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Gruppenbild mit Preisträger: Ausbildungsleiter Michael Jonas hat über 250 Auszubildende im industriell-technischen Bereich vom ersten Tag an bis zur Abschlussprüfung begleitet. Foto: Ulrich Kaifer
Porträt

Unterstützer in allen Lebenslagen

Wenn Michael Jonas (54) gebraucht wird, ist er sofort zur Stelle. Sein gläsernes Büro steht mitten im Werkbereich der Atlas Copco Energas GmbH in Köln-Sürth. Seine Auszubildenden hat der "Ausbilder des Jahres 2017" immer im Blick. "IHKplus"-Autorin Katharina Hamacher hat ihn besucht.

Herr Jonas, herzlichen Glückwunsch zum Titel „Ausbilder des Jahres 2017“. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Diese Ehrung ist die Krönung meines Berufslebens und zugleich eine große Überraschung, denn ich habe mir überhaupt keine Chancen ausgerechnet. Als mich die Personalabteilung vorgeschlagen hat, wollte ich zuerst gar nicht, da ich nicht gern im Mittelpunkt stehe. Für mich ist es ganz wichtig, dass der Preis unserem gesamten Ausbilder-Team gilt. Wir haben alle ein sehr gutes Verhältnis zu unseren Auszubildenden.

Das wird im Bewerbungs-Video deutlich. Die Auszubildenden loben Sie in den höchsten Tönen …

… etwas anderes habe ich auch nicht erwartet (lacht). Wir kommen prima miteinander aus.

Was macht denn für Sie einen guten Ausbilder aus?

Noch wichtiger als die fachliche Kompetenz ist für mich das Menschliche. Das erfordert ein hohes Maß an Empathie. Einem etwas schwächeren Auszubildenden etwas beizubringen, das gehört zu unserem Aufgabenbereich. Es ihm aber so beizubringen, dass er auch Spaß an der Arbeit hat und sich motiviert fühlt, das ist die Schwierigkeit an der Sache.

In den vergangenen 30 Jahren haben Sie mehr als 250 Auszubildende im industriell-technischen Bereich vom ersten Tag an bis zur Abschlussprüfung begleitet. Sind Ihnen viele in Erinnerung geblieben?

Oh ja, ich erinnere mich gut. Viele von ihnen sehe ich bis heute, wenn ich durch unsere Werkshallen gehe. Ein großer Vorteil von Atlas Copco ist, dass wir für den eigenen Bedarf ausbilden. Der Großteil der Facharbeiter hat die Ausbildung hier gemacht, teilweise bilde ich heute deren Kinder aus. So hält sich der persönliche, herzliche Kontakt über Jahre. Und auch ich scheine in Erinnerung geblieben zu sein: Nach einem Zeitungsartikel über die Auszeichnung zum „Ausbilder des Jahres“ haben mir Leute gratuliert, die ich seit Jahren nicht gesehen habe. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

Sie selbst haben vom Maschinenschlosser über den Meister Maschinenbau bis hin zum Technischen Betriebswirt die gesamte Bandbreite der beruflichen Bildung durchlaufen. Wie sind Sie zur Ausbildertätigkeit gekommen?

Als ich im zweiten Lehrjahr war, haben wir die Neuen aus dem ersten Jahr unterstützt, um den Ausbilder zu entlasten. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich im Hinterkopf hatte: Irgendwann möchte ich genau das machen. Als die Stelle schließlich vakant wurde, kam der damalige Ausbildungsleiter auf mich zu und fragte, ob ich Lust dazu hätte. Ich war sofort dabei.

Was macht Ihnen so viel Spaß an Ihrer Arbeit?

Dass es nie langweilig wird. Die jungen Menschen dreieinhalb Jahre zu begleiten, das ist auch für uns eine ganz intensive Zeit. Wir sehen die Leute aufwachsen. Nach dem Abitur sind sie auf dem Papier erwachsen, aber im Herzen immer noch Kinder. Mittlerweile sind wir zu einem Großteil erzieherisch tätig und haben immer ein offenes Ohr auch für private Probleme.

