Stichwortsuche

Prächtige Stimmung im Sprachkurs, der Teil des Programms "EQ plus Deutsch" ist. Foto: Thilo Schmülgen
Leben

Starthilfe in die Ausbildung

Das Programm "EQ plus Deutsch" der IHK-Stiftung verhilft jungen Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund zum Einstieg in eine Ausbildung. Unternehmen können über die IHK-Stiftung teilnehmen.

Text: Werner Grosch

Seit einigen Jahren kümmert sich die IHK­ Stiftung für Ausbildungsreife und Fachkräfte­sicherung mit großem Erfolg darum, jungen Menschen mit erschwerten Startbedingungen den Einstieg in Ausbildung und Arbeit zu ermög­lichen. Viele davon haben einen Flucht-­ oder Migrations-hintergrund, ihre größte Hürde ist deshalb meist die deutsche Sprache. Weil aber Sprachkurse allein nicht reichen, hat die Stiftung ihre Angebote beständig weiterentwickelt. So gibt es seit dem vergangenen Jahr das Programm „EQ plus Deutsch“.

EQ steht für „Einstiegsqualifizierung“, eine Vorstufe zur Berufsausbildung, die sechs bis zwölf Monate dauert und die bei erfolgreichem Abschluss auf eine anschließende reguläre Ausbildung angerechnet werden kann. Dazu vergibt die IHK Köln am Ende der EQ­-Phase auf Grundlage der Leistungsbewertung durch das Unternehmen ein Zertifikat, das den Übergang in eine spätere Ausbildung oder Berufstätigkeit erleichtert. Hinzu kommt ein Sprachkurs, der mit dem Niveau B2 abschließt, das allgemein als Bedingung für den Beginn einer Ausbildung angesehen wird. Durch diese Kombination erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beste Voraussetzungen, um sich beruflich gut zu entwickeln und für die Unternehmen der Region wertvolle Fachkräfte zu sein.

Auf dem Weg zum Traumberuf

Wie gut das funktioniert, erlebt gerade Thomas Henseler, Operations Manager beim Unter­nehmen „Kölner Flitzer“. Vermittelt von der IHK­-Stiftung absolviert Abrhale Brhane seit Septem­ber seine EQ bei dem Kurierdienst, Transport­ Spezialisten und Autovermieter. „Wir sind wirklich begeistert. In Herrn Brhane haben wir wiedergefunden, was wir lange vermisst haben. Er ist motiviert, pünktlich und absolut gewissen­haft“, sagt Henseler über den jungen Mann, der vor knapp fünf Jahren aus Eritrea nach Deutsch­land kam. Und der gibt das Kompliment zurück: „Ich kann hier schon viel machen, es ist schön, dass ich so viel Vertrauen bekomme.“ In ein paar Monaten kann Brhane nun seine reguläre Aus­bildung zum Berufskraftfahrer beginnen - sein Traumberuf.


Thomas Henseler ist mehr als zufrieden mit seinem künftige Azubi Abrhale Brhane.
Foto: Thilo Schmülgen

Für den Erfolg des Programms sind neben der betrieblichen Praxis und dem Spracherwerb zwei weitere Bausteine wichtig, erklärt Saskia Schaaf, die bei der IHK­Stiftung das Projekt koordiniert: „Das Programm bietet parallel dazu auch eine sozialpädagogische Betreuung an, die stark nachgefragt wird. Ein Pädagoge oder eine Pädagogin vom Kölner Jugendmigrationsdienst ist während der Sprachkurse präsent und steht bei Problemen aller Art zur Seite – ob das nun Konflikte im Betrieb sind oder zum Beispiel Stress mit dem Vermieter. Dieses Angebot hilft den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, sich auf den Sprachkurs zu konzentrieren.“

Die erste Phase des im September 2018 erstmals gestarteten Programms läuft noch bis Juli und besteht aus vier Tagen im Betrieb und einem Tag Sprachkurs. Neu hinzu kommt in der zweiten Auflage ab 1. September dieses Jahres ein Tag Schulunterricht, der im Betrieb wegfällt, den Unternehmen aber auch nützen wird. Denn an diesem einen Tag der Woche werden gezielt Defizite aufgearbeitet, die oft in den Bereichen Mathematik oder Informatik bestehen.

Aktuell sind 13 junge Frauen und Männer bei „EQ plus Deutsch“ dabei. Von ihnen haben neun bereits eine feste Zusage für die Übernahme in ein reguläres Ausbildungsverhältnis. Voraus­setzungen für die Teilnahme sind ein Sprach­niveau B1, Alter zwischen 18 und 35 Jahren und der rechtliche Zugang zum Arbeitsmarkt.

IHK Köln hilft über die bürokratischen Hürden

Unternehmen, die einen Platz für „EQ plus Deutsch“ anbieten wollen, können sich an die IHK­Stiftung wenden. „Wir versuchen dann, einen geeigneten Kandidaten oder Kandidatin zu vermitteln. Den bürokratischen Aufwand nehmen wir den Unternehmen so weit wie möglich ab“, sagt Schaaf. Das Verfahren dauere zwar seine Zeit, sei aber für die Arbeitgeber überschaubar. Im Wesentlichen gehe es darum, den Antrag für die staatliche Förderung bei der Agentur für Arbeit zu stellen. Mit den rund 230 Euro Zuschuss pro Monat sei das Programm für die Unternehmen unter dem Strich nahezu kostenfrei ­– abgesehen natürlich vom betrieb­lichen Aufwand, der sich aber lohne, wie Thomas Henseler bestätigt. Er hat bereits Gespräche mit neuen Kandidaten geführt, um im Herbst wieder einen oder sogar zwei junge Leute über das Programm „EQ plus Deutsch“ zu beschäftigen.

INFOS UND KONTAKT
Weitere Partner des Pro­jektes „EQ plus Deutsch“ sind der Integration Point, die Agentur für Arbeit Köln, das Jobcenter Köln, die Handwerkskammer zu Köln und das Bundes­amt für Migration und Flüchtlinge. Gefördert wird es durch das Bundesmi­nisterium für Arbeit und Soziales, die Stadt Köln, die Regionalagentur Region Köln und den Jugendmigrationsdienst Köln.

Interessenten können sich an die Projekt­koordinatorin bei der IHK­-Stiftung wenden: Saskia Schaaf, Tel: 0221/1640­6685, saskia.schaaf@ihk­-stiftung.koeln

Ein Tag pro Woche Deutschunterricht gehört zum Programm.
Foto: Thilo Schmülgen

WEITERE THEMEN