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Forschung mit und für die Wirtschaft: Vicky Bartz-Henke mit ihrem Kollegen Dr. Bert Geyer im COPT Zentrum für Organische Elektronik der Universität zu Köln. Foto: Olaf-Wull Nickel
Blickpunkt

Viel Potenzial für die Praxis

Wissenschaft und Wirtschaft – in kaum einer Region sind sie so eng verflochten wie in Köln und Umgebung. Die Bedeutung der Hochschullandschaft für die Unternehmen ist enorm, und die Zahl der Kooperationen nimmt immer weiter zu, ob in Forschung, Entwicklung oder Lehre. Das zeigen auch eindrucksvolle Beispiele aus der Praxis.

Text: Werner Grosch

Ist das hier ein Unternehmen? Ein Forschungsinstitut? Ein Entwicklungslabor? Klar ist: Wir befinden uns in Räumen der Universität zu Köln. Deren bis ins Spätmittelalter zurückreichende Geschichte ist hier nicht spürbar, aber dafür vielleicht ihre Zukunft. Das COPT Zentrum für Organische Elektronik liegt ziemlich zentral an der Luxemburger Straße in Köln. 2015 wurde es eröffnet, und seither steht es wie kaum eine andere Einrichtung der Universität für die direkte Kooperation mit der Wirtschaft. Mehr noch: „Wir wollen von Unternehmen ernst genommen werden, daher wollen und müssen wir auch die Denkweise von Unternehmen verinnerlichen“, sagt Dr. Stephan Kirchmeyer, der beim COPT Zentrum für Marketing und Vertrieb verantwortlich ist.

Das Zentrum bietet Unternehmen, ganz besonders auch kleineren, einzigartige Möglichkeiten für Entwicklungen auf dem Feld der Organischen und der Gedruckten Elektronik. Bekanntestes Beispiel aus diesen Disziplinen sind so genannte Organische LEDs, kurz OLED. Das sind lichtabstrahlende Elemente, die in sehr dünnen Schichten erzeugt werden können und die sehr flexibel sind, weshalb sie heute besonders häufig in TV-Geräten, Monitoren oder Smartphones eingebaut werden.

OLED sei schon heute ein Riesen-Markt mit einem Umsatz von jährlich rund 25 Milliarden Dollar, erklärt Dr. Kirchmeyer. Und so langsam wächst das Spektrum der Anwendungen: Kürzlich kamen mit dem BMW M4 GTS und dem Audi TT RS die ersten Autos mit OLED-Rückleuchten auf den Markt. Die Organische und die Gedruckte Elektronik bieten unzählige Möglichkeiten, von Lampen und Sensoren über Solarzellen bis hin zu Schaltungstechnik, die komplett aus dem Drucker kommt. Und das macht sie für viele Unternehmen interessant, gerade auch für innovationsfreudige kleine Start-ups. Doch da gibt es ein Problem: „Schon für die ersten Versuche braucht man entsprechende Maschinen. Aber die sind teuer, und so fangen viele gar nicht erst an“, sagt Kirchmeyer.

12 Millionen Euro in Zentrum für Organische Elektronik investiert

Mit Unterstützung des Landes konnten in das COPT Zentrum 12 Millionen Euro investiert werden – in das Gebäude und den umfangreichen Maschinenpark, den Kirchmeyer lieber eine Prozessplattform nennt. Denn hier ist vom Praxistest einzelner Bestandteile bis zur Messung und Prüfung alles möglich, technologische Beratung und persönliche Unterstützung inklusive. Kein Wunder also, dass das COPT Zentrum bei Unternehmen von Anfang an auf großes Interesse stieß. Mehrere kleine Start-ups haben sich eingemietet, mit größeren Unternehmen wie dem Kölner Vakuumpumpenhersteller Leybold bestehen Kooperationen. Kirchmeyer bringt den Ansatz auf den Punkt: „Wir wollen Wissenschaft für die Industrie nutzbar machen.“

Eine Universität, der Freiheit der Wissenschaft verpflichtet, hätte das vor einem Jahrzehnt vielleicht noch vorsichtiger formuliert. Doch die Offenheit für Unternehmen ist seither gewachsen, die Vorbehalte sind deutlich geschrumpft. Das hat wohl auch viel damit zu tun, dass die Interessen der Wirtschaft auch mehr als das gesehen werden, was sie meist sind: Interessen der Gesellschaft insgesamt. Unternehmen und Forschungseinrichtungen kooperieren zum Wohle aller.

