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Die Stiftung für Ausbildungsreife und Fachkräftesicherung ebnet jungen Menschen den Weg zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt (Geschäftsführerin Tina Riepel (M.) mit Mentoren und Mentees) Foto: Peter Boettcher
Blickpunkt

Sinn stiften

Wenn es darum geht, zentrale Themen für die Zukunft dauerhaft abzusichern, bietet sich dafür eine Stiftung an. In der Region Köln gibt es besonders viele Stiftungen.

Text: Lothar Schmitz

Bei Brand-, Wasser- und Umweltschäden muss es schnell gehen. Dann ist bei der Sprint Sanierung GmbH der Firmenname Programm: Kern des Geschäfts ist die rasche, professionelle Beseitigung der Folgen solcher Einwirkungen, um den Wert von Wohn- und Gewerbeimmobilien und deren Inhalt zu erhalten.

Doch das 1973 gegründete Unternehmen kann nicht nur Sprint, sondern auch Langstrecke. Bei der Sicherung des Fachkräftenachwuchses beispielsweise zeigt es viel Ausdauer. Sprint Sanierung bildet seit vielen Jahren aus – aktuell sind es bei 1.300 Beschäftigten bundesweit 70 Auszubildende. Das erfordert Konzepte, kontinuierliche Bemühungen und Geduld. „Das ist es uns aber absolut wert“, betont Nora Braun, die als Personalreferentin in der Kölner Hauptverwaltung für die Ausbildung zuständig ist, „denn Ausbildung ist eine Investition in Nachhaltigkeit.“

Nicht nur die Firma profitiert davon, sondern auch die Gesellschaft. Denn das Kölner Unternehmen gibt auch geflüchteten Menschen eine Chance. „Wir finden Integration sehr wichtig und glauben, dass sie über Ausbildung und Beruf besonders gut gelingen kann“, sagt die Personalreferentin. Aus einem ersten holprigen Anlauf ist sie mit den besonderen Herausforderungen vertraut. „Deshalb sichern wir uns seitdem die Unterstützung eines kompetenten Partners.“

Den Weg in die berufliche Integration ebnen

Nora Braun meint damit die IHK-Stiftung für Ausbildungsreife und Fachkräftesicherung. „Unser Ziel ist es, insbesondere jungen Menschen mit erschwertem Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt den Weg in eine erfolgreiche berufliche Zukunft zu ebnen“, erläutert Tina Riepel, Geschäftsführerin der Stiftung. Dazu zählen seit 2015 verstärkt auch Geflüchtete. Die Stiftung setzt sich für eine nachhaltige Fachkräftesicherung in der Region ein und fördert dazu nicht nur Maßnahmen der Weiterbildung, Qualifizierung und beruflichen Integration, sondern setzt auch eigene Programme um.

Das Stiftungsvermögen stammt von der IHK Köln und damit aus Mitgliedsbeiträgen der regionalen Unternehmen. Darüber hinaus gibt es weitere Einzelspenden von Unternehmen, anderen Stiftungen oder Privatpersonen. Die Vollversammlung der IHK Köln brachte die Stiftung als rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts vor vier Jahren auf den Weg. Sie verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke.

Zu den eigenen operativen Programmen zählen vor allem die alljährliche „Sommerakademie“, bei der Jugendliche mit dem Ziel der Last-Minute- Vermittlung fit für Ausbildung gemacht werden, und ein Mentoring-Programm, bei dem Berufstätige ehrenamtlich Jugendliche auf den Weg in eine Ausbildung begleiten. 80 Prozent der Jugendlichen, die am Mentoring teilnehmen, können auf diesem Weg in eine Ausbildung vermittelt werden. Speziell an geflüchtete Menschen richtet sich zudem das berufliche Orientierungsprogramm „Ausbildungs- und ArbeitsPerspektive“, in dem auch das Bewerben geübt, interkulturelle Kompetenz und Praktika vermittelt werden.

Dank des Engagements der Stiftung konnte sich Sprint-Personalreferentin Nora Braun in Vorstellungsgesprächen einen Eindruck von drei Bewerbern mit Fluchthintergrund machen. Danach entschied sie sich für die 37-jährige Fatima Boumad aus Algerien und bot ihr ein dreimonatiges Praktikum an. Das endete vor wenigen Wochen. „Es lief richtig gut“, erzählt Braun, „Frau Boumad hat viel geleistet und sich auch sprachlich stark weiterentwickelt!“ Am 1. September wird die Algerierin bei Sprint eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement beginnen.

