliessung.AxCMS

Peking, Istanbul, Indianapolis: IHK fördert Wirtschaft-Kooperationen

Von starker wirtschaftlicher Bedeutung sind auch die Kontakte zu Kölns chinesischer Partnerstadt Peking. „Auf diese Wirtschaftskooperation sind wir stolz“, sagt Hoeckle, „beide Seiten profitieren von den vielen Kontakten und dem Austausch.“ Bei dieser Städtepartnerschaft spiele Wirtschaft eine so wichtige Rolle, erklärt er, dass sie bei jedem Treffen der beiden Oberbürgermeister ein eigener Tagesordnungspunkt sei. Der nächste direkte Kontakt ist bereits terminiert: Im September kommt der Oberbürgermeister Pekings nach Köln – samt einer Delegation von Unternehmern.

Istanbul und die Türkei liegen der IHK ebenfalls am Herzen. Von den 16 IHKs in Nordrhein-Westfalen hat sich die IHK Köln unter anderem auf diesen wichtigen Markt spezialisiert, sie
pflegt umfangreiche und enge Kontakte. Nächste Initiative ist eine Unternehmerreise nach Istanbul (s. Infokasten).

Eine weitere Partnerstadt mit „I“: Indianapolis. „Die US-amerikanische Stadt ist verstärkt an wirtschaftlichen Kooperationen interessiert“, berichtet Hoeckle, „und umgekehrt sehr interessant für Unternehmen aus unserem IHK-Bezirk.“ Erst vor wenigen Wochen fand dort die „Indiana-Germany Business Conference“ statt. Die Einladung dazu zierte auch das Logo „Sisters Cities Indianapolis Cologne“.

Einer, der sich für diese Städtepartnerschaft starkmacht, ist Reinhold Strnat. Der Niederlassungsleiter der Kölner MAGNET-PHYSIK Dr. Steingroever GmbH in Indianapolis engagiert sich im „Indianapolis-Cologne Sister City Partnership Committee“ und sorgte schon für wechselseitige Besuche offizieller Delegationen, aber auch den Austausch etwa von Feuerwehrleuten.

„Ich finde den Austausch der Kulturen wichtig“, begründet er sein Engagement. Für das Unternehmen, das sich auf Magnetisier- und Messtechnik spezialisiert hat, sind die USA der zweitwichtigste Auslandsmarkt nach Europa. Die Vertriebsniederlassung in Indianapolis bedient die Märkte USA, Kanada und Mexiko mit Produkten, aber auch technischer Unterstützung. Dass die Geschäfte laufen, hat nichts mit der Städtepartnerschaft zu tun. „Aber die zusätzlichen Kontakte, die sich aus der Partnerschaft ergeben, sind immer gut“, findet Strnat.

Unternehmerreise Istanbul

Für Kurzentschlossene: Noch können sich Unternehmen für eine Reise in Kölns Partnerstadt Istanbul anmelden, die vom 20. bis 22. Juni stattfindet. Zum Programm gehört eine Kooperationsbörse mit potenziellen Vertriebspartnern und Lieferanten, die nach den individuellen Anforderungen der Teilnehmer ausgewählt werden. Im Rahmen der Arbeitsteilung der NRW-IHKs ist die IHK Köln unter anderem auf den türkischen Markt spezialisiert. Auch diese Reise findet auf Initiative der IHK Köln statt.

Rechtsanwältin Rafaela Wilde, als Honorarkonsulin der Niederlande ehrenamtlich engagiert, setzt sich mit Alexander Hoeckle (IHK) für Vernetzung und Zusammenarbeit der Kölner Wirtschaft mit Rotterdamer Unternehmen und Institutionen ein.
Foto: Peter Boettcher