Das ist natürlich ein Idealbild, aber eben auch die konkrete Zielsetzung der Transferstrategien, die in Köln nicht nur die Universität, sondern ganz intensiv auch die Technische Hochschule verfolgt. Vor zwei Jahren gab sich die Fachhochschule Köln diesen neuen Namen, und das verbunden mit einer neuen Ausrichtung: „Wir möchten Wissenschaft wirksam machen für Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft“, versprach damals Prof. Dr. Klaus Becker, Vizepräsident für Forschung und Wissenstransfer der Hochschule.

Hochschulen öffnen sich für die Wirtschaft

Im Interview mit „IHKplus“ (siehe unten) bekräftigt er heute diesen Anspruch: „Wir sehen an unseren Fakultäten in Gummersbach oder Leverkusen, wie viel Potenzial in der Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft liegt und welche Vorteile dies auch für die regionale Standortentwicklung hat.“ Es ist kein Zufall, dass Prof. Beckers Motto doch sehr stark dem Leitbild ähnelt, das Dr. Kirchmeyer für das COPT formuliert hat. Beide stehen für enge Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. An einer einzigen Zahl lässt sich das in Bezug auf die TH schon deutlich machen: Von den jährlich rund 3.000 Absolventen kooperieren 80 Prozent bei ihrer Bachelor- oder Masterarbeit mit einem Unternehmen oder einer Institution. Und auch im Bereich der Forschung sucht die TH den Schulterschluss mit der Industrie und auch mit kleineren technologiegetriebenen Unternehmen aus der Region.

Beispiel eepos: Das junge Unternehmen aus dem oberbergischen Wiehl hat einen ultraleichten Schwenkkran aus Kohlefaserverbundstoff auf den Markt gebracht, der heute unter anderem in der Autoindustrie sehr gefragt ist. Bei der Entwicklung arbeitete die eepos GmbH eng mit der TH zusammen, wie Geschäftsführer Timo Koch erklärt: „Wir hatten zu Beginn der Zusammenarbeit einen klaren Einsatzzweck für ein ultraleichtes Kranprofil vor Augen und das Wissen, was ein Kranprofil in der Praxis leisten muss. Prof. Dr. Blaurock und sein Institut für Allgemeinen Maschinenbau an der TH Köln haben dann mit sehr viel Grundlagenarbeit und umfangreichen Rechenmodellen zur Entstehung des Produktes beigetragen.“ Diese gute Erfahrung habe eepos darin bestärkt, weiter mit wissenschaftlichen Instituten zusammenzuarbeiten.

Geschäftsführer Timo Koch von der eepos GmbH aus Wiehl mit dem ultraleichten Kran, den das Unternehmen gemeinsam mit der TH Köln entwickelte.
Foto: Olaf-Wull Nickel

Ähnlich positiv ist die Erfahrung des Kölner Bauunternehmens Strabag, das im Forschungsprojekt „OBAS“ mit der TH Köln und auch der TU Darmstadt kooperierte. Dabei geht es darum, die Oberflächen von Asphaltstraßen zu optimieren und sie so haltbarer und griffiger zu machen. „Dank ihrer langjährigen Erfahrung in Fragen der Asphalttechnologie und in der Entwicklung mobiler Arbeitsmaschinen konnten sie den Konsortiumspartnern wichtige Erkenntnisse und Empfehlungen liefern, um die Maschinentechnik für den Einbau verschiedener Mischgüter zu optimieren“, erklärt das Unternehmen.

