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Sparringspartner für die Digitalisierung

In Deckung, linker Haken: Die Digitalisierung ist für viele Betriebe anstrengend wie ein Boxkampf. Trainingspartner ist Digital Hub Cologne. Mit neuem Geschäftsführer unterstützt die Initiative den Mittelstand dabei, die Chancen der Entwicklung zu nutzen.

Text: Patrick Schröder

Was denkt sich der Mensch, wenn er Werbung in der Zeitung sieht? Marketing-Expertinnen und -Experten haben sich früher tagelang den Kopf zerbrochen. Heute lassen sie sich von einer Künstlichen Intelligenz im Internet beraten, damit die Werbung Leute anspricht. Andere Unter-nehmen entlasten ihre Telefon-Hotline, indem sie Chatbots nutzen – eine Software, die sich als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter ausgibt und auf der Webseite mit Fragenden kommuniziert. „Digitalisierung ist ein Megatrend dieser Zeit ­– und das Zukunftsthema, das Betriebe nicht ver-schlafen dürfen“, sagt Alexander Hoeckle, Geschäftsführer Unternehmensförderung bei der IHK Köln.

Verschlafen? Ja, denn einigen Zögernden gelingt es noch nicht, die Vorteile der Digitalisierung zu nutzen. Rund ein Viertel der Betriebe tut sich damit schwer, zeigt der Monitoring-Report „Wirtschaft Digital 2018“ des Bundeswirtschaftsministeriums. Diese Firmen brauchen Unter-stützung. „Die IHK Köln hat daher im Rahmen der ,Digital Cologne´-Initiative als Gesellschafterin den Digital Hub Cologne mitbegründet – eine Gesellschaft, die Betrieben konkret und handfest bei der Digitalisierung unter die Arme greift“, sagt Hoeckle. „Wir wollen nicht nur reden, sondern machen – und damit einen signifikanten Beitrag leisten, damit Unternehmen der Region zukunftsfähig bleiben.“

Geschäftsmodelle und Produkte für die Zukunft

Der Digital Hub Cologne (DHC) residiert am Rechtsrheinischen Technologie- und Gründerzentrum Köln (RTZ). Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen Mittelständler dabei, Geschäftsmodelle und Produkte für die Zukunft zu entwickeln. Dabei setzen sie an der Wurzel an: bei der Digitalstrategie. „Wir ermutigen Betriebe dazu, branchenübergreifend zu denken und
neue Ökosysteme für sich zu entdecken“, erklärt Thomas Bungard, seit 1. Juni 2019 neuer Geschäftsführer der Digital Hub Cologne GmbH. Ein Vorbild für innovatives Denken sei beispielsweise Grohe. Das Unternehmen, bekannt als Hersteller von Armaturen im Badezimmer, entwickelt mittlerweile Sensoren, die drohende Schäden an Wasserrohren melden. Und schmiedet Allianzen mit Versicherungen, die nicht nur Schäden auszahlen, sondern Kundinnen und Kunden proaktiv vor Wasserschäden schützen wollen. Grohe hat sich also ein Stück weit neu erfunden. „Es ist wichtig, solche Chancen frühzeitig zu erkennen und Kontakt mit passenden Partnern aufzunehmen – etwa mit innovativen Start-ups“, erklärt Bungard. „Der Digital Hub Cologne ist dafür der digitale Vermittler.“

Workshops und Seminare

Nach der Gründung 2016 hat sich der DHC zunächst darauf fokussiert, innovative Start-
ups zu unterstützen. Jetzt verschiebt sich der Fokus in Richtung Förderung des klassischen Mittelstands, inklusive des Handwerks. „Wir werden aktiv den Kontakt mit mittelständischen Unternehmen suchen“, unterstreicht Bungard, der in den ersten Monaten als Geschäftsführer mit über 100 Menschen aus Unternehmen, aus Wirtschaft, Forschung und Politik gesprochen hat, um Probleme rund um das Thema Digitalisierung zu verstehen und neue Serviceangebote zu entwickeln. „Uns ist es besonders wichtig, dass wir von vornherein die Meinungen des Mittelstands und des Handwerks einholen, daraus digitale Lösungskonzepte erarbeiten und bei
der Umsetzung auf die Kooperation mit der IHK Köln und den Wirtschaftsförderungen in der IHK-
Region setzen. Das von uns bereits entwickelte und noch weiter auszubauende Start-up-Öko­system bietet dafür eine essentielle Grundlage“, führt Bungard aus.

„Ein wichtiger Baustein ist auch das neue Mitgliederkonzept für Unter­nehmen, das derzeit in der Finalisierung ist und ab Januar 2020 ausgerollt wird.“ Darüber hinaus veranstaltet der DHC weiterhin Workshops und Seminare zum Thema Digitalisierung und Geschäftsmodellinnovation und betreibt die so genannten XR-Labs. Betriebe lernen dort Technologien wie Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) kennen. VR-Brillen sind beispielsweise in der Immobilienbranche beliebt, um Kundinnen und Kunden durch virtuelle Wohnungen führen zu können.

„Erste Digitalisierungs-Schritte schafft jeder“

Hoeckle macht Betrieben Mut, erste Schritte Richtung Digitalisierung zu wagen. „Es muss nicht immer gleich ein neues Geschäftsmodell sein“, ist Hoeckle überzeugt. Unternehmen können auch langsam in das Thema einsteigen und beispielsweise bei der Reisekostenabrechnung das Fahrtenbuch durch eine Smartphone-App ersetzen. Oder Konferenzen über den Messagingdienst Skype abhalten. „Das ist alles kein Hexenwerk, keine Raketenwissenschaft. Erste Schritte in die Digitalisierung schafft jeder.“


Digital Cologne bietet Infoveranstaltungen

Wie gehen Unternehmen mit Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung um? Um Betriebe zu unterstützen, hat die IHK Köln schon 2014 die Initiative Digital Cologne ins Leben gerufen. Infoveranstaltungen und praxisnahe Branchenevents vertiefen aktuell pro Quartal ein Themen­gebiet. Im vierten Quartal 2019 widmet sich die IHK-Initiative unter der Überschrift „Digitale Zukunft“ Themen wie Blockchain (am 11. Dezember) und Künstliche Intelligenz, im ersten Quartal 2020 stehen „Unterstützungen und Förderungen“ im Bereich der Digitali­sierung auf dem Programm.                      

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