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Sebastian Deeg, Geschäftsführer der Kölner Deeg exhibition & more GmbH. Foto: Martin Steinbach, www.fleaky.de
Leben

Stimmen aus der Krise

Neuausrichtung des Geschäfts, Digitalisierung, Schub für den Online-Shop, kostümiert auf Kunden zugehen: Unternehmen geben ein kurzes Corona-Zwischenfazit.


Messebauer Sebastian Deeg: Corona-Ladenbau-Pakete statt Messestände

"Mein Fazit aus der Vergangenheit und für die Zukunft: „Not macht erfinderisch“. 1946 gründete mein Großvater in der Wiederaufbauphase nach dem Krieg unser Familienunternehmen. Schon damals war klar: Um Krisen erfolgreich zu meistern, muss man kreativ neue Wege gehen. Genau das haben wir während der Corona-Krise umgesetzt. Wir haben ein „Corona-Ladenbau-Paket“ entwickelt, mit dem die Erfüllung der Schutzvorschriften umgesetzt werden kann. Das reicht von Konzeption, Druck, Auf- und Einbau von Trennwänden und Schutzwällen, über Vorrichtungen für die Verkleinerung von Verkaufsräumen, die Aufstellung von Desinfektions-Inseln mit Nutzer-Anleitung bis hin zur Beschilderung von Laufwegen und Schaufenster-Hinweisen.
Die Ausbreitung des Covid-19-Virus mit der Absage von Messen und Veranstaltungs-Verboten trifft uns hart, aber wir wollen optimistisch bleiben und mit unseren Kunden gemeinsam neue Wege gehen."

Sebastian Deeg führt die Kölner Agentur für Live Kommunikation und Messeauftritte Deeg exhibition & more in dritter Generation. Mit der Absage von Festivals, Events und Messen brach dem Unternehmen mit 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein Großteil der Umsätze weg. Sebastian Deegs Weg durch die Krise: speziell auf Corona-Schutzmaßnahmen zugeschnittene Angebote im Ladenbau. www.deeg-more.de

Alexander Bücken, Inhaber der Buchhandlung Bücken, lieferte als „SuperBücherHeld“ Bücher aus.

Als SuperBücherHeld zum Kunden

"Was wir mitnehmen: Zum einem, dass der Buchhandel wesentlich krisensicherer ist als gedacht – dies ist auf den hohen Anteil der Stammkundschaft zurückzuführen – und zum anderen ist der Buchhandel schon immer ein digitaler Vorreiter gewesen. Auch wenn wir täglich mit Tradition zu tun haben, ist die Branche doch sehr innovativ. Allein unser Webshop verfügt über zwei Millionen Artikel. Bestellungen, die bis 18.00 Uhr aufgegeben werden, kommen am nächsten Werktag bei uns in der Buchhandlung an. Gerade zu Corona-Zeiten war dies ein riesiger Vorteil für unsere Kunden. Schnell, bequem und auf Wunsch mit Boten oder Postzustellung. Viele Neukunden konnten wir auf diese Weise gewinnen, da wir viel schneller liefern konnten als die großen Internetkonzerne. Um dies den Menschen zu vermitteln, kam der SuperBücherHeld gerade recht. Er hat mit seinem Witz und Charme die Menschen für sich gewinnen können."

Alexander Bücken, Inhaber der Buchhandlung Bücken, lieferte als „SuperBücherHeld“ Bücher aus. www.buchhandlung-buecken.de


Jutta Rethmann und Stephanie Rinsche, Geschäftsführerinnen der Kölner Blütenwerk GmbH.
Foto: Blütenwerk GmbH

Online statt direkt beim Kunden

„Unsere Geschäftsfelder haben sich verschoben. Die Innenraumbegrünung vor Ort und den direkten Kontakt mit unseren Kunden mussten wir über Wochen nahezu komplett einstellen, aber parallel dazu verzeichnete unser Online-Shop erheblich mehr Zugriffe. Neue Kunden wurden auf uns aufmerksam, da während des Lockdowns die Einkaufsmöglichkeiten für Echt-Blumen erschwert waren und die Menschen erhöhte Hygieneanforderungen hatten. Kunstblumen bieten sich hier an, denn damit lassen sich sehr hohe Hygienestandards einhalten. Deshalb zählen zum Beispiel Arztpraxen schon länger zu unseren Kunden; Echtblumen sind in Behandlungsräumen gar nicht erlaubt. Aber auch für Büros und Geschäftsräume sind die Kunstpflanzen aufgrund des geringen Pflegeaufwandes inzwischen eine echte Alternative.
Wir haben schnell reagiert und unseren Online-Shop weiter ausgebaut. Es hat sich also deutlich gezeigt, dass es gut ist, auf mehreren Beinen zu stehen, seine Produkte auf verschiedenen Kanälen u.a. auch Social Media anzubieten und in der Lage zu sein, diese schnell und aktuell anzupassen.“

Jutta Rethmann führt mit Stephanie Rinsche zusammen die Blütenwerk GmbH, die hochwertige Kunstblumen-Arrangements und Grünpflanzendekoration arrangiert und vertreibt. Arztpraxen, Geschäftsräume, Büros und Showrooms werden ebenso ausgestattet wie Privatkunden. Begrünungskonzepte, Online-Shop und ein Abo-Service für wechselnden Blumenschmuck sind die Geschäftsfelder. www.bluetenwerk.de