Offenes Projekt zur Wasserversorgung

Noch viel weiter gefasst ist der Transferbegriff im neuen Projekt von Prof. Thomas Bartz-Beielstein, dessen Forschungsgruppe „SpotSeven“ schon seit Jahren mathematische Modelle für die Optimierung von Industrieprozessen entwickelt. Jetzt hat sich der Dozent für angewandte Mathematik am Campus Gummersbach der TH Köln das Thema Wasserversorgung vorgenommen. Im Projekt „OWOS“ sollen neuartige Anwendungen zur Überwachung, Analyse und Optimierung von Trinkwassernetzen entwickelt werden.

Das Vorhaben soll Antworten auf zentrale Fragen geben: Wie kann bei der Zunahme von Extremwetterlagen durch den Klimawandel die Trinkwasserhygiene sichergestellt werden? Wie können Trinkwasserversorger ihre Prozesse energie- und ressourceneffizient steuern? Dafür ist vor allem der Einsatz von Sensoren im Wassersystem wichtig. „Das Thema ist auf vielfältige Art und Weise für Unternehmen interessant. Ein Beispiel: Um die Sensoren ins Wasser zu bringen, sind Schutzgehäuse erforderlich. Diese könnten mithilfe von 3-D-Druckern hergestellt werden. Hier wäre die Entwicklung einer Low-Cost-Variante interessant, so dass ein Sensor-Kit zur Verfügung steht. Eventuell kann dies vermarktet werden“, sagt der Mathematiker.

Mathematiker Prof. Thomas Bartz-Beielstein mit seinem Team an der TH Köln, Campus Gummersbach.
Foto: Olaf-Wull Nickel

Die gesammelten Daten müssen natürlich übertragen, gespeichert und ausgewertet werden. Dafür sind wiederum Partner aus dem IT-Bereich notwendig. Bartz-Beielstein steht deshalb auch mit Unternehmen wie dem Sensorhersteller Endress+Hauser und dem IT-Spezialisten OPITZ CONSULTING Deutschland GmbH in Gummersbach in Kontakt. Außerdem sind weitere TH-Institute und mehrere andere Forschungslabore an OWOS beteiligt, das als Open-Source-Projekt angelegt ist.

Ähnlich breit war die Beteiligung schon beim TH-Projekt „Digitales Viertel“, geleitet von Prof. Simone Fühles-Ubach, Dekanin der Fakultät für Informations- und Kommunikationswissenschaften. Die Grundfrage war, wie sich die digitalen Möglichkeiten des Online-Marketings und der mobilen Kommunikation für den eingesessenen Einzelhandel vor Ort nutzen lassen. An dem kürzlich abgeschlossenen Projekt waren neben örtlichen Händlern unter anderem die REWE Group und das Medienunternehmen Greven beteiligt.

Ab 2020 neuer Campus Leverkusen in Betrieb

In vielen Instituten der TH gibt es also einen regen Austausch mit Unternehmen. Auch die erst 2009 gegründete TH-Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften kooperiert schon heute intensiv mit der Wirtschaft. Die Nähe zur Industrie am heutigen Standort im Leverkusener Chempark ist dafür von Vorteil. Nicht von ungefähr steuern Bayer und Lanxess zum Neubau in Opladen, der im Frühjahr begonnen wurde, jeweils 500.000 Euro bei. Ende 2020 soll hier der Lehr- und Forschungsbetrieb im Bereich Pharmazeutische Chemie aufgenommen werden. Der Leverkusener Oberbürgermeister Uwe Richrath sieht darin einen großen Gewinn für die Stadt: „Schon jetzt ist die Fakultät der TH Köln hier in Leverkusen ein Erfolg. Die hier ansässigen Betriebe der chemischen Industrie haben ein großes Interesse an den qualifizierten Studentinnen und Studenten des Campus Leverkusen.“

So soll der neue Campus Leverkusen der Technischen Hochschule Köln aussehen.
Foto: augustinundfrankarchitekten, Berlin _ Montage: Eva Josat, TH Köln

