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KD-Geschäftsführer Dr. Achim Schloemer wünscht sich mehr Anlegemöglichkeiten in Köln. Foto: Olaf-Wull Nickel
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Stau am Schiffsanleger

Ob Flusskreuzfahrten, Ausflugsfahrten oder Events an Bord – die Fahrgastschifffahrt in Köln hat sich zu einem bedeutenden Tourismusfaktor entwickelt. Die IHK bereitet derzeit eine Analyse zu den wirtschaftlichen Effekten vor.

Text: Lothar Schmitz

„Wir prägen das Stadtbild!“, sagt Angelika Schmitz, Geschäftsführerin der Kölntourist Personen­schiffahrt am Dom GmbH, selbstbewusst. In der Tat: Blickt man beispielsweise von der Hohen­zollernbrücke  auf die berühmte Postkartenansicht gegenüber, dann sieht man nicht nur den Dom und die Spitzgiebel der Altstadthäuser, sondern auch jede Menge Anleger und Schiffe.

Die Personenschifffahrt spielt in Köln eine wichtige Rolle. „Viele Gäste kommen auf dem Rhein nach Köln, und viele Gäste nutzen den Rhein für Panorama-, Ausflugs- und Eventfahrten“, sagt Stephanie Kleine Klausing, Prokuristin der KölnTourismus GmbH. „Der Rhein ist elementar für Köln.“ So elementar, dass die IHK, KölnTourismus und einige Unternehmerinnen und Unternehmer
es endlich einmal ganz genau wissen wollen: Welche wirtschaftlichen Effekte hat die Fahrgast-
und Personenschifffahrt eigentlich? Wie viel investieren die Unternehmen? Wer profitiert alles von der Personenschifffahrt – von Gastronomie und Hotellerie über Handel und ÖPNV bis zu Kunst und Kultur?

„Bislang liegen zu den wirtschaftlichen Effekten der Fahrgastschifffahrt keine belastbaren Daten
und Zahlen vor“, sagt Alexander Hoeckle, Ge­schäftsführer der IHK Köln. Sie werde in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit und Politik als Wirtschaftsfaktor unterschätzt. Das will die IHK mit einer Analyse ändern, die vom IHK-Ausschuss Gastronomie/Touristik-Freizeit an­­gestoßen wurde. Die IHK führt eine Online-Befragung derjenigen Anbieter durch, die Schiffe mit Liegezeiten in Köln betreiben.

6,3 Millionen Übernachtungen pro Jahr

So viel immerhin ist bekannt: Köln zählte 2018 insgesamt fast 6,3 Millionen Übernachtungen, die Zahl nimmt seit Jahren zu. Damit ist Köln innerhalb Deutschlands eine Top-Destination, überboten nur von Berlin, München, Hamburg und Frankfurt/Main. Für viele Touristen und Geschäftsreisende spielt der Rhein eine Rolle bei der Entscheidung für Köln. Bloß genaue Zahlen gibt es bisher nicht.

Vertreten sind in Köln sämtliche Segmente der Personenschifffahrt: Die Menschen unternehmen
Rundfahrten und Tagesausflüge, buchen Event- und Charterfahrten und nutzen Schiffe zu
Messezeiten als Unterkunft. Außerdem nimmt das Flusskreuzfahrtgeschäft beständig zu.
Möglicherweise ist Köln im Segment der Flusskreuzfahrten sogar Nummer 1 in Deutschland. Auch das soll die Analyse klären.

Eine Karte zeigt eindrucksvoll die Vielzahl der Anlegestellen: 25 sind es linksrheinisch zwischen Rheinauhafen und Zoobrücke. Das Traditionsunternehmen KÖLN-DÜSSELDORFER Deutsche Rheinschifffahrt GmbH (KD) ist mit vier seiner insgesamt 14 Schiffe in Köln vertreten und be­­treibt fünf Anleger. Außerdem nutzt KD einen Anleger von Viking. Nächstes Jahr wird ein neues Schiff – die „RheinGalaxie“ – die Flotte erweitern. KD-Geschäftsführer Dr. Achim Schloemer hat Zahlen in eigener Sache zur Hand: 1,5 Millionen Fahrgäste zählt das Unternehmen pro Jahr, davon 45 Prozent in Köln und Düsseldorf. Köln allein steht für rund ein Drittel aller Gäste.

Nachfrage nach Anlegern übersteigt Angebot

Die Branche steht nach Schloemers Überzeugung vor zwei Herausforderungen. Die eine: „Wir würden uns mehr Anlegemöglichkeiten in Köln wünschen.“ Insbesondere das boomende Flusskreuzfahrt-Geschäft sorge für eine erhebliche Nachfrage, es komme immer häufiger zu Engpässen. Johannes Stein von RheinCargo bestätigt das. „Die Nachfrage nach den von uns betriebenen und vermieteten Anlegern ist enorm, das ist eine echt knappe Ressource.“ Zumindest in der Altstadt. „In Mülheim zum Beispiel wäre theoretisch noch Platz, doch die Flusskreuzfahrt-schiffe wollen natürlich alle im Zentrum anlegen.“

Herausforderung Nummer 2: Die Stadt wird ab 2020 nach und nach den gesamten Uferbereich zwischen Schokomuseum und Dom erneuern. „Wir begrüßen die Maßnahme prinzipiell, es muss etwas passieren“, stellt Schloemer klar. Aber: „Wir befürchten Beeinträchtigungen für den Zu- und Ausstieg der Passagiere.“

Angelika Schmitz befürchtet Beeinträchigungen durch die anstehenden Baumaßnahmen am Kölner Rheinufer.
Foto: Olaf-Wull Nickel

Angelika Schmitz teilt die Sorgen. Mit ihrem Unternehmen Kölntourist Personenschiffahrt bietet sie mit vier Schiffen Rund-, Event- und Charterfahrten an. Gemeinsam mit KD sorgt Kölntourist zudem unter dem Namen des ursprünglichen Betreibers Dampfschiffahrt Colonia für den Betrieb der „Müllemer Bötche“, also der Schiffe, die den Hauptbahnhof mit dem Zoo und Mülheim verbinden. „Die Stadt muss sicherstellen, dass die Schiffe auch während der Bauarbeiten anlegen und Personen problem­los an und von Bord kommen können“, stellt Schmitz klar. Sie sorgt sich zudem um lang­fristige Planbarkeit. „Die Stadt hat die Landpachtverträge für die Anleger wegen der Baumaßnahmen auf zwei Jahre befristet“, erzählt die Unternehmerin, „doch wer garantiert uns, dass wir danach erneut den Zuschlag bekommen?“

KD-Mann Schloemer ist verhalten optimistisch. „Es gibt eine regelmäßige Akteurskonferenz“, berichtet er, „und wir stellen fest, dass das Bewusstsein für die Bedeutung der Personenschifffahrt von Treffen zu Treffen wächst!“

Infos und Kontakt

Vom Tourismusbarometer Rheinland bis hin zur Tourismusfinanzierung und dem Tourismusnetzwerk der IHK Köln: Zahlreiche IHK-Dienstleistungen spiegeln die Bedeutung der Branche. Infos unter
www.ihk-koeln.de/169221

Kontakt:
Timo Knauthe
Leiter Tourismus und Gesundheitswirtschaft
Tel. 0221 1640-1576
timo.knauthe@koeln.ihk.de


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