Jutta Hartmann, Marketing, Romaco Kilian GmbH, Köln.
Foto: Romaco Kilian GmbH

Es geht auch digital

"Was sehr deutlich wurde in dieser Zeit ist, dass es in vielen Bereichen auch digital geht. Da eine der größten Messen im Bereich Packaging und Processing ausgefallen ist, mussten wir überlegen, wie wir unsere Produktneuheiten anders zum Kunden bringen.
Wir haben in kürzester Zeit einen virtuellen Showroom kreiert, in dem unsere Kunden sich in Ruhe umschauen können und eine Menge Informationen zu unseren Produkten erhalten. Dieser Showroom wird auch langfristig bleiben und Stück für Stück von uns erweitert, bis unser komplettes Portfolio hier zur Verfügung steht.
Zudem bieten wir jetzt Livestream Produktpäsentationen an. Der Kunde kann von zu Hause oder von seinem Büro aus eine Livepäsentation unserer Produkte vereinbaren. Via Livestream werden dem Kunden die Highlights an unserer Maschine gezeigt und da es interaktiv ist, kann der Kunde sich interessante Details der Maschine sofort anschauen. Ebenso führen wir jetzt auch FATs (Factory Acceptance Tests) virtuell durch. Das wird natürlich nie den persönlichen Kontakt ersetzen, aber sicher die ein oder andere Reise einsparen, mit allem was damit verbunden ist. Das reduziert beim Kunden die Kosten und schont die Umwelt.
Alle diese Tools werden wir auch langfristig weiter anbieten, da wir festgestellt haben, dass sie auch auf Kundenseite auf großes Interesse stoßen."

Jutta Hartmann, Marketing, Romaco Kilian GmbH, Köln, www.romaco.com


Christoph Damaschke, Geschäftsführender Gesellschafter der Brühler D.S. Marketing GmbH.

Autokino und Drive-in-Bühne

„Wir haben das Vakuum, das durch die Krise entstanden ist, für Kreativität genutzt und haben Kölns erstes Pop-up-Autokino ,CAR WATCH‘ aus dem Boden gestampft. Es handelt sich sogar um mehr als nur um ein Autokino, sondern um eine Drive-in-Bühne auch für Konzerte, Comedy und Firmenveranstaltungen, Tagungen und vieles mehr. Dieses Projekt kann zwar die Ausfälle, die wir durch die Krise haben, nicht ausgleichen, doch es hilft uns, unser Team weiter zu beschäftigen und unser Geschäftsfeld und Knowhow in dieser Phase zu erweitern. Dass die Umsetzung dieses gigantischen Projektes mit unserem Team innerhalb von nur drei Wochen von der Idee bis zur Premiere möglich war, hat uns noch enger zusammengeschweißt und ermutigt uns, die kommenden Wochen, Monate und Jahre weiterhin mutig, kreativ und innovativ anzugehen.“

Christoph Damaschke, Geschäftsführender Gesellschafter der Brühler D.S. Marketing GmbH, organisierte mit den Betreibern der Halle Tor 2  CAR WATCH. In dem Autokino liefen bis zu drei Mal täglich auf einer 12 x 18 Meter großen Leinwand Kinohits und Film-Klassiker, Kasalla und die Bläck Föös traten hier vor ihren in Autos sitzenden Fans auf.  

Dr. Patrick Giefers, kaufmännischer Geschäftsführer und Arbeitsdirektor und Dr. Axel Göhrt, Geschäftsführer Produktion und Technik der INEOS GmbH, Köln..
Foto: INEOS GmbH

Konsequent und kooperativ handeln

Unsere Industrie liefert die Ausgangsmaterialien für 300 medizinische Produkte, die für den Kampf gegen COVID-19 essenziell sind. Deshalb war es so wichtig, die Produktion während dieser Zeit aufrechtzuerhalten und weiter auszubauen. Wir nehmen mit, dass sich konsequentes und kooperatives Handeln, das zugleich weitsichtig und verantwortungsvoll ist, in jeder Hinsicht auszahlt.

Dr. Patrick Giefers, Geschäftsführer der INEOS GmbH, Köln, www.ineoskoeln.de

Horst-J. Burrenkopf, Inhaber der H.o. Burrenkopf & Co. Schmierungstechnik.
Foto: Holger Hoeck

Abgesagtes Jubiläum

„Wir nehmen leider die Absage eines Jubiläums aus der Krise mit. Unser Unternehmen hätte eigentlich im Mai sein 75-jähriges Bestehen gefeiert. Die Feier konnte aufgrund der aktuellen Situation jedoch nicht stattfinden. Wir haben zwar über eine Verschiebung in den November nachgedacht, doch die Planung und Organisation ist einfach zu unsicher. Aber auch das ist eben Unternehmertum: sich selbst und den Betrieb auf geänderte Rahmenbedingungen flexibel einzustellen. Das reicht von Sortimentsanpassungen über neue Vertriebswege bis hin zu der Tatsache, dass man auch eine Krise durchstehen muss. Selbst wenn diese einem das Firmenjubiläum gründlich verhagelt.“

Horst-J. Burrenkopf führt in dritter Generation die H.o. Burrenkopf & Co. Schmierungstechnik. Der am 9. Mai 1945, einen Tag nach der Kapitulation am Ende des Zweiten Weltkrieges, gegründete Familienbetrieb vertreibt von Köln aus rund 700 verschiedene Spezial-Schmierstoffe. www.burrenkopf.com


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