Die Universität zu Köln ist eine der größten Universitäten Deutschlands, die TH die größte Fachhochschule – naturgemäß gibt es hier die vielfältigsten Verbindungen zur Wirtschaft. Darüber hinaus spielt auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt eine wichtige Rolle für Unternehmen. Am Standort in Köln-Porz werden unter anderem innovative Technologien für die Erzeugung und Speicherung von Energie entwickelt. Die IHK Köln fördert die Verbindungen zwischen DLR und Wirtschaft, unter anderem durch die Veranstaltung „Energieinnovationen“ im vergangenen Jahr. Bernhard Milow, Programmdirektor Energie des DLR, schätzt diese Kooperation sehr: „Das DLR versteht sich als enger Partner der deutschen Wirtschaft und Industrie. Durch die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer können sich unsere DLR-Institute, insbesondere hier in Köln, bestens mit den regionalen Unternehmen vernetzen.“

Studium an den Bedürfnissen der Unternehmen ausgerichtet

Die privaten Hochschulen der Region sind derweil vor allem bei der Lehre wichtige Partner der Wirtschaft. Und das in zweierlei Hinsicht: Zum einen richten sie ihr Studienangebot eng an den Bedürfnissen der Unternehmen aus. Bei der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) mit ihrem Standort in Bergisch Gladbach liegt das in der Natur der Sache. Zahlreiche Studiengänge werden in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen durchgeführt. Dabei sind große Player wie Volvo oder Miltenyi Biotec ebenso vertreten wie kleinere Mittelständler, die mit der Kooperation ihre Chancen verbessern, qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen. Ein Beispiel dafür ist die Kölner Flatten IT-Consulting, die einen Großteil ihrer Mitarbeiter aus der FHDW bekommt. Dafür übernimmt sie die kompletten Studien- und Prüfungsgebühren während des dualen Studiums. Zugleich engagieren sich erfahrene Führungskräfte von Flatten in der Hochschullehre und bringen so Praxiswissen ein. Ähnliche Kooperationen pflegt auch die Cologne Business School.

Rheinische Fachhochschule pflegt regionale Vernetzung

Besonderen Wert auf die regionale Vernetzung legt die Rheinische Fachhochschule Köln (RFH), die mit derzeit rund 6.500 Studierenden eine der großen privaten Hochschulen in Deutschland ist. Sie kommt – 1958 als Ingenieurschule gegründet – aus der Praxis und pflegt daher schon traditionell ein umfassendes Netzwerk mit Unternehmen. „Eine wichtige Aufgabe für uns als Hochschule sehen wir in der ‚dritten Mission’ – im Wissenstransfer, sowohl in die Wirtschaft als auch in die Gesellschaft“, so RFH-Präsident Prof. Martin Wortmann.

Das Institut für Projekt- und Informationsmanagement (IPMI) der RFH unterstützt zum Beispiel Unternehmen im Projekt- und Informationsmanagement sowie in IT-Projekten. Die Anfragen steigen. Auch die öffentliche Verwaltung, wie etwa das Landesamt für zentrale
polizeiliche Dienste (LZPD NRW), holt sich beim IPMI Anregungen aus dem Bereich der Wissenschaft.

Die RFH unterhält vier Standorte innerhalb Kölns und weitere Studienorte, unter anderem in Schleiden, Bergheim und im oberbergischen Wermelskirchen, wo die Studiengänge Business Administration und Produktionstechnik angeboten werden.

Ob Forschung oder Lehre, die Verbindungen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft in der Region sind also vielfältig – und sie wachsen weiter.

Die ganze Region im Blick: Initiativen der IHK Köln


Die Wissenschaftslandschaft der Region ist natürlich nicht nur auf die Stadt Köln beschränkt. Wie beschrieben, sind weitere Institutionen in der Region gerade für die Kooperation mit Unternehmen wichtig. Die IHK Köln will diesen Austausch weiter fördern und hat dabei das Rheinland insgesamt im Blick. Ein Beispiel dafür ist der „Forschungsdialog Rheinland“, in dem neben Hochschulen auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR), das Forschungszentrum Jülich und die Industrie- und Handelskammern des Rheinlandes zusammenarbeiten. Die Gruppe hat gemeinsam das Forschungshandbuch der Metropolregion Rheinland erarbeitet, eine umfassende Datenbank zum Thema Wissenschaft und Wirtschaft in der Region.

