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Ein Schmelzofen in der Klaus Kuhn Edelstahlgießerei benötigt in zweieinhalb Stunden so viel Strom, wie ein durchschnittlicher deutscher Privathaushalt in einem ganzen Jahr verbraucht. Foto: Kuhn Edelstahl
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Viel Energie, viel Wertschöpfung

Im IHK-Bezirk Köln gibt es besonders viele Unternehmen, die sehr viel Energie verbrauchen. Sie tragen erheblich zur Wertschöpfung bei – und sind besonders auf eine sichere und bezahlbare Energieversorgung angewiesen. Eine neue Studie liefert Fakten.

Text: Lothar Schmitz

Der durchschnittliche private Haushalt in Deutschland wendet im Jahr gut 3.100 Kilowattstunden Strom auf. „Diese Menge verbraucht bei uns ein Schmelzofen in zweieinhalb Stunden“, sagt Dirk Breuer.

„Bei uns“ – das ist die Klaus Kuhn Edelstahlgießerei GmbH. Das Familienunternehmen produziert hochwertige Bauteile aus Edelstahl im Schleudergussverfahren und ist damit der zweitgrößte Arbeitgeber im oberbergischen Radevormwald – und mit Abstand der größte Energieverbraucher.

„Das Schmelzen von Stahl verbraucht riesige Mengen Strom“, erzählt Breuer, „sechs Millionen Kilowattstunden kommen bei uns allein für diesen Produktionsschritt zusammen.“ Weitere zwei Millionen fallen für den Schleuderguss an. „Außerdem verbrauchen das Trennen und Zerspanen nochmal vier Millionen Kilowattstunden“, rechnet der Umweltbeauftragte des Unternehmens vor. Macht zusammen: zwölf Millionen Kilowattstunden Gesamtstromverbrauch. So viel wie 3.871 Privathaushalte. Für die Wärmebehandlung der Komponenten kommen noch 14 Millionen Kilowattstunden Gas hinzu.

Die Kosten für den Energieverbrauch belaufen sich auf 1,9 Millionen Euro pro Jahr für Strom, weitere 800.000 Euro gibt das Unternehmen für Gas aus.

Besonders viele energieintensive Firmen

Die Firma Kuhn Edelstahl zählt zu den besonders energieintensiven Industrieunternehmen, die im IHK-Bezirk Köln eine deutlich größere Bedeutung als im Landes- und Bundesdurchschnitt haben. 37.000 Beschäftigte arbeiten in Köln und Leverkusen sowie im Oberbergischen, Rheinisch-Bergischen und Rhein-Erft-Kreis in energieintensiven Industrien, der Umsatz liegt bei jährlich rund 14 Milliarden Euro, und die Wertschöpfung beträgt drei Milliarden Euro.

Dies zeigt eine neue Studie, die die IHK Köln gemeinsam mit den Industrie- und Handelskammern Aachen und Mittlerer Niederrhein in Auftrag gegeben hat. Der Untersuchung zufolge gehen rund 64 Prozent des Gesamtumsatzes und 57 Prozent der Wertschöpfung in den energieintensiven Industrien im IHK-Bezirk Köln auf die Chemieindustrie zurück. Der Schwerpunkt liegt in der besonders stromintensiven Grundstoffchemie, zum Beispiel der Chlorherstellung. Weitere zentrale Branchen sind die Nahrungs- und Futtermittelindustrie sowie Gießereien wie Kuhn Edelstahl.

Weitreichende Effekte – lokal, landes- und bundesweit

„Energieintensive Unternehmen sind wesentlicher Teil regional- und gesamtwirtschaftlich bedeutsamer Wertschöpfungsketten“, erläutert Elisabeth Slapio, Geschäftsführerin Innovation und Umwelt der IHK Köln. Konkret: Auf drei Beschäftigte in den energieintensiven Industrien kommt ein weiterer Arbeitsplatz direkt vor Ort hinzu. Vier Euro Umsatz generieren zusätzlich einen Euro in der Region. Und die Wertschöpfung erhöht sich sogar um 30 Prozent.

Diese zusätzlich erzielten Wirkungen – die sogenannten „Multiplikatoreffekte“ – verstärken sich auf NRW-Ebene: Der Umsatz verdoppelt sich entlang der Wertschöpfungsketten von rund 14 Milliarden Euro vor Ort auf 29 Milliarden Euro in Nordrhein-Westfalen. Die Bruttowertschöpfung nimmt noch deutlicher zu: drei Milliarden Euro in der Region erzeugen acht Milliarden Euro in NRW. Gleiches gilt für die Beschäftigung: Die 37.000 Beschäftigten im IHK-Bezirk Köln ermöglichen im Land rund 100.000 Arbeitsplätze.

Deutschlandweit sieht die Rechnung so aus: Eine Wertschöpfung von 100 Euro im IHK-Bezirk Köln löst bundesweit eine Wertschöpfung von insgesamt 350 Euro aus. Das gleiche Verhältnis gilt für die Beschäftigung. Für die Produktion ergibt sich bundesweit ein Multiplikator von 2,5.

