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Optionen für den Bau einer Wasserstoff-Tankstelle plant Shell derzeit auch im Kölner Süden. Foto: Shell
Service

So bekämpfen Kölner Unternehmen die Luftverschmutzung

Schluss mit Staus und Luftverschmutzung: Kölner Unternehmen setzen auf betriebliches Mobilitätsmanagement. Und inspirieren einander mit umweltschonenden Verkehrsideen.

Text: Patrick Schroeder

Zwei Drittel aller Berufstätigen fahren mit dem Auto zur Arbeit. Durchschnittlich stehen sie dabei 40 Stunden pro Jahr im Stau – eine volle Arbeitswoche. Die Folge: Stress, Lärm und schlechte Luftqualität. Um dieser Misere entgegenzuwirken, setzen immer mehr Unternehmen auf das Betriebliche Mobilitätsmanagement, auf umweltschonende und wirtschaftliche Verkehrskonzepte. Zu ihnen zählt die Marc Schmitz GmbH – ein Heizungs-, Sanitär,- Elektro- und Klimatechnikunternehmen aus Köln, das sich seit 1998 von einem Vier-Mann-Betrieb zu einem mittelständischen Unternehmen mit 55 Mitarbeitern aufgeschwungen hat.

Schmitz hat bereits vor fünf Jahren ein Elektroauto für die Firma angeschafft, nach eigenen Angaben als einer der ersten Mittelständler im Rheinland.  Mittlerweile sind fünf E-Fahrzeuge für den Kundendienst in Köln, Leverkusen und Düsseldorf im Einsatz, darunter die Modelle C-Zero und Berlingo. Den Strom generiert das Unternehmen selbst, mit einer Solaranlage auf dem Dach und einem Blockheizkraftwerk, das gleichzeitig das Gebäude heizt. Um einen noch größeren Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, würde Schmitz am liebsten alle 45 Autos der Flotte durch E-Fahrzeuge ersetzen. Doch für große Transporter gebe es auf dem Markt zu wenig wirtschaftliche Angebote. „Große E-Fahrzeuge sind momentan schlichtweg zu teuer“, sagt Schmitz. „Ich bin aber zuversichtlich, dass in den nächsten fünf Jahren günstigere Modelle erhältlich sein werden und wir unsere Flotte Schritt für Schritt umstellen.“

Betriebliches Mobilitätsmanagement: VRS bietet kostenlose Erstberatung an

Unternehmen müssen den Einstieg ins Betriebliche Mobilitätsmanagement nicht allein meistern. „Der Verkehrsverbund Rhein-Sieg bietet eine kostenlose Erstberatung für Unternehmen an, die ihre betriebliche Mobilität effizient und nachhaltig organisieren wollen“, erklärt Christian Dörkes, Fachreferent für Verkehr im Büro der Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Ein Beispiel: „Immer mehr Betriebe stellen Mitarbeitern Fahrräder und Jobtickets für den ÖPNV zur Verfügung – eine Investition, die nicht nur die Umwelt schont und die Luftqualität in der Stadt verbessert, sondern auch zu einem Imagegewinn als umweltfreundliches Unternehmen führt. Und die Investition macht sich unter Umständen auch wirtschaftlich bezahlt. Denn der Betrieb spart Kosten für Parkplätze.“

Eine weitere Umweltschutzmaßnahme: Die eigene Fahrzeugflotte reduzieren und das sogenannte Corporate Carsharing nutzen, bei dem Unternehmen Dienstwagen – eventuell sogar Elektrofahrzeuge – teilen und optimal auslasten. „Die Vorteile der nachhaltigen Mobilität sind erfreulicherweise schon bei vielen Unternehmen angekommen“, sagt Dörkes. „Das motiviert andere Unternehmen, nachzuziehen und die Luftqualität in der Stadt zu verbessern.“