Die IHK Köln führt regelmäßig Veranstaltungen durch, die die Vernetzung zwischen Unternehmen und Forschung fördern sollen. Auch mit dem COPT Zentrum der Universität gab es bereits einen gemeinsamen Workshop, bei dem Designer und Techniker zusammenkamen, um die ästhetischen und praktischen Möglichkeiten neuartiger Leuchtmittel auszuloten. Zweimal im Jahr veranstalten TH Köln und IHK Köln „Unternehmerfrühstücke“ zu speziellen und aktuellen anwendungsorientierten Forschungsthemen.

Die IHK Köln engagiert sich außerdem in der Kölner Wissenschaftsrunde, die der breiten Öffentlichkeit die Forschung in Köln näherbringt und alle zwei Jahre mit einem Themenjahr einen Schwerpunkt setzt – 2017 ist dies das Thema Wasser. Ansprechpartner zum Thema Wissenschaft und Forschung in der IHK Köln ist Detlef Kürten, Tel. 0221 1640-1510, detlef.kuerten@koeln.ihk.de

IHK-Veranstaltung: Innovation trifft Hightech

Die IHK-Veranstaltung „Connecting Boxes – Innovation trifft Hightech“ präsentiert am Donnerstag, 19. Oktober 2017, technologieorientierte Innovationen im Schnittpunkt zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Vier junge Unternehmen stellen sich dabei vor:

MyDaylivery ist eine Ausgründung der Rheinischen Fachhochschule. Die Gründer haben sich auf digitale Kuriervermittlung spezialisiert, wobei zertifizierte Privatfahrer den Transport übernehmen.

Die Rimasys GmbH stellt gezielt echte Knochenbrüche her. Diese „realistischen Frakturen im Humanpräparat“ sollen die medizinische Aus- und Fortbildung verbessern.

Die RSC Engineering GmbH wurde von Ingenieuren des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt gegründet und bietet unterschiedlichste Ingenieur-Dienstleistungen an, der Schwerpunkt liegt auf der additiven Fertigung, vereinfacht gesagt: 3-D-Druck.

Die erst vor zwei Jahren gegründete Tagxter UG ist aus der Universität Köln heraus entstanden und entwickelt eine Smartphone-App, mit der eine intuitive Orientierung auf weitläufigen Arealen wie Freizeitparks, Firmengeländen oder in Krankenhäusern möglich sein soll. „IHKplus“ hat bereits ausführlich über das Start-up berichtet.

Die WDR-Journalistin Edda Dammmüller moderiert den Abend von 18:00 bis 21:00 Uhr im bauwerk köln, Dillenburger Str. 73, 51105 Köln. Die Teilnahme ist kostenlos.

„Alle Seiten haben dazugelernt“

Prof. Klaus Becker ist seit 2009 Vizepräsident für Forschung und Wissenstransfer der Technischen Hochschule (TH) Köln. Der Ingenieur war zuvor Professor für Fahrzeugtechnik an der TH.

? Die TH Köln hat ihre Transferstrategie neu definiert – was war das Motiv dazu und welche Ziele verfolgen Sie damit?

! Bisher wurde an Hochschulen allgemein der Transferprozess seriell gedacht: Man entwickelt im akademischen Bereich eine Invention, die dann in Kooperation mit einem externen Partner über die Applikation zur Innovation erweitert wird. Wir gehen nun einen Schritt weiter und binden externe Partner bereits von Beginn an in die Ideengenerierung ein. Der Transferweg wird länger und zieht sich von der Idee bis hin zum eigentlichen Impact, also der Wirkung in der Praxis. Dabei nimmt auch die Zahl der am Transferprozess Beteiligten zu: Indem wir unsere Studierenden über Lehrforschungsprojekte einbeziehen und nach Möglichkeit auch die Zivilgesellschaft. Dies verstehen wir unter Ideen-, Wissens- und Technologietransfer.

? Die Einbeziehung externer Partner von Anfang bis Ende eines Projektes erfordert große Offenheit. Ist diese schon heute stark ausgeprägt bei den Mitarbeitenden der TH?