Entscheidend: eine verlässliche Energieversorgung

Damit ist aber auch klar: „Gerade in einer Region mit energieintensiver Industrie und eng vernetzten Wertschöpfungsketten hängen Wohlstand und Beschäftigung in besonderem Maße von einer verlässlichen und wettbewerbsfähigen Energieversorgung ab“, sagt Slapio. Insbesondere energiepolitische Maßnahmen würden deshalb schnell eine weitreichende Wirkung entfalten. „Dieser überregionalen Verantwortung“, betont die IHK-Geschäftsführerin, „muss sich die Politik bei energiepolitischen Entscheidungen bewusst sein.“

Wie die Studie nämlich auch zeigt, werden in den energieintensiven Industrien im IHK-Bezirk Köln über 7.200 Gigawattstunden verbraucht. Dies entspricht rund drei Prozent des industriellen Gesamtverbrauchs in Deutschland. „Der hohe Energieverbrauch beruht übrigens nicht auf Ineffizienz“, stellt Slapio klar: Weil Energiekosten für die Unternehmen ein erheblicher Kostenfaktor seien, würden sie diverse Maßnahmen der Energieeinsparung umsetzen. Kuhn Edelstahl zum Beispiel stellte vor einiger Zeit die komplette Beleuchtung auf LED um. „Dadurch sparen wir 18.000 Euro pro Jahr an Energiekosten“, berichtet Dirk Breuer.

Effizienz ist die eine Seite der Medaille – die sichere Verfügbarkeit kostengünstiger Energie die andere. Vor dem Hintergrund der Studienergebnisse befasst sich deshalb auch die Vollversammlung der IHK Köln zurzeit mit dem komplexen Thema. Für ihre Sitzung am 4. Juli bereitet sie eine Resolution vor, in der sich die in dem höchsten IHK-Gremium vertretene Unternehmerschaft für die Versorgungssicherheit insbesondere der energieintensiven Industrie im Bezirk der IHK Köln stark macht. Damit Wohlstand und Beschäftigung nicht ins Wanken geraten.

Informationen und Kontakt

Die Studie „Die Bedeutung des Wertschöpfungsfaktors Energie in den Regionen Aachen, Köln und Mittlerer Niederrhein“ entstand im Auftrag der Industrie- und Handelskammern Aachen, Köln und Mittlerer Niederrhein und wurde im Juni der Öffentlichkeit vorgestellt.

Kontakt:

Christian Vossler
Leiter Energie und Umwelt
Tel. 0221 1640-1504
christian.vossler@koeln.ihk.de

Energie – Dienstleistungen der IHK Köln

Die IHK Köln setzt sich für verlässliche energiepolitische Rahmenbedingungen ein und informiert ihre Mitgliedsunternehmen zu den Themen Energiepolitik, Energieeffizienz, Energiemanagement, Klimaschutz sowie zu aktuellen Förderprogrammen. Eine Auswahl ihrer Dienstleistungen:

Initialberatung Energie
Die IHK bietet ihren Mitgliedsbetrieben die Möglichkeit, bei einem gemeinsamen Treffen Einsparpotenziale im Unternehmen zu entdecken und daraus Maßnahmen zur Energieeffizienz abzuleiten. Auch eine gemeinsame Begehung im Betrieb ist möglich. Das Angebot ist kostenfrei.

Energieberater-Datenbank
Bei steigenden Energiekosten ist mehr Energieeffizienz der Schlüssel, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Energieberater helfen dabei, entsprechende Potenziale aufzudecken. Mithilfe der Energieberater-Datenbank der IHK Köln finden Interessenten die richtigen Ansprechpartner in ihrer Nähe.

Energie-Scouts
Aus Azubis werden Energie-Scouts! Seit 2015 besteht jährlich die Möglichkeit, geeignete Auszubildende in einem mehrtägigen Workshop kostenlos zu Energie-Scouts schulen zu lassen. Sie können dann im Unternehmen dazu beitragen, Energieeinsparpotenziale zu erkennen, zu dokumentieren und Verbesserungen anzuregen. Die Workshops vermitteln Basiswissen rund um das Thema Energie- und Ressourceneffizienz und bieten Impulse für die Erarbeitung eines eigenen Projektes zur Energieeinsparung im Unternehmen. Die Projekte werden in einer Abschlussveranstaltung vorgestellt und von einer Jury bewertet. Die aktuellen Workshops laufen bereits seit Mai, Mitte 2019 wird es voraussichtlich den nächsten geben. Interessenten können sich jederzeit bei Henrike Warlitzer bei der IHK Köln melden und sich in eine Interessentenliste aufnehmen lassen.

Henrike Warlitzer
Tel. 0221 1640-1503 | Fax 1519
henrike.warlitzer@koeln.ihk.de                        



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