Rettungsstation für historisch bedeutendes Schriftgut und beratende Serviceeinrichtung für Unternehmen: Das RWWA (Dr. Christoph Berndorff, Vorsitzender des Kuratoriums (l.), und Dr. Ulrich S. Soénius, Direktor)
Foto: Peter Boettcher


Köln ist die Stiftungshauptstadt von Nordrhein-Westfalen

Wenn Jugendliche und Geflüchtete mit erschwertem Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt
ihren Weg machen, wenn Wissenschaftler neue Forschungsergebnisse präsentieren, wenn
behinderte Kinder von einer besonderen Therapie profitieren oder ein kleines regionales Museum
ein bedeutendes Kunstwerk anschafft – dann liegt diesen Erfolgen oft eine wichtige Gemeinsamkeit zugrunde: das Wirken einer Stiftung. Laut Bundesverband Deutscher Stiftungen ist Deutschland eines der stiftungsreichsten Länder Europas. Zurzeit gibt es 22.274 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts. Tendenz: kontinuierlich steigend.

Häufigster Stiftungszweck sind gesellschaftliche Aspekte; Bildung sowie Kunst und Kultur folgen auf den Plätzen 2 und 3. Die meisten Stiftungen – 4.370 – gab es 2017 in Nordrhein-Westfalen. Allein in der Region Köln wirken über 400 Stiftungen. Damit gilt Köln als Stiftungshauptstadt in NRW.

Viele Stifter sind Unternehmerinnen oder Unternehmer. Mit ihrem Privat- oder einem Teil des Unternehmensvermögens wollen sie Gutes tun, die Gesellschaft am Unternehmenserfolg partizipieren lassen. Oft ist es auch Dankbarkeit oder ein persönliches Schicksal, das die Unternehmer veranlasst, zu Lebzeiten eine Stiftung zu gründen oder für den Todesfall zu veranlassen, dass das Vermögen in eine Stiftung überführt wird.

„Wann immer es darum geht, bestimmte Aufgaben oder Themen für die Zukunft dauerhaft abzusichern, bietet sich dafür eine Stiftung an. Nachhaltigkeit über sich ändernde Partikularinteressen hinaus ist ihr Daseinszweck“, erklärt Dr. Ulrich S. Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. Deshalb engagiere sich auch die IHK als Stifterin bei zwei Themen, die von besonderer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Relevanz über das Tagesgeschäft hinaus seien. Ausbildungsreife und Fachkräftesicherung ist das eine Thema.

Rettungsstation für historisch bedeutendes Schriftgut

Für das andere gründete die IHK Köln gemeinsam mit weiteren IHKs im Rheinland vor vielen Jahren die Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA). Das RWWA erfüllt vor allem zwei Ziele: „Zum einen ist es Rettungsstation für historisch bedeutendes Schriftgut der Wirtschaft aus dem Rheinland“, beschreibt Soénius, der zugleich Direktor des RWWA ist. Dieses Schriftgut wird durch das RWWA gesichert, erschlossen und der Forschung zur Verfügung gestellt. Akten aus vier Jahrhunderten, zirka 600 Bestände, knapp 20 laufende Kilometer Archivalien, rund 500.000 Fotos und 5.000 Filme zeugen von der reichhaltigen Wirtschaftsgeschichte des Rheinlands. „Das Archiv versteht sich zum anderen als Serviceeinrichtung für die Wirtschaft. Es berät und betreut Unternehmen beim Aufbau und Erhalt unternehmenseigener Archive“, ergänzt Soénius.

Darüber hinaus ist das RWWA eine wissenschaftliche Forschungseinrichtung. Es betreibt eigene Forschungen zur Unternehmens-, Kammer-, Verbands- sowie Unternehmergeschichte und pflegt Beziehungen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, unter anderem zu den Universitäten des Rheinlandes. Mittels Ausstellungen und Vorträgen kommt das Archiv einem Bildungsanspruch nach.

Kürzlich hat das RWWA einen neuen Onlineauftritt erarbeitet, der im Juli freigeschaltet wurde. Außerdem beschäftigen sich Soénius und sein Team intensiv mit der digitalen Langzeitarchivierung wichtiger Dokumente.