! Bereits heute findet eine Vielzahl von Projekten mit externen Partnern statt. Allerdings ist dies derzeit nicht hinreichend sichtbar. Das wollen wir ändern und auch die Anzahl solcher Projekte steigern. Wir werden in den nächsten Jahren mehr und mehr Projekte sehen, die unsere Idee von Wissenstransfer exemplarisch zeigen. Und je mehr solche Projekte erfolgreich durchgeführt worden sind, umso eher werden auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die jetzt noch zögerlich sind, ermutigt, eigene Projektideen umzusetzen.

? Vor ein paar Jahrzehnten gab es noch stark ideologisch geprägte Diskussionen um das Thema Drittmittel – ist der Umgang damit heute einfach pragmatischer?

! Alle Seiten haben dazugelernt. Wir haben unsere personellen Ressourcen verstärkt, interne Prozesse in vielen Bereichen optimiert und können unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei Kooperationsvorhaben nun gezielter unterstützen, etwa in Fragen der Vertragsgestaltung. Auf der anderen Seite haben auch kleine und mittelständische Unternehmen etwa durch das 2008 gestartete Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des Bundeswirtschaftsministeriums sehr positive Erfahrungen sammeln können, wie die Zusammenarbeit mit einer Hochschule aussehen kann und welche Vorteile sie bringt. Natürlich gibt es für Hochschulen Transparenzpflichten, diese beziehen sich im Wesentlichen auf die Forschungsprojekte, die öffentlich gefördert werden. Aus meiner Sicht ist es absolut richtig, dass die Öffentlichkeit erfährt, wie wir mit Steuermitteln umgehen. Für Kooperationen zwischen
Wirtschaftsunternehmen und Hochschulen, die ohne öffentliche Förderung auskommen, gilt dies nicht. Hier gibt uns die EU den Rahmen vor – das heißt, dass wir wissenschaftliche Leistungen zu marktüblichen Konditionen anbieten müssen.

? Dennoch befürchten manche einen Verlust an Unabhängigkeit von Forschung, aber auch Lehre – ist das völlig unberechtigt?

! Natürlich sind unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler frei in ihrer Entscheidung, ob und woran sie forschen und auch in welcher Form sie dies tun. Aber als Hochschule für angewandte Wissenschaften ist es sozusagen in unsere DNA eingeschrieben, dass wir anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung betreiben. Die Umsetzung in der Praxis war also immer schon Teil unseres Forschungssettings – nur beziehen wir die Anwender nun früher und anders ein.

? Ganz grundsätzlich gefragt: Die Wirtschaft in der Region betont häufig die Bedeutung des starken Wissenschaftsstandortes für
die Unternehmen. Wie sieht es umgekehrt aus?

! Wir sehen an unseren Fakultäten in Gummersbach oder Leverkusen, wie viel Potenzial in der Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft liegt und welche Vorteile dies auch für die regionale Standortentwicklung hat. In Köln bildet sich das nicht ganz so plastisch ab, dennoch gibt es auch hier genügend Beispiele, die zeigen, wie alle vom Willen zur Zusammenarbeit profitieren. Das jüngste Beispiel ist der Digital Hub für die Versicherungsbranche, den das Bundeswirtschaftsministerium in Köln einrichten will. Das #InsurLab Germany soll die Innovationsplattform werden, an der alle partizipieren: Start-ups, eingeführte Unternehmen jeder Größe und die Wissenschaft. Initiiert wurde das Projekt von der Stadt Köln, der IHK Köln, dem Institut für Versicherungswissenschaft an der Universität zu Köln und dem Institut für Versicherungswesen (ivw Köln) der TH Köln.

Die Wissenschaft ist ein starker Wirtschaftsfaktor

Eine neue Studie der Kölner Wissenschaftsrunde zeigt die vielfältige Bedeutung der Forschungslandschaft für Köln und die Region. Die Wirtschaftskraft ist auf 1,65 Milliarden Euro pro Jahr gestiegen.

