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Intensive Beratung: Die Gründer Christoph Lieth (l.) und Alexander Kouril (2.v.r.) mit Mathias Härchen und Petra Göbbels von der IHK Köln. Foto: Astrid Piethan
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Starthilfe für den Schritt in die Selbstständigkeit

Businessplan- und Konzepterstellung, Netzwerk- und Finanzierungstipps: Bei der Gründerwoche dreht sich in der IHK Köln alles um den Aufbau des eigenen Unternehmens. Doch das Angebot der Experten ist noch weitaus umfassender.

Text: Katharina Hamacher

„Warum sollte ich als Gründer nach Köln ziehen?“ Diese Frage beschäftigte Thomas Krämer stark,
während er am Businessplan für sein Start-up „FOREST GUM“ arbeitete. Der Unternehmer hatte
sich über Jahre ein gutes Netzwerk in Hamburg aufgebaut und hatte Sorge, diesen wertvollen
Bonus aufzugeben. Eine intensive Gründungsberatung bei den Kölner IHK-Experten gab
schließlich den Ausschlag, sein Unternehmen, das Kaugummi auf Basis natürlicher Inhaltsstoffe statt Rohöl produziert, in Köln anzusiedeln. "Neben Kontakten zu Gründernetzwerken war es besonders das Fachwissen über die vielen guten Fördermöglichkeiten in Köln und NRW, das mir sehr weitergeholfen hat“, sagt Krämer.

Topthema Finanzierung

Finanzierung und Förderung zählen schon seit jeher zu den wichtigsten Themen für Gründer,
beobachtet Mathias Härchen, stellvertretender Geschäftsführer und Leiter Unternehmensförderung im Geschäftsbereich International und Unternehmensförderung bei der IHK Köln. Kein Wunder also, dass diese Facetten eine große Rolle spielen, wenn sich bei der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie initiierten bundesweiten Gründerwoche zwischen dem 18. und 22. November alles um den Schritt in dieSelbstständigkeit dreht.

Los geht es am 18.11. mit einem besonderen „Speed-Dating“: In kurzen Einzelgesprächen können potenzielle künftige Unternehmer mit den IHK-Experten über Gründung sprechen. Ausführliche Beratungsgespräche stehen am 21.11. auf dem Programm. Der 19.11. befasst sich mit der Frage, wie sich die Geschäftsidee finanziell auf die Beine stellen lässt. „Dabei kommt der Beratung eine Schlüsselrolle zu, denn viele Gründer kennen beispielsweise die vielfältigen Möglichkeiten öffentlicher Förderdarlehen nicht. Zudem werden auch Aspekte wie Crowdfunding und private Investoren immer wichtiger“, sagt Mathias Härchen. „Wir verstehen uns dabei als strategischer Sparringspartner für Gründer und weisen auf Themen hin, die viele nicht präsent haben.“

Das gilt auch für den Finanzierungssprechtag am 20.11., der alle zwei Monate von der IHK angeboten wird und sich eher an Gründer mit bereits ausgereiften Plänen richtet. Härchen empfiehlt, nach der Anmeldung den Businessplan vorab per Mail zu senden, damit sich die IHK-Berater optimal vorbereiten können. Bei der Veranstaltung sind mit der NRW.Bank und der Bürgschaftsbank NRW zwei wichtige Institute vertreten, die neben vielen Förderdarlehen zum Beispiel auch Bürgschaften für Kredite an Gründer vergeben.

Hilfen bei der Konzepterstellung

Allgemeiner wird es am 22. November. Orientierungsveranstaltungen informieren über die
Voraussetzungen zur Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit, zur Finanzierung und zu Fragen der sozialen Absicherung, geben Hilfen bei der Konzepterstellung, Fragen der Gewinnermittlung
und zu steuerlichen Grundlagen sowie weitergehenden Beratungsangeboten. Doch nicht nur im Rahmen der jährlich stattfindenden Gründerwoche bietet die IHK Köln angehenden Unternehmern ein umfassendes und kostenloses Beratungsangebot. „Der Bedarf ist groß und es ist uns wichtig, Gründungen in der Region voranzutreiben“, betont Mathias Härchen, der auch im Rahmen des Gründerstipendiums NRW als Begleitcoach tätig ist. Zu den Start-ups, denen er damit auf den Weg geholfen hat, gehört das junge Unternehmen operaize.

