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Strategien gegen den Paket-Infarkt

Die Corona-Pandemie hat den Onlinehandel befeuert und für einen Rekord an Lkw-Zustellungen gesorgt. Wie sich Städte mit alternativen Logistikkonzepten vor dem Paket-Infarkt schützen können, stellt die IHK Köln in einer Studie vor.

Text: Patrick Schröder

In vielen Straßen wird in Stoßzeiten das Durchkommen immer komplizierter. Oft sind es Paketzusteller, die in zweiter Reihe parken, für Staus sorgen und Radfahrer behindern. Und es werden mehr, denn der Online-Handel wächst. Nicht zuletzt infolge der Corona-Pandemie. Waren es 2019 in Köln noch 49 Millionen Sendungen, stieg die Zahl 2020 bereits auf 54 Millionen. Inklusive Speditionsgütern sind auf den Straßen der Domstadt täglich rund 10.000 Fahrzeuge im Liefereinsatz. „Das Wachstum wird vorerst auch nicht abnehmen – im Gegenteil. Für 2030 ist mit 90 Millionen Sendungen zu rechnen“, sagt Dr. Ulrich S. Soénius, Geschäftsführer im Bereich Standortpolitik der IHK Köln. „Wir brauchen deshalb Offenheit für neue Ideen, mit denen sich die sogenannte letzte Meile, der Weg von den Umschlagzentren der Zusteller bis hin zur Wohnungstür oder zum Unternehmen, optimieren und der Verkehr entlasten lässt.“ Wie diese Ideen aussehen könnten, zeigt die Studie „Laden und Liefern im Kölner IHK-Bezirk“, erstellt von der IHK Köln und der Wirtschafts und Verkehrsberatung KE-CONSULT Kurte & Esser GbR. Sie stellt 20 Konzepte vor, mit denen Kommunen und Unternehmen die Logistik verbessern können. Darunter Lastenräder, Paketabholstationen, Paketroboter und Lieferdrohnen.

Im Trend: Pakete mit elektrischen Lastenrädern ausliefern

Und wie sehen die Konzepte der Zukunft aus? Große Zusteller wie UPS gehen beispielsweise dazu über, in Tiefgaragen sogenannte Mikrodepots zu eröffnen. In diesen Garagen lagern Lieferwagenfahrer Pakete. Die Auslieferung übernehmen Kuriere, die mit elektrischen Lastenrädern zu den Haustüren der Empfänger:innen in der Kölner Innenstadt fahren. Eine Strategie für freiere Straßen, die auch kleinere Unternehmen umsetzen. Unter ihnen NewWEYS. Das 2019 gegründete Start-up unterstützt Großhändler dabei, mit E-Cargorädern Büroartikel und Haustechnik an Kölner Verwaltungen und Unternehmen auszuliefern. Velo Carrier hingegen realisiert in Köln die letzte Meile für Lebensmittelhändler wie REWE. Ebenfalls mit elektrischen Lastenrädern, die sich in der Stadt platzsparender bewegen als klassische Lkw. Und die Zukunft solcher E-Cargobikes könnte noch effizienter aussehen. Das zeigt ein Blick nach Aachen. Dort entwickelt das Start-up Droid Drive den sogenannten Ducktrain. Dabei handelt es sich um kleine elektrische autonome Transportfahrzeuge, die in Kolonne einem Fahrradkurier hinterherfahren – ähnlich wie Entenküken, die ihrer Mutter folgen. Erreicht Ducktrain den gewünschten Stadtteil, können sich die Fahrzeuge vereinzeln und mehreren Zustellern zu den Wohnungstüren folgen. Insgesamt 1,5 Tonnen ließen sich mit einem Zug transportieren.

Auch Paketroboter und Straßenbahnen können Lkw ersetzen

Und es geht weiter. Zu den innovativen Technologien zählt laut Studie auch die Zustellung von Paketen mit Paketrobotern. Hermes hat sie in Hamburg bereits getestet. Die kleinen Helfer erinnern optisch an einen Koffer auf sechs Rädern und verkehren zwischen drei Paketshops und Testkunden – mit einer Maximalgeschwindigkeit von 6 km/h. Hat der Roboter sein Ziel erreicht, erhält die Empfänger:in eine SMS. Darin enthalten: Ein Code, mit dem er das Transportfach öffnen und sein Paket entnehmen kann. Ein platzsparendes Konzept, denn auch die Roboter sind wesentlich kleiner als ein Lkw. Doch werden sie jemals in Köln zu sehen sein? Aller Wahrscheinlichkeit nach höchstens als Randerscheinung. Expert:innen gehen davon aus, dass die kleinen Roboter keinen bedeutenden Marktanteil bei zukünftigen Sendungsausstellungen erobern. Dafür reicht ihre Kapazität nicht aus. Weitaus realistischer für die Masse: Straßenbahnen, die außerhalb der Rushhour den leeren Platz in Waggons nutzen, um Paket-Container in die Stadt zu fahren, wo Fahrradkuriere die Auslieferung übernehmen. Feldversuche für dieses Konzept laufen unter anderem in Berlin und in Frankfurt.

„Die Innenstadt muss auch weiterhin mit Lkw und Pkw erreichbar sein“

Lastenräder, Lieferroboter und Straßenbahnen: Sie alle könnten einen Beitrag dazu leisten, dass in Zukunft weniger Lkw auf den Straßen fahren. Doch eine Innenstadt ganz ohne motorisierte Fahrzeuge, wie sie das Kölner Ratsbündnis diskutiert, ist aus Sicht der IHK Köln nicht erstrebens wert. „Pendler und der Warenverkehr müssen die Innenstadt auch weiterhin mit Pkw und Lkw erreichen können. Ansonsten wäre die Existenz vieler Unternehmen bedroht“, sagt Soénius. Es existiere aber eine andere Möglichkeit, um in der Stadt Platz zu schaffen. „Wir begrüßen die Verlagerung des Parkraums aus dem öffentlichen Raum in Parkhäuser und auf private Flächen. Auch so ließen sich verstopfte Straßen vermeiden.“

Die Studie ist auf der Website der IHK abrufbar unter www.ihk-koeln.de/255680

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