Die Zahlen sind beeindruckend: 14.000 hochqualifizierte Absolventen entlassen die Kölner Hochschulen jedes Jahr auf den Arbeitsmarkt. Und weil die Region auch als Wohn- und Lebensort so attraktiv ist, bleibt weit mehr als die Hälfte von ihnen mindestens drei Jahre lang nach dem Abschluss hier – ein überdurchschnittlicher Wert. Insgesamt hat die Zahl der Studierenden in Köln inzwischen fast schon einen sechsstelligen Wert erreicht: Mit 98.500 ist Köln jedenfalls die drittgrößte Studierendenstadt in Deutschland. Und diese Tatsache prägt nicht nur das Bild einer jungen und lebendigen Stadt, sondern sichert eben auch den akademischen Nachwuchs für die Wirtschaft in der Region.

Die Zahlen entstammen dem Zweiten Kölner Wissenschafts-Wirtschaftsbericht, den die Kölner Wissenschaftsrunde (KWR) in Auftrag gegeben hat. Die KWR ist ein Zusammenschluss von Hochschulen und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen, die in dem Gremium gemeinsam mit der IHK Köln das Profil als starke Wissenschaftsstadt schärfen wollen. Vor sieben Jahren hat die KWR bei der Boston Consulting Group den ersten Wissenschafts-Wirtschaftsbericht in Auftrag gegeben. Schon damals waren die Ergebnisse bemerkenswert. Heute zeigt sich aber auch: Die Entwicklung geht rasant weiter.

Im Jahr 2010 waren es nicht 14.000, sondern „nur“ 11.000 Absolventen pro Jahr, die dem Arbeitsmarkt neu zur Verfügung standen. Auch die Zahlen für die Wirtschaftskraft der Wissenschaft insgesamt sind seither noch deutlich gestiegen. Wurden vor sieben Jahren noch 1,25 Milliarden Euro dafür angesetzt, so liegt die Schätzung jetzt bei 1,65 Milliarden Euro pro Jahr. Dabei verteilt sich die Nachfragewirkung so: 890 Millionen durch die Studierenden, 690 Millionen durch die wissenschaftlichen Einrichtungen, dazu 70 Millionen durch wissenschaftliche Kongresse.

46.000 Arbeitsplätze sind mit der Kölner Wissenschaft verbunden

Auch die Beschäftigungswirkung ist enorm: 46.000 Arbeitsplätze sind mit der Kölner Wissenschaft verbunden, und die Grundlage für die Zahl ist durchaus streng definiert, denn etwa bei der Universitätsklinik sind hier die Angestellten in Pflege und Verwaltung nicht mitgerechnet. Impulse für den Arbeitsmarkt entstehen derweil auch durch Neugründungen: Von den rund 4.000 im IHK-Bezirk jährlich neu entstehenden Unternehmen steht dem Bericht zufolge „rund ein Drittel im Zusammenhang mit einem Mitglied der Kölner Wissenschaftsrunde“.

Die Neuauflage der Studie zeigt durch diese und viele weitere Daten und Fakten die große Bedeutung der Wissenschaft für die Region. „Zugleich macht die Untersuchung auch deutlich, dass es noch großes Potenzial gibt, das es zu heben gilt“, sagt Dr. Rainer Minz, Rektoratsbeauftragter der Universität zu Köln für Alumniarbeit, Fundraising und Wissenstransfer, der die zweite Auflage koordiniert hat. So müsse die Forschung noch stärker in die Öffentlichkeit transportiert werden, um die Transparenz zu steigern. Außerdem gebe es zwar viele Beratungsstellen für Wissenstransfer und Gründung, diese sollten aber mehr vernetzt arbeiten, anstatt zu konkurrieren.

Neues Innovationszentrum vorgeschlagen

Die KWR schlägt deshalb die Gründung eines „Innovation und Creative Center“ vor, das drei Funktionen zugleich erfüllen soll: Als zentrale Transferberatung, als Gründerberatung und als Coworking-Space. Idealerweise solle ein solches Center von KWR, Stadt und IHK Köln innerhalb der kommenden fünf Jahre auf dem Campus der Universität realisiert werden.