Die Kölner Gründer Alexander Kouril und sein Geschäftspartner Christoph Lieth haben Software entwickelt, die mithilfe Künstlicher Intelligenz industrielle Prozesse optimiert. Indem das neu entwickelte Programm Probleme und Störungen ohne menschliches Zutun erkennt und auch gleich behebt, sollen die Kunden erhebliche Kosten einsparen können, weil so wohl die Produktivität insgesamt als auch die Effizienz der Anlagen steigen. Bei diesem sehr komplexen
Thema haben den Unternehmern besonders die intensiven Gespräche mit Mathias Härchen
geholfen: „Durch seine Impulse haben wir unser Geschäftsmodell mehrfach kritisch hinterfragt,
weiterentwickelt und ausgebaut“, sagt Kouril. Beim monatlichen Coaching werden neben
Strategien zur Kapitalakquise vor allem die Projektfortschritte detailliert besprochen. „Dies hilft
uns, unseren Kurs zu überdenken und bei Bedarf eine andere, neue Richtung einzuschlagen.“

Die IHK Köln berät und unterstützt Gründerinnen und Gründer – individuell
und umfangreich. Erste Infos online


Die Veranstaltungen im Rahmen der Gründerwoche
18.11. Kurze Beratungen in Einzelgesprächen, 9:00-17:00 Uhr im Kölner Haupthaus

19.11. Großer Aktionstag zum Thema Finanzierung und Förderung, 9:00-17:00 Uhr im Kölner Haupthaus

21.11. Finanzierungssprechtage: Beratung in Einzelgesprächen, 9:00-17:00 Uhr in den Räumen der Handwerkskammer Köln

21.11. Ausführliche Gründungsberatung in Einzelgesprächen, 9:00-17:00 Uhr im Kölner Haupthaus

22.11. Gründungskompass: Große Infoveranstaltung um alle gründungsrelevanten Themen, 14:00-18:00 Uhr, Kölner Haupthaus

22.11. Kooperationsveranstaltung der IHK-Geschäftsstelle Rhein-Erft mit der Stadt Erftstadt, 15:00-18:00 Uhr in Bergheim

22.11. Gründer- und Jungunternehmermesse des Gründungsnetzwerks Leverkusen in der
Geschäftsstelle Leverkusen.

Für alle Veranstaltungen ist eine persönliche Anmeldung vorab unbedingt erforderlich.
Alle Veranstaltungen und Kontaktdaten auf www.ihk-koeln.de/gruendung

INTERVIEW

mit Thomas Krämer, Geschäftsführer des Startups FOREST GUM

Was ist das Besondere an dem von Ihnen entwickelten Kaugummi?

In der Kaumasse von herkömmlichem Kaugummi stecken thermoplastische Kunststoffe, die aus Erdöl gewonnen werden. Für FOREST GUM nutzen wir als natürliche Kaumasse Chicle, den Saft des Breiapfelbaums, den wir in den Tropenwäldern Zentralamerikas ernten. Durch die nachhaltige Bewirtschaftung der Bäume helfen wir so, die Wälder vor Ort vor der Abholzung bewahren, geben den Menschen in den Partnerkooperativen eine wichtige Einkommensquelle und vermeiden die Entstehung von Plastikmüll durch das Konsumieren von Kaugummi. Zudem ist auch die Verpackung aus Papier nachhaltig durchdacht.

In welchem Stadium befand sich die Entwicklung, als Sie sich an die IHK gewandt haben?

Ich war dabei, den Businessplan fertigzustellen und stand kurz vor meinem Umzug von Hamburg zurück in die alte Heimat nach Köln.

Wie genau haben die Experten der IHK Ihnen weitergeholfen?

Durch meine langjährige Arbeit als Geschäftsführer von Lemonaid/ChariTea in Hamburg hatte ich tatsächlich etwas die Sorge, das gute Netzwerk an der Elbe aufzugeben. Privat haben wir uns auf das Rheinland gefreut. Beruflich wusste ich nicht genau, was mich in Köln erwartet. So bin ich auch in das Gespräch mit Frau Göbbels von der IHK gegangen. Also mit der Frage: „Warum soll ich als Gründer eigentlich nach Köln ziehen?“ Sie hat mich dann über die vielen guten Fördermöglichkeiten in Köln und NRW aufgeklärt und sich dafür viel Zeit genommen. Zudem erste Hinweise über Gründernetzwerke gegeben. Das war sehr gut. 

Wie ging es dann weiter?

Insbesondere die Infos zur Zusammenarbeit mit lokalen Banken und Förderbanken haben mir sehr geholfen. Die habe ich genutzt und arbeite nun mit der Kreissparkasse Köln und der NRW Bank zusammen – was großartig ist. Ich bin dankbar für die Tipps der IHK und die Stellungnahmen, die mir den Weg geebnet haben.

In welchem Stadium befindet sich Ihr Startup jetzt?

Ende August haben wir die Crowdfunding-Phase abgeschlossen und parallel die erste Produktion und den Marktlaunch vorbereitet. Aktuell spreche ich schon mit spannenden potenziellen Kunden. Im Oktober wollen wir dann starten.


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