Stichwortsuche

Prächtige Stimmung wie 2007 erhoffen die Organisatoren auch 2019 in Köln. Foto: AMG
Service

Sportstadt Köln – weiter im Aufwind

Mit der Handball-WM 2019 steht wieder einmal ein sportliches Großereignis in Köln an. Für das Image der Stadt und die Tourismusförderung sind solche Events von großer Bedeutung – und weitere Highlights sind schon in Sicht.

Text: Werner Grosch

Die Fans träumen schon wieder. Von Pappkrönchen, Sektfontänen und ohrenbetäubendem Jubel in der LANXESS arena. Nur die angeklebten Walrossschnäuzer werden diesmal fehlen, denn die waren eine Referenz an Heiner Brand, und der ist längst nicht mehr Trainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft, die 2007 in Köln den Weltmeistertitel holte. Zwölf Jahre danach steht nun wieder eine Handball-WM in Köln an. Zwar kein Finale, aber 13 Spiele, die hochklassigen Sport versprechen. Wahrscheinlich mit Gastgeber Deutschland, Titelverteidiger Frankreich und Europameister Spanien. Das Turnier setzt eine Serie von Sportevents fort, die nicht nur für die Stadt Köln, sondern für die ganze Region von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind.

IHK engagiert sich für Sportstadt

„Sport hilft der Wirtschaft in vielerlei Hinsicht. Sportevents haben dabei eine besondere Bedeutung, denn sie rücken die Region in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Köln kann sich als
lebenswerte Stadt präsentieren und wird damit attraktiver für Besucher, Fachkräfte und Investoren“, sagt Timo Knauthe, Leiter Tourismus und Gesundheitswirtschaft der IHK Köln.

Die IHK Köln engagiert sich auch unmittelbar dafür, das Interesse an der anstehenden WM zu steigern. So ist Hauptgeschäftsführer Ulf Reichardt Mitglied des „WM-Ehrenkomitees“, dessen Mitglieder sich in Politik, Wirtschaft, Medien und Öffentlichkeit für das Großereignis einsetzen.

Viele WM-Besucher aus dem Ausland

Allein die Besucher der LANXESS arena sorgen jedes Jahr für 600.000 zusätzliche Übernachtungen
in Köln. Die Mehrzahl der Events sind zwar Konzerte, Comedy oder Karneval, aber die EM- und WM-Turniere spielen gerade im Hinblick auf ausländische Gäste eine besondere Rolle. „Bei der Eishockey-WM 2017 kam fast die Hälfte der Besucher aus dem Ausland, bei der Handball-WM rechnen wir mit 35 bis 40 Prozent“, sagt Arena-Sprecher Tomasz Grenke. Da an den vier Spieltagen, für die es ausschließlich Ganztagestickets für zwei bis vier Spiele gibt, insgesamt rund 77.000 Menschen in die Halle passen, könnten das am Ende mehr als 30.000 Gäste aus dem Ausland sein.

Das ist ein Major-Sport-Event für Köln.

Stefan Löcher, Geschäftsführer der LANXESS arena

Nachdem schon Mitte August die Hälfte der Tickets für Köln verkauft war, darf man mit ausverkauften Spieltagen durchaus rechnen. Hinzu kommt, dass bis zu eine Milliarde Zuschauer die WM am Fernseher werden verfolgen können. „Die Welt schaut eine Woche lang nach Köln!“, sagt Arena-Geschäftsführer Stefan Löcher, der die Handball-WM für ähnlich bedeutsam hält wie
die Eishockey-WM 2017: „Auch wenn wir nicht alleiniger deutscher Spielort sind und keine
Halbfinal- und Finalspiele haben, ist das ein Major-Sport-Event für Köln.“

Die Eishockey-WM sorgte sogar für rund 80.000 zusätzliche Übernachtungen in Köln, damals kamen weit mehr als 300.000 Zuschauer in die LANXESS arena. Entsprechend wichtig nimmt auch die Stadtspitze das neue Großereignis. „Dank der Kapazitäten der LANXESS arena und ihres professionellen Managements können wir beste Wettkampfbedingungen, eingespielte WM-erfahrene Partner und Strukturen bieten. Nicht zu vergessen die Kölnerinnen und Kölner, die sich für Sport begeistern und herzliche Gastgeber sind. Der Zuschlag für Spiele der Handball-WM bestätigt Kölns Ruf als Sportstadt“, sagte Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

Schon 2001 und 2010 war Köln Spielort einer Eishockey-WM, hinzu kamen fünf Spiele der
Fußball-WM 2006 und natürlich das Handball-Märchen von 2007. Und für die nächsten Jahre
sind weitere Großereignisse in Aussicht: Die Europameisterschaft der Handballer 2024 wird
definitiv in Deutschland stattfinden, und die LANXESS arena rechnet sich gute Chancen aus,
dann wieder ein prominenter Spielort zu sein. Genauso wie bei der Basketball-EM 2021, um die
sich der Deutsche Basketball-Bund bewerben will.

Werben mit der Handball-WM

Nach der Pleite der Fußballer bei der WM in Russland setzen auch Unternehmen verstärkt auf die Handballer. Als Werbeplattform bietet sich die WM 2019 allerdings nach Ansicht von Experten nur für international agierende Unternehmen an, weil für regionale Firmen der Werbeeffekt in Relation zu den Kosten für die Lizenzen gering sein dürfte. Hinzu kommt, dass aktuell (Stand Ende September) noch nicht klar ist, ob und von wem die Spiele in Deutschland übertragen werden.

Wenn sich die deutschen Handballer für die Hauptrunde qualifizieren und dann auch Spiele in der Kölner Arena austragen, könnten sich regionale Unternehmen aber die positive Stimmung zunutze machen. Dann gelten jedoch ähnlich strenge Regeln wie beim Fußball: Werbung mit dem WM-Logo ist strikt untersagt. Ein „WM-Menü“ etwa mit Fleisch(hand)bällchen dürfen Restaurants durchaus anbieten, aber wer das Logo nutzt und gar den Eindruck erweckt, er wäre offizieller Partner des Weltverbandes, riskiert saftige Geldforderungen.

WEITERE THEMEN