Rotterdam und die Kölner Gesundheitswirtschaft

Wesentlich kürzer ist der Weg nach Rotterdam, Kölns Partnerstadt in den Niederlanden. „Zwischen den beiden Städten bestehen sehr gute Beziehungen und ein intensiver Austausch“, betont Rafaela Wilde. Die Rechtsanwältin und Partnerin der Kölner Anwaltskanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE engagiert sich ehrenamtlich als Honorarkonsulin des Königreichs der Niederlande. Erst im April war sie gemeinsam mit IHK-Auslandschef Alexander Hoeckle in Rotterdam. Anlass: ein Treff en mit der dortigen Wirtschaftsförderung, ein Besuch des Erasmus-Klinikums sowie ein Besuch des Life Sciences & Health Hub. „Das Klinikum ist eines der modernsten in Europa und in Sachen Digitalisierung weit fortgeschritten“, berichtet Hoeckle. „Wir haben Anknüpfungspunkte für eine stärkere Zusammenarbeit der Kölner Gesundheitswirtschaft mit Rotterdamer Unternehmen und Institutionen ausgelotet.“

Rafaela Wilde liegt sehr viel an engen Beziehungen zwischen Deutschland und den Niederlanden, zwischen Köln und Rotterdam. „Die EU steht vor großen Herausforderungen“, sagt sie, „deshalb ist es umso wichtiger, eng mit unseren Nachbarn zusammenzuarbeiten.“ Als Honorarkonsulin trägt sie das ihre dazu bei. „Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern mit Leben zu füllen und zu intensivieren, sehe ich als meine wichtigste Aufgabe an“, betont sie. Die Städtepartnerschaft sei ein wichtiges Instrument dazu.

Newsletter International

Die IHK Köln gibt wöchentlich einen Newsletter International heraus. Dieser bietet stets aktuelle Informationen zu: Außenwirtschaft, Länder und Märkte, Zollverfahren und Veranstaltungen.

Infos und Anmeldung: www.ihk-koeln.de/7278

Leverkusen, Wuxi und die Wirtschaft

Viele Kommunen im IHK-Bezirk Köln pflegen Partnerschaften mit Gemeinden in anderen Ländern. Nicht alle spielen eine wirtschaftliche Rolle. Im Fall der Städtepartnerschaft Leverkusen–Wuxi allerdings ist es sogar umgekehrt: Zuerst gab es Wirtschaftskontakte, daraus wurde eine formelle Wirtschaftskooperation, die inzwischen seit fünf Jahren besteht. Auf dieser Basis wiederum entstand die heutige Städtepartnerschaft mit der chinesischen Stadt.

„Treiber für die Wirtschaftskooperation war im Grunde das dortige Werk von Lanxess“, erzählt Dr. Frank Obermaier, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Leverkusen GmbH. Inzwischen gibt es auch eine Kooperation mit der pharmazeutischen Fakultät der Hochschule in Wuxi sowie Kontakte zwischen Schulen in Leverkusen und Wuxi. Zudem sind immer wieder Delegationen aus Leverkusen zu Besuch in Wuxi und umgekehrt. Auch die beiden Wirtschaftsfördergesellschaften arbeiten zusammen und informieren sich gegenseitig, etwa wenn Firmen sich mit dem Gedanken tragen, in der jeweiligen Partnerstadt zu investieren.

Städtepartnerschaften im IHK-Bezirk

Die Liste der Partnerstädte Kölns reicht vom spanischen Barcelona über Corinto/El Realejo in Nicaragua und das irische Cork bis nach Kattowitz in Polen; von Tel Aviv-Yafo in Israel bis hin zum tunesischen Tunis oder Wolgograd in Russland. Auf der Internetseite der Stadt Köln findet sich eine Liste aller Partnerstädte.

Auch Leverkusen pflegt Partnerschaften zu anderen Städten: Von Bracknell in Großbritannien über Chinandega in Nicaragua oder Oulu in Finnland bis hin zum chinesischen Wuxi. Mit La Roche-sur-Yon in Frankreich ist Gummersbach verbunden. Und der Rhein-Erft-Kreis ist eine Partnerschaft mit der Region Morbihan in der französischen Bretagne eingegangen.

Schwerpunkt-IHKs und Auslandshandelskammern

Innerhalb der deutschen IHKs sind die Schwerpunkte für einzelne Länder der Welt verteilt, so dass Informationen sowie Veranstaltungshinweise jeweils gebündelt werden. In allen wichtigen Zielmärkten gibt es dann deutsche Auslandshandelskammern, die Firmen individuell beraten.

www.ahk.de

Erster Ansprechpartner für die hiesigen Unternehmen ist jedoch stets die IHK Köln, die bei Bedarf gerne weitervermittelt.

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