Shell plant eine Wasserstoff-Tankstelle im Kölner Süden

Sind Sie Autofahrer? Dann stehen die Chancen gut, dass Sie Kraftstoff aus der Kölner Shell-Rheinland-Raffinerie tanken. Die größte deutsche Raffinerie verarbeitet jedes Jahr 17 Millionen Tonnen Rohöl und produziert rund zehn Prozent des in Deutschland verbrauchten Diesel- und Ottokraftstoffs. Das Unternehmen forscht aber auch an alternativen Kraftstoffen wie Wasserstoff. Der Vorteil für die Umwelt: Brennstoffzellen von Wasserstoffautos wandeln Wasserstoff und Umgebungsluft in Wasser um. Bei dieser exothermen Reaktion entsteht Strom für den Elektromotor – und aus dem Auspuff strömt Wasserdampf, der die Luftqualität in Köln nicht trüben würde.

Shell prüft derzeit Optionen für den Bau einer Wasserstoff-Tankstelle im Kölner Süden. „Shell engagiert sich gemeinsam mit Partnern in ganz Deutschland für den Bau von Wasserstoff-Tankstellen. Dies soll dazu beitragen, das Henne-Ei-Problem zu durchbrechen“, erklärt Jan Zeese, Pressesprecher der Shell-Rheinland-Raffinerie. Denn bisher warteten viele potenzielle Käufer eines Wasserstoff-Fahrzeugs noch darauf, dass sie leicht und komfortabel Wasserstoff tanken können.

Der Mineralölkonzern will einen Impuls in der Region setzen und regionale Kooperationen ermöglichen: „Wir stehen derzeit im Dialog mit Kölner Unternehmen, die ebenfalls daran interessiert sind, einen Teil ihrer Fahrzeugflotte auf Wasserstoffantrieb umzustellen.  Wir würden uns freuen, wenn sich viele kleine regionale Unternehmen mit kleinen Flotten beteiligen.“

Von den Umweltvorteilen des Wasserstoffantriebs ist auch Linde überzeugt. Das Energieunternehmen hat im Oktober 2017 gemeinsam mit dem Mineralölkonzern Total am Flughafen Köln-Bonn eine öffentliche Wasserstofftankstelle in Betrieb genommen.

NRW-Zuschüsse für E-Ladestationen auf Betriebsgelände

Betriebe, die auf ihrem Gelände Ladestationen für Elektroautos installieren möchten, erhalten seit Oktober 2017 finanzielle Unterstützung. Das NRW-Wirtschaftsministerium bezuschusst jeden Ladepunkt mit bis zu 1.000 Euro – im Rahmen des Sofortprogramms Elektromobilität. Sind die Ladepunkte öffentlich zugänglich, sind Bezuschussungen von bis zu 5.000 Euro möglich. Voraussetzung für den Förderantrag ist der Bezug von zertifiziertem Grünstrom.

Für Kunden mit einem üblichen Stromtarif gibt es eine Übergangsregelung: Sie können bis Ende März 2018 die Errichtung ihres Ladepunktes mit 30 Prozent bezuschussen lassen.

Weitere Infos zum Förderprogramm Elektromobilität NRW auf www.ihk-koeln.de/161800

Fragen?

Detlef Kürten

Kostenlose Weiterbildung „Betriebliche/-r Mobilitätsmanager/-in (IHK)“

Die IHK Köln unterstützt Unternehmen bei der Einführung eines Betrieblichen Mobilitätsmanagements. Im Rahmen eines berufsbegleitenden Zertifikatslehrgangs können sich Mitarbeiter zum „Betriebliche/-r Mobilitätsmanager/-in (IHK)“ ausbilden lassen. Die Qualifizierung besteht aus 66 Unterrichtsstunden (á 45 Minuten) an sechs Tagen (9:00 bis 18:00 Uhr) und umfasst die Erstellung eines Mobilitätskonzeptes für den eigenen Betrieb. 2018 findet der Lehrgang vom 10. April bis 19. Juni im Maternushaus statt (Kardinal-Frings-Straße 1-3, 50668 Köln). Die Teilnahme ist kostenfrei, die Teilnehmerzahl auf 15 begrenzt.

Weitere Infos und Anmeldemöglichkeit auf www.ihk-koeln.de/167820

Fragen?

Henrike Warlitzer

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