Motivierte und leistungsstarke Azubis aus dem Lebensmitteleinzelhandel fördert die Cornelius-Stüssgen-Stiftung
Foto: Ahrens+Steinbach Projekte, Köln

Prämien für die besten Azubis im Lebensmitteleinzelhandel

Ihren Sitz bei der IHK hat zudem die Cornelius-Stüssgen-Stiftung. Seit mehr als acht Jahrzehnten zeichnet sie besonders motivierte und leistungsstarke junge Leute aus, die ihre Berufsausbildung im Lebensmitteleinzelhandel – also in den Berufen „Kaufmann/-frau im Einzelhandel“ und „Verkäufer/-in“ – mit einem „Sehr gut“ abgeschlossen haben. Die Förderstipendien gehen auf Konsul Cornelius Stüssgen(1877-1956) zurück, der die Stiftung zu Lebzeiten bei der IHK Köln errichtet hat. Der rheinische Handelsunternehmer
und Begründer der Selbstbedienungsläden „Cornelius Stüssgen“ gilt als Erfinder der vorverpackten Lebensmittel.

Derzeit erarbeitet der Stiftungsvorstand eine Satzungsänderung, da aufgrund der anhaltenden Niedrigzinspolitik unter anderem die Anlagerichtlinien zum Problem geworden sind. „In den vergangenen Jahren konnten erstmals keine Geldprämien an Ausbildungsbeste ausgeschüttet werden, weil es kaum Zinserträge gab“, berichtet Stefanie Krieger, die das Prüfungswesen Ausbildung der IHK Köln leitet und auch für die Stiftung zuständig ist. Die Familie sei, wie der Stiftungsvorstand, sehr daran interessiert, diesen Zustand zu ändern und im Sinne des Stifters künftig wieder junge Top-Azubis auszuzeichnen.

5. Kölner Stiftungstag

Der Verein Kölner Stiftungen e.V. veranstaltet alle drei Jahre den Kölner Stiftungstag. Am 29. September (ab 11 Uhr in der IHK Köln) findet er zum fünften Mal statt.

An diesem Tag präsentieren sich zahlreiche Kölner Stiftungen mit ihrem Engagement der Öffentlichkeit. Interessierte Bürger/-innen und Unternehmer/-innen haben die Gelegenheit, sich zu unterschiedlichen Aspekten des Stiftungswesens zu informieren und einen Einblick in das bürgerschaftliche Engagement in ihrer Stadt und Region zu erhalten.

Die ehren- und hauptamtlichen Repräsentanten der Stiftungen können ihrerseits ihr Engagement einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen, wertvolle Kontakte knüpfen und die Zusammenarbeit untereinander intensivieren.

Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich. Vortragsprogramm und Aussteller: www.koelner-stiftungen.de

Stiftungen bei der IHK Köln

IHK-Stiftung für Ausbildungsreife und Fachkräftesicherung

Kontakt: Tina Riepel (Geschäftsführerin)

Eupener Straße 157, Eingang 12, 50933 Köln

Tel. 0221 1640-6683

tina.riepel@ihk-stiftung.koeln

www.ihk-stiftung-koeln.de

Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA)

Kontakt: Dr. Ulrich S. Soénius (Direktor)

Unter Sachsenhausen 10-26, 50667 Köln

Tel. 0221 1640-4800

ulrich.soenius@koeln.ihk.de

www.rwwa.de

Das Archiv ist der interessierten Öffentlichkeit innerhalb der für öffentliche Archive geltenden Benutzungsbedingungen zugänglich; zuvor ist allerdings ein Benutzungsantrag erforderlich. Die Benutzung ist kostenlos.

Öffnungszeiten: Mo.-Do. 9-16:30 Uhr, Fr. 9-15:30 Uhr

Besucheradresse: Gereonstraße 5-11, 50670 Köln

Cornelius-Stüssgen-Stiftung

Kontakt: Stefanie Krieger (Leiterin Prüfungswesen Ausbildung)

Industrie- und Handelskammer zu Köln

Geschäftsbereich Aus- und Weiterbildung

Tel. 0221 1640-6500

stefanie.krieger@koeln.ihk.de

www.ihk-koeln.de

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