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Zeynel Sayar und einige Mitarbeiter an der Fleischtheke des City Bazars. Foto: Astrid Piethan
Service

Unternehmen mit Migrationsgeschichte für die Ausbildung gewinnen

Text: Katharina Hamacher

Pünktlich, fleißig, zuverlässig – was Zeynel Sayar von seinen künftigen Auszubildenden erwartet, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Aber der Unternehmer hat Schwierigkeiten, Azubis zu finden, die diese Voraussetzungen erfüllen. „Meistens läuft das erste Jahr sehr gut, doch dann verlieren die Jugendlichen das Interesse und brechen die Ausbildung ab“, berichtet der 59-Jährige von seinen bisherigen Erfahrungen. Deshalb hat Sayar, der in der Bergisch Gladbacher Innenstadt ein Lebensmittelgeschäft betreibt, seit Jahren keinen Versuch mehr in Richtung Ausbildung gestartet. Arbeit gäbe es für angehende Kaufleute im Einzelhandel jedoch eine Menge. Aktuell kümmern sich neben dem Chef selbst und seiner Frau sieben Mitarbeiter im auf türkische Lebensmittel spezialisierten City Bazar um den Ein- und Verkauf, bedienen hinter der Fleischtheke, sortieren Obst und Gemüse ein und beraten die Kunden.

Wie motivierte Azubis finden?

Von den Schwierigkeiten, die passenden Azubis zu finden, hört Anne Heinevetter oft. Die Ausbildungsexpertin berät zusammen mit ihrem Kollegen Andre Abels in der KAUSA-Servicestelle Köln Unternehmen mit und ohne Migrationshintergrund. Sozusagen „unter einem Dach“ werden dort auch Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte, die einen Ausbildungsplatz suchen, von der KAUSA-Beraterin Rima Saleh beraten und unterstützt. Die Beratungsstelle für Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung wird in Köln von der Gesellschaft für berufliche Förderung in der Wirtschaft e.V. (GBFW) getragen, die wiederum in Trägerschaft der IHK Köln ist. KAUSA ist Teil des JOBSTARTER-plus-Programms, das mit Bundesmitteln gefördert wird. Anne Heinevetter und Andre Abels kennen die typischen Fragen, die interessierte Unternehmerinnen und Unternehmer bewegen: „Wie finde ich motivierte und interessierte Bewerberinnen und Bewerber?“ steht dabei ganz oben auf der Liste. „Zudem wird gefragt, was grundsätzlich die Voraussetzungen dafür sind, Ausbildungsbetrieb zu werden, wie viel die Ausbilder-Eignungsprüfung kostet und wie zeitintensiv sie ist, oder ob es Fördermöglichkeiten gibt“, sagt Heinevetter.

Die Beratung der KAUSA-Servicestelle ist für die Unternehmen völlig unverbindlich und kostenlos. In den jeweiligen Räumlichkeiten oder vor Ort im Unternehmen werden Fragen beantwortet, vorhandene Unterlagen gesichtet und geprüft, ob alle Gegebenheiten für die Ausbildung erfüllt sind. Zudem zeigen Anne Heinevetter und Andre Abels den ratsuchenden Unternehmen die vielen Vorteile auf, die die Ausbildung junger Menschen mit sich bringt: „Wer ausbildet, wirkt dem Fachkräftemangel im eigenen Unternehmen frühzeitig entgegen und hat die Möglichkeit, die Mitarbeitenden fachlich und sozial nach eigenen Erfordernissen zu prägen“, betont Anne Heinevetter. Auch der Imagegewinn sei nicht zu unterschätzen, schließlich können auch Ausbildungsbetriebe von den Kammern geehrt werden, in Prüfungsausschüssen mitwirken und als Positivbeispiele öffentlich in Erscheinung treten. Nicht zuletzt betont die Ausbildungsexpertin das gesellschaftliche Engagement für junge Menschen, die eine berufliche Zukunft brauchen.

Vor allem dieser Punkt treibt Zeynel Sayar an, das Thema Ausbildung trotz seiner Erfahrungen nicht einfach abzuhaken. Immer wieder gibt der Unternehmer auch Praktikanten die Chance, Erfahrungen zu sammeln. „Ich bin davon überzeugt, dass Jugendliche unterstützt werden müssen – gerade solche, denen auf dem Ausbildungsmarkt nicht alle Türen offenstehen.“

KAUSA, KoBAM und Ausbildungsstellenvermittlung

Um die Passung zwischen Unternehmen und angehenden Azubis zu verbessern, arbeitet das KAUSA-Büro unter anderem intensiv mit der Ausbildungsstellenvermittlung der IHK Köln zusammen. Auch über das Beratungsangebot KoBAM (Kompetenzzentrum Bildung und Arbeit für Migrantinnen und Migranten in Köln, siehe Infokasten) werden junge Menschen in Richtung Ausbildung beraten und unterstützt.

Zeynel Sayar möchte trotz schlechter Erfahrungen Jugendlichen mit einer Ausbildung Zukunftschancen eröffnen.
Foto: Astrid Piethan

Für alle Anfragen zur KAUSA-Servicestelle Köln stehen Ihnen die Experten gerne zur Verfügung: Marketta Rosentreter, Tel. 0221 1640-6771, gbfw.rosentreter@koeln.ihk.de und Andre Abels, Tel. 0221 1640-677, gbfw.abels@koeln.ihk.de.
Weitere Informationen unter www.ihk-koeln.de/204840.

Das Angebot KoBAM (Kompetenzzentrum Bildung und Arbeit für Migrantinnen und Migranten in Köln) wird von je 1 Mitarbeiter*in der Agentur für Arbeit Köln, der Handwerkskammer zu Köln, der Industrie- und Handelskammer zu Köln sowie des Jobcenters Köln realisiert. Weitere Träger sind ARBEITGEBER Köln e.V., DGB Region Köln-Bonn und die Stadt Köln. Erstmalig wurde mit KoBAM eine Institutionenübergreifende Servicestelle geschaffen, in der Beratungsressourcen und Know-how unter einem Dach gebündelt werden. Das Kölner Büro dient gleichzeitig als Anlaufstelle für die bestehende Kölner Beratungs- und Unterstützungslandschaft sowie für Unternehmen als potentielle Arbeitgeber. Häufige Fragen von Rat suchenden jungen Migrant*innen und Geflüchteten sind beispielsweise: Welcher Beruf passt zu mir und welche Aufstiegsmöglichkeiten gibt es? Wie läuft das mit der Berufsschule? Ist es besser, wenn ich weiter zur Schule gehe und meinen Schulabschluss vor einer Ausbildung verbessere? Was kann ich nach der Ausbildung machen?
Das KoBAM-Büro ist erreichbar unter: Tel.: 0221 – 99 08 29 228/229 oder per E-Mail an: info@kobam.de

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