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"15 unserer 19 Angestellten sind seit Mitte März in Kurzarbeit." Foto: TOM HOTELS
02.2021

"Wir brauchen dringend eine langfristige Strategie."

Interview mit Thomas Lierz, geschäftsführender Gesellschafter der TOM HOTELS GmbH, Wesseling

Wie ist die Lage für Sie aktuell, wie war sie bisher während der Pandemie?
Unser Umsatz liegt derzeit (Januar 2021) quasi bei null Euro. Erlaubt ist ja nur die Unterbringung von Geschäftsreisenden sowie Begleitpersonen von Menschen, die hier in der Region im Krankenhaus sind. Die meisten Firmen sehen zurzeit aber von Geschäftsreisen ab; Vertriebler, Manager, Geschäftsführer – diese Personengruppe verschieben ihre Reisen. Gelegentlich übernachten systemrelevante Handwerker und Ingenieure bei uns, weil ihr Einsatz vor Ort unabdingbar ist.

Wie finanzieren Sie sich?
15 unserer 19 Angestellten sind seit Mitte März in Kurzarbeit. Außerdem haben wir alle bisherigen Corona-Zuschüsse angenommen: Sofortgeld, Überbrückungsgeld I und II sowie die November- und die Dezemberhilfe. Zudem nutzen wir die Rücklagen aus früheren Jahren. Gleichzeitig haben wir unsere Ausgaben massiv reduziert. So bieten wir zum Beispiel keinerlei Dienstleistungen mehr an, es gibt zurzeit kein Frühstück, auch keinen persönlichen Empfang. Der Check-in erfolgt automatisch und kontaktlos. Die wenigen Gäste haben zum Glück Verständnis dafür.

Was haben Sie an Hygiene- und Schutzmaßnahmen umgesetzt und in was investiert?
Der Hygienestandard in unseren beiden Hotels war auch vor Corona schon hoch. Darauf konnten wir aufsatteln. Wir haben in Desinfektions- und Handreinigungsmittel und -spender investiert, die Reinigungsfrequenzen erhöht und Abstandsregeln eingeführt. Die zusätzlichen Kosten betragen drei Euro pro Gast und Aufenthalt. Das Frühstücksbüffet hatten wir in Frühstück am Platz umgewandelt, bevor wir diese Dienstleistung vorübergehend ganz einstellen mussten. Ein enormer Aufwands- und Kostentreiber waren zudem die häufigen Änderungen der Corona-Schutzverordnung.

Was würden Sie tun, um wieder öffnen zu können?
Fast alles! Denn das Schlimmste für einen Unternehmer ist doch, nichts unternehmen zu können. Als Unternehmer dazu verdonnert zu sein, seinen Laden zuzumachen und abzuwarten, das ist wirklich eine tägliche Herausforderung. Zumal, da ich als Arbeitgeber Verantwortung trage. Das hier ist mein Leben, mein Team und ich, wir möchten nicht Daumen drehen, sondern Gäste bewirten und beherbergen!

Was sind Ihre Zukunftsplanungen?
Zurzeit bin ich dankbar, dass es staatliche Hilfen gibt; ich schaue zuversichtlich in die Zukunft. Dennoch habe ich mir schon frühzeitig Gedanken darüber gemacht, wie es weitergehen kann und wird. Ich habe drei Szenarien entwickelt – man wird sehen, zu welchem Zeitpunkt diese aufgehen oder korrigiert werden müssen.

Was erwarten Sie jetzt und künftig von der Regierung/Verwaltung, was brauchen Sie?
Wir brauchen einen langfristigen Fahrplan! Schnelles Impfen mit einer klaren Strategie – das ist notwendig, um aus der Pandemie herauszukommen und wieder verlässliche Perspektiven entwickeln zu können. Zusätzlich benötigen wir dringend eine langfristige Strategie für den Umgang mit dem Virus – nicht länger nur kurzfristige Maßnahmen dagegen. Denn das Virus wird uns noch eine Zeitlang begleiten, da mache ich mir keine Illusionen.

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