Auch fachlich sind Ihr Team und Sie überdurchschnittlich engagiert. Wie sieht Ihr Einsatz konkret aus?

Wir engagieren uns für die Nachwuchsförderung im Rahmen von Schulkooperationen, Ausbildungsmessen und Schülerpraktika. Ich selbst bin seit Jahren ehrenamtlich im IHK-Prüfungsausschuss tätig, das ist für mich eine große Ehre. Was die Ausbildung bei Atlas Copco auszeichnet, ist unter anderem unsere Werksschule. Wir verlassen uns nicht nur auf die Berufsschule, sondern bereiten unsere Leute zusätzlich theoretisch auf die Prüfung vor. Die individuelle Förderung ist wichtig, weil die Ausbildung in den vergangenen Jahren vielseitiger und in Teilbereichen schwieriger geworden ist. Wir sind der Meinung, dass Atlas Copco gute Leute braucht. Daher müssen wir dafür sorgen, dass sie gute Ergebnisse erbringen. Die Leistungen zeigen, dass das Konzept aufgeht. Unsere Auszubildenden sind regelmäßig bei der Bestenehrung in der IHK Köln dabei und unsere Durchfallquote ist gleich Null.

Was ist Ihnen außer guten Noten wichtig?

Dass unsere Leute Teamplayer sind. Als schwedisches Unternehmen legen wir auf ein gutes Klima unter Kollegen besonders viel Wert. Wir haben einen hohen Anteil an jungen Frauen in der Ausbildung, da muss der Umgang stimmen. Bei Einstellungsverfahren ist für mich das persönliche Gespräch im Anschluss viel wichtiger als der Test, denn eine halbe Stunde lang kann sich niemand verstellen. Irgendwann kommt das wahre Ich immer zum Vorschein. Uns Ausbildern ist es auch wichtig, aus den Kandidaten eine harmonische Gruppe zusammenzustellen. Das beugt auch Krisen vor. Wir haben zum Beispiel keine Abbrecher, weil wir von Anfang an im Gespräch bleiben und frühzeitig gemeinsam eine Lösung finden.

Was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre?

Da gibt es nur eins: Dass sie Firma weiterhin so hinter der Ausbildung steht wie bisher. Das ist nicht selbstverständlich. Wir haben auch wirtschaftlich schwierige Zeiten hinter uns, aber die Ausbildung stand nie zur Diskussion. Dass das so bleibt, liegt mir sehr am Herzen.

Mit dem Preis „Ausbilder des Jahres“ zeichnet die Industrie- und Handelskammer zu Köln seit neun Jahren Menschen für ihr vorbildliches Engagement bei der Ausbildung des Fachkräftenachwuchses aus. Neben dem Jurypreis wird jährlich der Publikumspreis per Online-Voting vergeben. In diesem Jahr gaben mehr als 1.000 User ihre Stimme an Linda Drexler, Ausbilderin im Hotel Hyatt Regency in Köln.

2017 gehörten außerdem Josef Stinner, Ausbilder bei Kampf Schneid- und Wickeltechnik GmbH & Co. KG in Wiehl, Frank Tillmann, Ausbilder bei Aldi GmbH & Co. KG Kerpen, und Götz Weißkopf, Ausbilder bei RLE International GmbH in Köln, zu den Finalisten.

Die Finalisten des Wettbewerbs "Ausbilder/-in des Jahres 2017" (v.l.n.r.): Michael Jonas, Atlas Copco Energas GmbH, Frank Tillmann, Aldi GmbH & Co. KG Kerpen, Linda Drexler, Hotel Hyatt Regency Köln, Götz Weißkopf, RLE International GmbH, Köln, und Josef Stinner, Kampf Schneid- und Wickeltechnik GmbH & Co. KG, Wiehl.
Foto: Ulrich Kaifer

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